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20.04.2011

02:07 Uhr

Proteste

UN-Sicherheitsrat ruft zur Zurückhaltung im Jemen auf

Die Gewalt im Jemen eskaliert: In der Hauptstadt Sanaa feuerte die Polizei in die Menge, um einen Marsch zum Haus des Vizepräsidenten zu verhindern. Drei Menschen sollen insgesamt ums Leben gekommen sein.

Mindestens drei Menschen sind bei Demonstrationen im Jemen von der Polizei erschossen worden. Quelle: dpa

Mindestens drei Menschen sind bei Demonstrationen im Jemen von der Polizei erschossen worden.

New York/SanaaDer Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat zur Zurückhaltung im Jemen aufgerufen und einen politischen Dialog gefordert. Auf eine öffentliche Erklärung konnten sich die Mitglieder bei ihrem Treffen hinter verschlossenen Türen am Dienstag in New York nicht einigen.

Zuvor wollten sich einige Diplomaten mit ihren Regierungen absprechen, hieß es. Der deutsche UN-Botschafter Peter Wittig, der das Treffen einberufen hatte, sagte: „Wir haben unsere Besorgnis über die sich verschlimmernde Situation im Jemen geäußert“.

US-Botschafterin Susan Rice betonte, sie und viele andere seien für ein Ende der Gewalt im Jemen eingetreten. Seit drei Monaten protestieren Demonstranten in dem Land gegen den seit 32 Jahren herrschenden Ali Abdullah Saleh. Die Opposition fordert seinen Rücktritt binnen Wochen und eine strafrechtliche Verfolgung.

Am Dienstag hat die Polizei bei Demonstrationen gegen Präsident Ali Abdullah Saleh das Feuer eröffnet und dabei mindestens drei Menschen getötet.

Die Opposition setzte unter dem Eindruck nicht erfüllter Forderungen auf eine Eskalation der Proteste gegen den autoritären Staatschef. In der Industriestadt Tais setzten Demonstranten Reifen in Brand und marschierten zu einem Armeeposten, in dem Einheiten des regierungskritischen Generals Ali Mohsen stationiert sind. Dort feierten sie lautstark dessen Entschluss, sich gegen den Präsidenten zu stellen.

In der Hauptstadt Sanaa feuerte die Polizei in die Menge, um einen Marsch zum Haus des Vizepräsidenten zu verhindern. Zwei Menschen seien ums Leben gekommen, rund 100 verletzt worden, sagte ein Mediziner. Die Demonstranten warfen mit Steinen und setzen ein Fahrzeug der Sicherheitsbehörden in Brand, wie Augenzeugen berichteten.

In Tais sei mindestens eine Person erschossen worden, berichteten Ärzte. Die Demonstranten würden ihre Taktik ändern und versuchen, die Situation zum Eskalieren zu bringen, sagte ein Student, der in der Stadt auf die Straße ging. Die Saleh-Gegner hätten das Gefühl, ihre Forderungen würden nicht erfüllt.

Vermittlungsversuche westlicher und arabische Länder sind bislang fehlgeschlagen. Der seit 32 Jahren herrschende Saleh hat sich nicht auf die Forderung der Opposition eingelassen, binnen Wochen zurückzutreten. Er hat sich zwar grundsätzlich zu einem Rückzug bereiterklärt, allerdings erst, wenn das Land in „sicheren Händen“ sei.

Am Dienstag sollten Vertreter des Präsidenten in Abu Dhabi mit Außenministern der Golfstaaten zusammenkommen - ein neuer Versuch, wieder Schwung in die festgefahrenen Verhandlungen zu bringen. Ein Organisator der Proteste in Sanaa äußerte seine Hoffnung, das Treffen in Abu Dhabi werde ein klares Bekenntnis für einen Machtverzicht Salehs hervorbringen. Ein Protestzug zu dessen Palast sei derzeit noch nicht geplant. Die Demonstranten drohten jedoch mit einem umfangreichen Streik, sollten die Vermittlungsversuche im Sand verlaufen.

Der UN-Sicherheitsrat sollte nach Angaben von Diplomaten im Laufe des Tages über die Lage im Jemen beraten. Das Treffen sei vom deutschen UN-Botschafter Peter Wittig beantragt worden, verlautete aus Diplomatenkreisen.

 

Von

rtr

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