Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.06.2013

09:22 Uhr

Proteste in Istanbul

Taksim-Platz mit Wasserwerfern geräumt

Nach Tagen des stillen Protests demonstrieren auf dem Istanbuler Taksim-Platz wieder Zehntausende gegen die Regierung. Die Polizei setzte Wasserwerfer gegen die friedlichen Demonstranten ein.

Protest in Istanbul: In der türkischen Millionenstadt ist die Polizei wieder mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vorgegangen. dpa

Protest in Istanbul: In der türkischen Millionenstadt ist die Polizei wieder mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vorgegangen.

IstanbulDie türkische Polizei ist in der Millionenmetropole Istanbul erneut mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vorgegangen. Die Zusammenstöße ereigneten sich auf dem Taksim-Platz in der Innenstadt, wo es seit drei Wochen immer wieder zu Unruhen kommt. Die Beamten der Bereitschaftspolizei setzten zudem Schutzschilde ein, um die Protestierer abzudrängen. Auch in der Hauptstadt Ankara kam es zu Demonstrationen gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der der Protestbewegung vorwarf, den Islam nicht zu respektieren.

Die Lage auf dem Taksim-Platz war sechs Tage lang vergleichsweise ruhig, bis es am Samstag wieder zu Protesten kam. Demonstranten riefen "Polizisten, verratet eure eigenen Leute nicht" und warfen Nelken auf die Beamten. Die Zusammenstöße waren bei weitem nicht so schwer wie bei früheren Aktionen.

Auslöser der Proteste waren Pläne für die Bebauung des Gezi-Parkes, der an den Taksim-Platz grenzt. Inzwischen geht es aber vor allem um die Politik der Regierung insgesamt, die von vielen Türken als autoritär empfunden wird.

Erdogan hielt auf einer Kundgebung seiner konservativen AKP in der Schwarzmeerstadt Samsun eine Rede vor 15.000 Anhängern und machte in- und ausländische Kräfte für die Proteste verantwortlich. Profitiert hätten "die Zinslobby, die Feinde der Türkei", sagte der Regierungschef mit Blick auf Spekulanten an Finanzmärkten. Die türkische Wirtschaft sei dagegen der Verlierer.

Erdogan warf den Demonstranten zudem vor, den Islam respektlos zu behandeln. "Lasst sie in ihren Schuhen in unsere Moscheen gehen, lasst sie Alkohol in unseren Moscheen trinken, lasst sie ihre Hände gegen unsere Mädchen in Kopftüchern erheben. Ein Gebet unserer Leute reicht aus, um ihre Pläne zu durchkreuzen."

Die Proteste sind ein Zeichen für die Spaltung der türkischen Gesellschaft. Erdogan stützt sich vor allem auf religiöse Konservative, während sich liberale Türken den Protesten angeschlossen haben. Der 59-Jährige hatte zuletzt im Jahr 2011 eine Wahl gewonnen. Damals erhielt er 50 Prozent der Stimmen.

Von

dpa

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

23.06.2013, 09:44 Uhr

Die jungen Türken lassen nicht nach, in ihren Bemühungen für
modernen Wandel und Meinungsfreiheit.Das ist mutiger als bei uns mit einer müden Bevölkerung die von ungeliebten Politikern zum Erdogan Projekt wurden. Die Aleviten bei uns
brauchen keine Belehrungen von Wendehälse wie Gysi der im Bundestag die FDP angreift und Abends mit Westerwelle Geburtstag feiert und sich mit ihm kaputtlacht. Auch das
Beck zwischen den Aleviten zu finden war, ist unverschämt.
Seit Jahrzehnten werden Aleviten und Christen unterdrückt in der Türkei. Niemand hat hier mal laut ein Wort verloren
und Klarheit gefordert. Stattdessen wurden alle Forderungen von Erdogans Stadthaltern erfüllt. Sollte Erdogan wieder siegen und es kehrt Ruhe in der Türkei ein, liegen die Wendehälse wieder vor der Tür von Erdogan.

Account gelöscht!

23.06.2013, 10:12 Uhr

Der totalitäre Islamisten-Führer und US-Schützling Erdogan zeigt zunehmend sein wahres Gesicht. Daran können auch die Verharmloser der Atlantik-Brückler und die sonstigen "Schoßhündchen" der US-Eliten im deutschen Bundestag (und unter den links-grün-dominierten JournalistInnen) nicht mehr vorbeisehen. Ich erinnere an die Charakterisierung Erdogans als eine Art islamischer "Christdemokrat", unter anderem AUCH durch CDU-Politiker. Vielleicht haben sie sogar recht, ABER NUR DANN wenn auch bald HIERZULANDE eine CDU-geführte Blockparteien- Regierung ihr wahres Gesicht zeigt. Auch das ist heutzutage - nach all den Rechtsbrüchen - nicht mehr auszuschließen.

”Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Minarette sind unsere Bajonette… die Moscheen sind unsere Kasernen.” Erdogan 1998

"Demokratie ist eine Straßenbahn, man steig ein und wenn man sein Ziel erreicht hat steigt man aus". (selbiger "Islam"-Demokrat)

Account gelöscht!

23.06.2013, 10:56 Uhr

Warum in die Ferne schweifen ... eiskalt lügende Politiker , Finanz-Profiteure, Wasserwerfer, Provokateure der Polizei, Verletzte ... kann der Bürger im "Ländle" viel bequemer haben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×