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14.01.2011

13:32 Uhr

Proteste in Tunis

Reiseveranstalter fliegt deutsche Urlauber aus

Tunesiens Präsident Ben Ali kommt trotz neuer Zugeständnisse ans Volk immer stärker unter Druck. Zehntausende gehen in Tunis auf die Straße. Bislang wurden 79 Tote gezählt. Der Reiseveranstalter Thomas Cook will seine deutsche Touristen aus dem Land holen.

Proteste in Tunis: Zehntausende Demonstranten verlangen den Rücktritt von Präsident Ben Ali Quelle: dpa

Proteste in Tunis: Zehntausende Demonstranten verlangen den Rücktritt von Präsident Ben Ali

HB PARIS. Der Volkszorn auf den tunesischen Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali wird immer größer. Trotz großer politischer Zugeständnisse des Präsidenten verlangten am Freitag zehntausende Demonstranten in der Hauptstadt Tunis den Rücktritt des 74-Jährigen. Ben Ali reagiert seit 23 Jahren mit autoritärer Hand. Bisher sind bei den blutigen Unruhen mindestens 79 Menschen gestorben. Der Reiseveranstalter Thomas Cook schickte Sondermaschinen nach Tunesien, um seine rund 2000 deutschen Gäste aus dem Land zu holen.

Die Zahl der protestierenden Menschen auf den Straßen von Tunis werde minütlich größer, berichteten Augenzeugen am Freitag. Die Demonstranten riefen "Nein zu Ben Ali" und nannten ihn "Lügner". Die überall sichtbare Polizei hielt sich zunächst zurück. Bei Ausschreitungen in den vergangenen Tagen hatten Sicherheitskräfte mehrfach auf Demonstranten geschossen. Am Donnerstagabend waren 13 Opfer gemeldet worden. In den Tagen davor kamen nach Angaben von Menschenrechtlern mindestens 66 Menschen bei den Unruhen ums Leben. Wegen der Unruhen hat das Auswärtige Amt in Berlin von Reisen in das nordafrikanische Urlaubsland abgeraten. Reiseveranstalter schätzen, dass sich zwischen 7000 und 10 000 deutsche Touristen in Tunesien aufhalten.

Der Reiseveranstalter Thomas Cook mit der Hauptmarke Neckermann teilte mit, noch am Freitag würden mehrere Sonderflugzeuge nach Tunesien geschickt, um die deutschen Urlauber von Thomas Cook abzuholen. Alle Abreisen nach Tunesien aus Deutschland bis einschließlich 17. Januar würden abgesagt. Die Gäste können kostenlos zurücktreten oder umbuchen.

Tunesien-Reisende des Veranstalters Tui wollen dagegen ihren Urlaub fortsetzen. Bislang gebe es keine vorzeitigen Abreisewünsche, sagte Tui-Sprecher Mario Köpers in Hannover. Noch am Freitag seien 140 Gäste von Nürnberg aus nach Tunesien geflogen, nur etwa zehn Prozent der gebuchten Kunden hätten den Flug abgesagt. Auch Rewe Touristik und Alltours sahen am Freitag keinen Grund, die Urlauber gegen ihren Willen aus dem Unruheland zurück in die Heimat zu bringen. Wegen der Unruhen rät das Auswärtige Amt von Reisen in das nordafrikanische Land ab.

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