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02.02.2015

21:06 Uhr

Proteste in Österreich

Das Häuflein Pegida

VonHans-Peter Siebenhaar

Während Pegida in Deutschland schrumpft, hat die fremdenfeindliche Bewegung in Österreich keine Chance auf die Massen. Mit der rechtspopulistischen FPÖ haben islamkritische Österreicher längst eine politische Heimat.

Pegida-Demo in Wien

Pegida in Wien: „Wenn Muslime sich benehmen, habe ich kein Problem“

Pegida-Demo in Wien: Pegida in Wien: „Wenn Muslime sich benehmen, habe ich kein Problem“

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WienDen besten Blick auf Österreichs Pegida-Bewegung hat Karstadt-Eigner und Immobilien-Tycoon René Benko. Denn unmittelbar an seinem repräsentativen Sitz in malerischen Wiener Innenstadt wollte die fremdenfeindliche Bürgerbewegung am Montagabend zu ihrem ersten „Spaziergang“ starten. Die rund 250 bis 400 Teilnehmer von Pegida („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) versammelten sich am frühen Abend zu ihrer ersten Demonstration in dem Alpenland.

Österreichs Hauptstadt hat schon einmal vorgesorgt. Rund 1200 Polizeibeamte sind im Einsatz, um chaotische Verhältnisse zu verhindern. Wien ist den Aufmarsch rechter Gruppen gewohnt. Erst am Freitag waren 2500 Ordnungshüter für den Akademikerball der rechtspopulistischen FPÖ im ehemaligen Kaiserpalast Hofburg im Einsatz. Und ähnlich wie am Freitag wird auch wieder eine Gegendemonstration mit einer Abschlusskundgebung vor dem Stephansdom geben.

Die Gegner sind der österreichischen Pegida-Bewegung zahlenmäßig haushoch überlegen. Nach Angaben der Polizei hatten sich rund 5000 Gegendemonstranten versammelt – und diese ließen die Islamkritiker gar nicht erst loslaufen. Dieser Fehlstart ist bezeichnend, denn in der Alpenrepublik ist Pegida nur ein kleines Häuflein. Selbst die Facebook-Seite ist alles andere als ein Hit. Pegida Österreich kommt gerade auf knapp 12.000 „Gefällt mir“. Zum Vergleich: Bei Schlagerstar Andreas Gabalier sind es 20.000.

Pegida von Kopenhagen bis Prag

Viele Pegida-Ableger in Europa

Die islamfeindliche Pegida-Bewegung hat in Dresden und anderen deutschen Städten in den vergangenen Monaten Zulauf erhalten. Aber auch im europäischen Ausland stoßen die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf Sympathie: In mehreren Ländern gibt es inzwischen Ableger der Bewegung. Von einer Teilnehmerzahl wie in Dresden am Montag vergangener Woche, als 25.000 Menschen auf die Straße gingen, waren die ersten Pegida-Proteste im Ausland allerdings weit entfernt. Nachfolgend eine Auswahl der europäischen Ableger.

Tschechien

In der tschechischen Hauptstadt Prag demonstrierten am vergangenen Freitag etwa 600 Menschen gegen den Islam. Es war die erste islamfeindliche Demonstration in Tschechien, wo Schätzungen zufolge zwischen 10.000 und 20.000 Muslime leben. Lediglich rund 20 Gegendemonstranten gingen auf die Straße. Die Organisatoren schlossen einen Zusammenschluss mit den Gleichgesinnten im nur 150 Kilometer entfernten Dresden nicht aus.

Dänemark

In Kopenhagen war für Montagabend der erste Protestzug des dänischen Pegida-Ablegers geplant. 300 Menschen hätten im Online-Netzwerk Facebook ihr Kommen zugesagt, sagte der Organisator des Protests, der Schulpsychologe Nicolai Sennels.

Norwegen

Am Montag vergangener Woche folgten in der norwegischen Hauptstadt Oslo rund 200 Menschen dem Aufruf des örtlichen Pegida-Ablegers. Man wolle die Aufmerksamkeit auf die Probleme im Zusammenhang mit der Einwanderung von Muslimen lenken, sagte der Organisator des Marschs, Gymnasiallehrer Max Hermansen. Auch Ausländer waren unter den Demonstranten, die ohne Zwischenfälle um das Osloer Rathaus herummarschierten. Nur eine Handvoll Gegendemonstranten stellten sich dem Protest entgegen.

