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04.10.2014

04:42 Uhr

Prügeleien zwischen Demonstranten

Proteste in Hongkong gewinnen an Schärfe

VonFinn Mayer-Kuckuk

Peking schickt eigene Loyalisten zu Gegen-Demos auf die Straße – und prompt kommt es zu Gewalt unter Demonstranten. Die Polizei hält sich zurück und will eine Eskalation vermeiden. Erst am Morgen beruhigt sich die Lage.

Reuters

HongkongNach Angriffen organisierter Schläger auf Demonstranten und chaotischen Szenen in der Nacht hat sich die Lage in Hongkong am Samstagmorgen (Ortszeit) wieder beruhigt. Die Polizei berichtete von 18 Verletzten, darunter sechs Polizisten.

Am Freitagabend hatten die Demokratieproteste in Hongkong eine neue Wendung genommen: Erstmals war Gewalt im Spiel. Im Einkaufsviertel Mong Kok prügelten sich Vertreter der Demokratiebewegung mit Anhängern der kommunistischen Regierung in Peking. Die Stimmung war stark aufgeheizt.

Beide Seiten skandierten Parolen und reckten dazu die Fäuste. Die Polizei schlug mit Stöcken auf gewalttätige Teilnehmer ein und versuchte beide Gruppen durch Ketten uniformierter Beamter zu trennen. Nach offiziellen Angaben wurden am Freitag mindestens zwölf Menschen verletzt, darunter sechs Polizisten. Mehrere Frauen beklagten demnach außerdem sexuelle Übergriffe.

Schauplatz des Protests war die Kreuzung der wichtigen Geschäftsstraßen Nathan Road und Argyle Road direkt über der U-Bahnstation Mong Kok. Der Brennpunkt hatte sich damit vom Finanzviertel Central weg auf das Festland von Hongkong verlagert.

Etwas surreal beleuchteten die Schaufensterflächen von H&M, der Großbank HSBC und anderen bekannten Ketten die Szenerie. Die Ampeln der Kreuzung ragten aus der dichten Menschenmenge hervor und blinkten unbeachtet vor sich hin. Es roch in südchinesischen Hitze nach Schweiß und nassen Körpern – immer wieder gehen Schauer über Hongkong nieder. Passend zur aggressiven Stimmung blitzt und donnert es.

Protestbewegungen und ihre Namen

China

Demonstranten in Hongkong schützen sich mit Schirmen vor Regen oder Tränengas: Es ist von der „Regenschirm-Revolution“ die Rede. Andere Volksbewegungen mit ungewöhnlichen Namen:

Portugal

In der „Nelken-Revolution“ stürzten 1974 portugiesische Offiziere Diktator Antonio Salazar.

Ungarn

Der Begriff „stille Revolution“ beschrieb den reibungslosen Übergang vom Einparteienstaat zur Demokratie in Ungarn 1989.

Tschechoslowakei

In der „samtenen Revolution“ brachte die tschechoslowakische Bürgerrechtsbewegung 1989 die kommunistische Herrschaft zu Fall.

Georgien

Die friedliche „Rosen-Revolution“ fegte 2003 in Georgien Präsident Eduard Schewardnadse aus dem Amt.

Ukraine

Binden und Fahnen der Oppositionsbewegung gegen Viktor Janukowitsch gaben der „orangenen Revolution“ in der Ukraine 2004 ihren Namen.

Kirgistan

In der mittelasiatischen Republik Kirgistan erzwangen 2005 Massendemonstrationen der „Tulpen-Revolution“ einen Machtwechsel.

Tunesien

Mit der „Jasmin-Revolution“ in Tunesien begann 2010 der Arabische Frühling.

Nach den gewaltsamen Angriffen der Gegendemonstranten haben die Studenten die geplanten Gespräche mit der Regierung vorerst aufgeschoben. Wie die Studentenvereinigung am Freitag mitteilte, sei eine erste Runde des Dialogs für Samstag geplant gewesen. Demonstranten beklagten, dass die Polizei sie nicht ausreichend geschützt und Angreifer nicht festgenommen habe. Die Polizei wies die Beschuldigungen zurück.

Später berichtete die Polizei der Nachrichtenagentur dpa zufolge, es seien 19 Menschen festgenommen worden, die Studenten angegriffen hätten. Mindestens acht von ihnen würden den Triaden, der chinesischen Mafia, zugerechnet.

Die pro-demokratischen Studenten sahen auf beiden Seiten Agenten Pekings am Werk. „Das sind durchaus Hongkonger Bürger, aber sie sind mit Sicherheit vom Festland aus gesteuert, wenn nicht bezahlt“, sagt South Yip, ein 24-jähriger Studentenführer. Einer seiner Mitstreiter, ein junger Student im gelben T-Shirt, geht noch weiter und hält gewalttätige junge Männer, die scheinbar auf der eigenen Seite Kämpfen, für bezahlte Provokateure. „Keiner kennt die, und sie sehen nicht richtig aus, als gehörten sie zu Studentengruppen“, beobachtet er. „Und immer fangen diese Gestalten mit Ärger mit der Polizei an.“

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