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06.06.2011

19:34 Uhr

Prozess gegen Ex-IWF-Chef

Selbstbewusster Strauss-Kahn zeigt Kampfeswillen vor Gericht

Als er vor drei Wochen vor dem Richter auftrat, war er müde und trug Stoppelbart. Heute präsentierte sich Dominique Strauss-Kahn als souverän, als Mann von Welt. Und seine Anwälte wissen, wie man Promis freiboxt.

Sein Anzug ist makellos, die Stimme fest: Vor Gericht gibt sich Strauss-Kahn selbstbewusst. Quelle: Reuters

Sein Anzug ist makellos, die Stimme fest: Vor Gericht gibt sich Strauss-Kahn selbstbewusst.

New YorkDer Mann, der am Montag gegen 9.22 Uhr Ortszeit den Gerichtssaal Nummer 1324 in Downtown Manhattan betritt, wirkt selbstbewusst und aufgeräumt. Sein Anzug ist makellos, die Stimme fest. Dominique Strauss-Kahn widerspricht den Vorwürfen, er habe ein Zimmermädchen zum Oralsex gezwungen. Er plädiere auf „nicht schuldig“, ruft er dem Richter zu.

Welch ein Unterschied zu dem Auftritt vor gut drei Wochen, als der damalige Chef des Internationalen Währungsfonds von Polizisten ins Scheinwerferlicht der Fernsehkameras geschleppt wurde. Damals hatte Strauss-Kahn ein jämmerliches Bild abgegeben: Stoppelbart, offenes Hemd, müde Augen. Doch der Franzose scheint sich wieder gefangen zu haben - zumindest äußerlich. Strauss-Kahn macht in der nur wenige Minuten dauernden Anhörung eines deutlich: Er wird kämpfen. Er redet selbst.

New Yorker Hotelangestellte skandierten vor dem Gericht: "Shame on you!" Quelle: Reuters

New Yorker Hotelangestellte skandierten vor dem Gericht: "Shame on you!"

Seine Staranwälte Benjamin Brafman und William Taylor stehen schweigend daneben. Die beiden Juristen äußern sich erst später vor den Journalisten auf dem Bürgersteig: Das Verfahren werde beweisen, dass ihr Mandant unschuldig sei, sagen sie. Brafman und Taylor sind Medienprofis. Brafman stand schon Michael Jackson, Jay Z und P Diddy vor Gericht bei. Die Juristen wissen, wie man sich in Szene setzt. Beim Gang in den Gerichtssaal legt Brafman seinem Kollegen Taylor den Arm auf die Schulter. Das Zeichen nach außen ist klar: Wir halten zusammen, wir schaffen das.

Auch Strauss-Kahns Frau Anne Sinclair macht bei der Inszenierung mit: Sie fährt zusammen mit ihrem Mann im schwarzen Geländewagen vor, gemeinsam schreiten sie die Stufen zum Gerichtsgebäude hoch. Sie hält zu ihm - so wie sie es schon immer getan hat. Sie hat seinetwegen ihre Karriere als Talkshow-Moderatorin aufgegeben und tolerierte auch seine Seitensprünge. Sollte das Gericht ihn für schuldig befinden, drohen Strauss-Kahn 25 Jahre Gefängnis. Schon der Polizeiarrest und die wenigen Tage auf der berüchtigten Gefängnisinsel Rikers Island hatten dem an Luxus gewöhnten Strauss-Kahn sichtlich zugesetzt.

Und nicht nur die Verteidigung gibt sich kämpferisch, auch die Vertreter der Anklage sind gut aufgestellt. Da ist Bezirksstaatsanwalt Cyrus Vance Jr., der in große Fußstapfen getreten ist. Sein Vorgänger Robert Morgenthau ist eine Legende; er hatte mehr als drei Jahrzehnte lang die Schwerverbrecher New Yorks eingebuchtet und ging erst im Alter von 90 Jahren 2009 in den Ruhestand. Der ehemalige US-Außenminister Cyrus Vance Sr. ist sein Vater.

Da sind die Vorwürfe des Zimmermädchens und eine wachsende Schar an Unterstützern. Vor dem Gerichtsgebäude haben sich schon am frühen Morgen Dutzende weibliche Hotelbedienstete versammelt. Sie brüllen Strauss-Kahn entgegen: „Schäm' Dich!“

Kommentare (3)

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06.06.2011, 19:02 Uhr

Es wäre schön, wenn das HANDELSBLATT auf derlei Schmuddelgeschichten ganz verzichten könnte. Wer darüber lesen wil, findet sicher genügend andere Quellen.

Donauangler

06.06.2011, 20:51 Uhr

...wenn es denn nur eine solche ist.

AndreAdrian

06.06.2011, 23:26 Uhr

Cui bono?

Wenn ein Verbrecher geschah ist die übliche Frage: Wem nutzt es? Welchen Nutzen hat Hr. Strauss, welchen Nutzen hat das Zimmermädchen? Die eine Theorie geht von Vergewaltigung aus. Die andere Theorie von einvernehmlichen Sex zwischen Hotelgast und Hotelangestellter. "Einvernehmlich" kann ja auch bedeuten: Sex gegen Geld. Wenn das einvernehmliche "Sex gegen Geld" in einen Gerichtsprozess ausartet, muss entweder beim Sex oder beim Geld etwas schief gelaufen sein. War der Sex für die Mohammedanerin aus Guinea nicht nach ihren Moralvorstellungen? Oder wollte Hr. Strauss nach dem Sex nicht zahlen? Der Prozess dürfte so interessant wie der Fall Kachelmann werden - mit vielleicht dem gleichen Ausgang: Ein Unentschieden im Gerichtssaal mangels Beweise.

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