Schweden

Der schwedische Pegida-Ableger zählt auf Facebook mehr als 8100 Anhänger. Die Gruppe verweist in zahlreichen Einträgen auf ihre Vorbilder in Dresden.

Österreich

Der österreichische Ableger, der auf Facebook mehr als 10.000 Sympathisanten zählt, bedauerte die Absage der Dresdner Pegida-Demonstration am Montag infolge von Anschlagsdrohungen. Ebenso wie die Dresdner Bewegung rief Pegida Österreich ihre Anhänger auf, anstelle des Protests am Montagabend eine Kerze ins Fenster zu stellen und die Landesflagge aus dem Fenster zu hängen.

Schweiz

In der Schweiz tauchte vergangene Woche auf Facebook ein örtlicher Pegida-Ableger auf und erhielt mehr als 3000 Unterstützer. Die Gruppe rief für den 16. Februar zu einem Protestmarsch gegen den Islam auf. Der Ort der Demonstration wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Auch die Mitglieder wurden nicht namentlich genannt, mit Ausnahme von Sprecher Ignaz Bearth. Dieser ist Chef der Direktdemokratischen Partei Schweiz, die enge Verbindungen zur rechtsextremen französischen Front National pflegt. Zuvor gehörte Bearth der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) an.

Belgien

In Belgien tauchte auf Facebook die Gruppe Pegida Vlaanderen auf, die sich mit der deutschen Pegida solidarisch erklärte. „Von Flandern aus unterstützen wir die Pegida-Bewegung in Deutschland“, heißt es in dem Eintrag der Gruppe. Rund 4500 Nutzer klickten auf die Sympathie-Bekundung „Gefällt mir“. Die Gruppe regte eine Demonstration in Antwerpen am kommenden Samstag an, legte aber keinen Termin fest.

Spanien

Auch in Südeuropa hat die Pegida-Bewegung Sympathisanten. In einem Eintrag im Kurzbotschaftendienst Twitter hieß es vergangene Woche, der spanische Ableger sei am 8. Januar gegründet worden – einen Tag nach dem islamistischen Anschlag auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in Paris.

„Wir sind eine kritische Minderheit“, schreibt Pegida Österreich auf Facebook über sich selbst. Politische Analysten im Alpenland sind sich weitgehend einig, dass sich in Österreich das deutsche Phänomen Pegida nicht so schnell wiederholen wird. Der österreichische Politikwissenschaftler Benjamin Opratko zweifelt, dass Pegida in der Alpenrepublik so viele Menschen mobilisieren kann wie in Deutschland.

Der Grund für den mangelnden Erfolg liegt auf der Hand. Fremdfeindlichkeit und Nationalismus haben bereits seit vielen Jahren eine Heimat in der rechtspopulistischen Partei FPÖ. Sie ist die größte Oppositionspartei im österreichischen Parlament. Nach letzten Umfragen kommt die FPÖ des einstigen rechten Volkstribunen Jörg Haider auf 28 Prozent – und stehen damit noch vor der konservativen ÖVP mit 26 Prozent und der sozialdemokratischen SPÖ mit ebenfalls 26 Prozent. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Unique Research im Auftrag des österreichischen Magazins „Profil“ hervor.

„Wir haben seit 1986 eine FPÖ, die ich rechtspopulistischen und rechtsextremistischen Bereich unterwegs ist. So etwas gibt es in der Bundesrepublik nicht“, sagt der österreichische Kommunikationswissenschaftler Fritz Hausjell an der Universität Wien, dem Handelsblatt. „Ein Teil der FPÖ ist bereits Pegida.“ Zudem seien selbst die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP in Fragen der Migration nach rechts gerückt. Österreich habe eine der restriktivsten Einwanderungsgesetze der EU.

Kommentare (1)

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Herr Paul Kersey

03.02.2015, 10:38 Uhr

Ich finde, "Häufchen" trifft es besser.

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