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14.02.2006

14:23 Uhr

Prügelnde Besatzer

Die Gentleman-Armee fürchtet um ihren Ruf

Es gab eine Zeit, da wurden die Briten nicht müde, ihre Soldaten im Irak als leuchtende Vorbilder zu loben. Dementsprechend empört reagieren dort Medien und Politiker auf die jüngsten Prügelbilder ihrer Soldaten. Das Gentleman-Bild der britischen Armee hat einen gewaltigen Kratzer bekommen. Doch bei der Suche nach den Verantwortlichen führt eine Spur auch nach Deutschland.

Britische Patrouille in Basra im Südirak. Foto: AP

Britische Patrouille in Basra im Südirak. Foto: AP

co LONDON. Die brisanten Bilder waren in der britischen Sonntagszeitung "News of the World" erschienen, die zum News-Corp-Verlag des US-australischen Medienzaren Rupert Murdoch gehört. Das Material war dem Blatt zugespielt worden. Auf dem „Prügel-Video“ ist eine Gruppe von britischen Soldaten zu sehen, die heftig auf irakische Jugendliche einschlägt und sie mehrfach mit den Füßen tritt. "Jetzt kriegt ihr was ab, ihr kleinen Arschlöcher. Krepiert!", sagt der Kameramann, während er filmt. Die Opfer flehen: Nein, bitte verletzt uns nicht." Doch die Soldaten prügeln brutal weiter.

Der Vorfall sorgt in Großbritannien für Beunruhigung. Premierminister Tony Blair sagt eine gründliche Untersuchung zu. Medien aller Couleur fürchten um den guten Ruf der britischen Soldaten. Hatte man doch bislang stets mit Stolz darauf verwiesen, dass in der von Briten kontrollierten irakischen Stadt Basra kaum Anschläge und Unruhen zu verzeichnen waren. Im Irak sind mehr als 8000 britische Soldaten stationiert, die meisten von ihnen in Basra und Umgebung.

Die Bestrafung der Verantwortlichen müsse "rasch und streng" erfolgen und ein Exempel statuieren, fordert der linksliberale "Guardian". Die konservative "Times" schreibt: "Der Gerechtigkeit muss schnell Genüge getan werden." Auch das linke Boulevardblatt "Mirror" verurteilt die "unehrenhaften Handlungen einer kleinen Minderheit", spricht aber im gleichen Satz vom "Stolz auf unsere Streitkräfte".

Die BBC zeigt Filmmaterial von Überwachungskameras, das erklären soll, wie es zum Prügeleklat kam. Danach soll die Gewalttat der britischen Soldaten Reaktion auf Straßenunruhen gewesen sein. Nach der Explosion einer Mörsergranate seien die Soldaten von einem Mob angegriffen worden. Danach gingen einige Briten wütend auf die Jugendlichen los, heißt es. Armeesprecher und Regierungsmitglieder bemühten sich ebenfalls um Schadensbegrenzung. "Wir müssen den guten Namen der britischen Armee verteidigen", erklärt Schatzkanzler Gordon Brown.

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