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25.03.2011

15:54 Uhr

Proteste in Syrien

Demonstrationen erreichen Damaskus

Auch Präsident Baschar al-Assad hat auf sein Volk schießen lassen, nun aber eingelenkt und Reformen versprochen. Das reicht den Demonstranten nicht - Tausende demonstrieren im ganzen Land und in der Haupstadt Damaskus.

In Syrien haben die regierungskritischen Proteste die Hauptstadt Damaskus erreicht - allerdings mobilisiert auch Präsident Assad wie hier zu sehen seine Anhänger. Quelle: dpa

In Syrien haben die regierungskritischen Proteste die Hauptstadt Damaskus erreicht - allerdings mobilisiert auch Präsident Assad wie hier zu sehen seine Anhänger.

DamaskusDie syrische Führung hat nach den blutigen Zusammenstößen in der Stadt Deraa Reformen versprochen - doch die Regimegegner sind nicht zufrieden: Die Proteste in Syrien haben sich rasant auf mehrere Städte ausgebreitet. Am Freitag gingen erneut Tausende von Syrern auf die Straße, um für Meinungsfreiheit und Demokratie zu demonstrieren. In der Provinz Deraa, die in der vergangenen Woche zum Zentrum der Protestbewegung geworden war, wurden zehn Menschen zu Grabe getragen, die am Mittwoch von Angehörigen der Sicherheitskräfte erschossen worden waren. Nach Angaben eines Augenzeugen kamen knapp 20 000 Menschen zu den Beerdigungen.

Weitere Demonstrationen wurden unter anderem aus den Städten Homs, Tel, Duma, Latakia und der Hauptstadt Damaskus gemeldet. Auch in Hama wurde demostriert - dort waren 1982 bei einem Angriff der Sicherheitskräfte tausende Menschen getötet worden.

Nach Informationen des Nachrichtensenders Al-Arabija kam es erneut zu Festnahmen. Die Polizei löste zwei Pro-Demokratie-Kundgebungen in Damaskus auf. An den Demonstrationen auf dem Mardscha-Platz im Zentrum der Stadt und in der südwestlichen Vorstadt Mezzeh hatten jeweils ein paar Hundert junge Leute teilgenommen, berichteten Augenzeugen. Die Menschen demonstrierten, um ihre Solidarität mit den in Deera getöteten Menschen zum Ausdruck zu bringen. „Wir opfern unser Blut, unsere Seele für Euch in Deraa“, riefen sie in Sprechchören.

Gleichzeitig fuhren rund 1000 Anhänger des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad mit ihren Autos durch Damaskus, um Stimmung für den Staatschef zu machen. Sie schwenkten syrische Fahnen und riefen: „Das ist das Syrien von Al-Assad!“, berichteten Augenzeugen.  

Die Präsidentenberaterin Buthaina Schaaban hatte am Donnerstag ein Reformpaket versprochen. Man wolle die Verabschiedung eines neuen Parteiengesetzes vorantrieben und die Beendigung des seit 1963 geltenden Ausnahmezustandes prüfen, sagte Schaaban. Außerdem solle es künftig keine willkürlichen Verhaftungen mehr geben.  

Die Politikerin, die schon verschiedene Posten innehatte, wird von Präsident Baschar al-Assad häufig vorgeschickt, wenn es darum geht, das „freundliche Gesicht des Regimes“ zu zeigen. Schaaban kündigte außerdem die Freilassung der in den vergangenen Tagen festgenommenen Demonstranten an.  

Die Opposition reagierte skeptisch auf die Reformankündigung des Präsidenten. Echte Reformen seien nicht zu erwarten, hieß es in den Internet-Foren der Regimegegner. „Das ist nicht genug, wir wollen Würde und Freiheit“, sagte ein Aktivist am Freitag am Rande einer Beerdigung in Deraa.

Menschenrechtler bestätigten, dass seit Donnerstag tatsächlich, wie angekündigt, mehrere Aktivisten freigelassen wurden, die in den vergangenen Tagen festgenommen worden waren. Arabische Fernsehsender, deren Kamerateams nicht erlaubt wurde, die Proteste zu filmen, sendeten am Freitag stattdessen Amateurvideos von Demonstranten aus verschiedenen syrischen Städten.

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