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26.03.2006

10:53 Uhr

Prozess in Afghanistan

Papst bittet um Gnade für Abdul Rahman

Papst Benedikt hat den afghanischen Präsidenten Karsai persönlich um Gnade für den zum Christentum übergetretenen Abdul Rahman gebeten. Wegen seiner Abkehr vom Islam droht dem Mann in Afghanistan die Todesstrafe. Die Antwort auf das römische Gnadengesuch lässt hoffen.

HB ROM. Ein von Kardinal Angelo Sodano im Namen des Papstes verfasster Brief sei an den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai geschickt worden, teilte der Vatikan mit. „Ich bin mir sicher, Herr Präsident, dass ein Fallenlassen des Verfahrens gegen Herrn Rahman dem afghanischen Volk eine große Ehre zukommen lassen würde“, hieß es in dem Text. Die Staatengemeinschaft würde Afghanistan für diesen Schritt Anerkennung zollen.

Ein hochrangiger afghanischer Regierungsbeamter versicherte dem Vatikan, Karzai setze sich persönlich für den 41-jährigen Angeklagten ein. "Der Präsident arbeitet persönlich an einer friedlichen Lösung", sagte er in Kabul. Karzai habe sich mit mehreren Verantwortlichen beraten. Möglicherweise komme Rahman morgen frei. Nach Angaben der kanadischen Regierung hat Karzai bereits zugesichert, dass Rahman nicht hingerichtet werde.

Mehrere westliche Länder, die Afghanistan militärisch und finanziell unterstützen, hatten sich zuvor besorgt um das Schicksal des 40-jährigen Abdur Rahman gezeigt, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident George W. Bush. Rahman war vor Jahren zum Christentum übergetreten.

Das islamische Gesetz Scharia, die ein Baustein des Rechtssystems von Afghanistan ist, sieht für eine Abkehr vom Islam die Todesstrafe vor. Karsai hat nach kanadischen Angaben zugesichert, dass Rahman nicht hingerichtet wird. Das Gerichtsverfahren gilt als sensibles Thema in Afghanistan, da das Land beim Wiederaufbau sowie im Kampf gegen die Moslem-Rebellen Taliban auf ausländische Hilfe angewiesen ist. Die Konservativen im Land wollen indes den Islam strenger auslegen.

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