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15.05.2012

08:43 Uhr

Prozess gegen Mladic

Schlächter von Srebrnica vor Gericht

Er war jahrelang einer der meistgesuchten Männer der Welt: Ratko Mladic. Ab morgen muss sich der Ex-General, der maßgeblich am Massaker von Srebrenice beteiligt gewesen sein soll, vor Gericht verantworten.

Der als „Schlechter vom Balkan“ berüchtigte Ratko Mladic. dpa

Der als „Schlechter vom Balkan“ berüchtigte Ratko Mladic.

Den HaagRatko Mladic war über anderthalb Jahrzehnte einer der meistgesuchten Männer der Welt. Vor einem Jahr wurde der frühere Chef der bosnisch-serbischen Armee gefasst. Ab Mittwoch muss sich der als „Schlächter vom Balkan“ berüchtigte Ex-General vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien wegen seiner Rolle bei der Ermordung tausender Zivilisten während des Bosnienkrieges (1992-1995) verantworten. Unauslöschlich ist Mladics Name mit dem Massaker von Srebrenica verbunden, dem schlimmsten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

Mladic werfen die Ankläger in Den Haag Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Der 70-Jährige soll demnach nicht nur Chefplaner des Srebrenica-Massakers gewesen zu sein, bei dem im Juli 1995 mehr als 8.000 muslimische Jungen und Männer ermordet wurden. Er wird auch für die dreieinhalb Jahre dauernde Belagerung von Sarajevo mit weiteren 10.000 Toten und Gräueltaten an anderen Orten verantwortlich gemacht. Zudem soll die Geiselnahme von 200 UN-Blauhelmsoldaten und Militärbeobachtern geahndet werden, die Mladics Truppen als menschliche Schutzschilde gegen Angriffe der NATO missbrauchten.

Geboren wurde Mladic am 12. März 1942 im ostbosnischen Bozinovici. Er war zwei Jahre alt, als sein Vater von den faschistischen kroatischen Ustascha-Milizen getötet wurde. Doch sein Hass richtete sich später vor allem gegen die Muslime. Sie „spießen Serben auf, verbrennen sie bei lebendigem Leibe, kreuzigen sie und stechen ihnen die Augen aus“, wurde er einmal zitiert. Mladic handelte stets im Namen eines „Groß-Serbien“.

Zu Beginn des Kroatien-Krieges im Juni 1991 wurde Mladic als Oberst der jugoslawischen Armee damit beauftragt, serbische Milizen im kroatischen Knin zu organisieren. Im Mai des Folgejahres wurde der inzwischen zum General aufgestiegene Mladic Kommandeur der bosnisch-serbischen Truppen und kämpfte dafür, eine Verbindung zwischen den von Serben gehaltenen Gebieten im Osten und Westen Bosniens zu schaffen. „Grenzen werden immer mit Blut gezogen und Staaten mit Gräbern gezeichnet“, sagte Mladic einst.

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