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30.09.2012

20:15 Uhr

Protestwelle

Wut gegen Europas Sparkurs

In mehreren Metropolen Europas haben Zehntausende gegen Sparmaßnahmen ihrer Regierungen demonstriert. In Madrid schlug der Protest in Gewalt um. Auch Frankreichs Präsident Hollande spürt steigenden Druck von der Straße.

Vor dem spanischen Parlament in Madrid heben Demonstranten als Zeichen des Protests ihre Hände. dapd

Vor dem spanischen Parlament in Madrid heben Demonstranten als Zeichen des Protests ihre Hände.

Paris / Lissabon / Madrid Zehntausende Spanier, Portugiesen und Franzosen sind am Wochenende ein weiteres Mal zu Massenprotesten gegen die Sparmaßnahmen ihrer Regierungen auf die Straße gegangen.

In Madrid schlug die zunächst friedliche Demonstration in der Nacht zum Sonntag in Gewalt um. Die Polizei in der spanischen Hauptstadt versuchte gegen Mitternacht, die noch verbliebene Menschenmenge aufzulösen. Die Sicherheitskräfte setzten Schlagstöcke ein, mehrere Demonstranten warfen Steine und Flaschen. Das staatliche Fernsehen meldete zwei Verletzte und zwölf Festnahmen. Bei Kundgebungen am Dienstag waren mehr als 60 Menschen verletzt worden, 38 wurden festgenommen. Auch am Mittwoch war es zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Die Proteste am Samstag waren hingegen bis in die Nacht friedlich verlaufen.

Die Demonstranten in Madrid marschierten zum dritten Mal in einer Woche zum Parlament, um ihrem Ärger über Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen Luft zumachen. Mit Parolen wie „Feuert sie, feuert sie“ forderten sie den Rücktritt der konservativen Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy. In Spanien hatte die Regierung erst am Donnerstag für 2013 ihre bisher drastischsten Kürzungen sowie neue Sparmaßnahmen zur Bewältigung der Krise angekündigt. Der Haushaltsentwurf für das kommende Jahr sieht Einsparungen von 40 Milliarden Euro vor.

Demonstration in Madrid

Video: Demonstration in Madrid

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Im Nachbarland Portugal gingen am Samstag Tausende gegen die Sparpläne der Regierung auf die Straße. Die friedliche Kundgebung in der Hauptstadt Lissabon wurde von der Gewerkschaft CGTP organisiert. „Vor einem Jahr hat uns der Ministerpräsident erklärt, eine Einigung mit der Troika sei die Lösung für die Probleme dieses Landes“, rief CGTP-Chef Armenio Carlos der Menge zu. Man habe jedoch in Griechenland gesehen, dass dieser Weg in eine Sackgasse führe. Portugals Regierung muss massive Einsparungen im Haushalt vornehmen, um die Auflagen für die Hilfen der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu erfüllen. Die portugiesische Regierung hat im Gegenzug für das 78-Milliarden-Euro-Rettungspaket an ihr Land einschneidende Sparmaßnahmen umgesetzt. Der Vorsitzende des Gewerkschaftsbundes CGTP, Arménio Carlos, erklärte laut einem Bericht der Zeitung "O Público" vor Tausenden Demonstranten in Lissabon, er strebe noch für dieses Jahr einen Generalstreik an.

Kommentare (37)

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30.09.2012, 20:44 Uhr

Überall in Europa geh'n die Menschen auf die Strasse und Protestieren gegen diese Politik,
blos der Deutsche Michel der sitzt auf seinem Hintern und schaut das Mutantenstadl...

sunflower

30.09.2012, 20:54 Uhr

Der deutsche Michel wird erst dann von seinem Sofa aufstehen, wenn er merkt, dass die ganzen Eurorettungen aus seinen Spareinlagen finanziert wurden und diese nunmehr im Fass ohne Boden unwiederbringlich versenkt worden sind. Erst wenn es an die eigene Wäsche geht, wird der Michel aktiv; aber dann umso unberechenbarer.

Account gelöscht!

30.09.2012, 21:07 Uhr

Die Menschen überall in Westeuropa haben einen Lebensstandard, der höger ist, als Osteuropa und wesentlich höner ist, als z.B. in China oder in Afrika. Sie kapieren nicht, dass niemand in der Welt will und kann diesen hochen Lebensstandard mehr bezahlen. Z.B. in Südostasien arbeitet man wesentlich mehr als 40 Studen per Woche und diese Menschen wollen nicht mehr die Menschen in Westeuropa finanzieren.

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