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27.11.2014

20:31 Uhr

Prypjat bei Tschernobyl

Drohnenflug über eine Geisterstadt

VonDésirée Linde

Erinnerung an den Super-GAU: Ein britischer Filmemacher hat über der Geisterstadt Prypjat bei Tschernobyl eine Drohne aufsteigen lassen. Der Clip zeigt eindrucksvolle Bilder eines aus der Zeit gefallenen Ortes.

Düsseldorf/PrypjatEs sind gespenstische Aufnahmen: Ein stillstehendes Riesenrad, das sich nie wieder drehen wird. Verrostete Fenstergriffe und ein Hammer-und-Sichel-Abbild, von dem den rote Farbe abblättert, auf dem Dach eines Hochhauses. Ein leeres Schwimmbad, vom dem der umliegende Wald durch die geborstenen Fenster über die Jahre mehr und mehr Besitz ergreift. Eine verlassende Werft, zu der keine Arbeiter mehr zurückkehren werden, eine verblichene und zerrissene Kinderzeichnung. Ein Meer aus kaputten Gasmasken, die keinen Schutz vor der Katastrophe boten.

Die Bilder stammen aus dem ukrainischen Ort Prypjat, heute eine Geisterstadt. Bis zum 26. April 1986 lebten dort knapp 50.000 Menschen. Wegen des Baus des Kernkraftwerks Tschernobyl wurde die Stadt in den 70er-Jahren überhaupt erst errichtet. Und wegen des Kernkraftwerks starb sie. Infolge des Reaktorunglücks wurde das verseuchte Prypjat geräumt.

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Fast 30 Jahre nach dem größten Unfall in der Geschichte der zivilen Nutzung der Atomenergie ist es ruhig geworden um die Atomruine in Tschernobyl und um Prypjat. Der britische Filmemacher Danny Cooke fängt diese Leere und Trostlosigkeit des verlassenen Orts mit seiner Kamera mithilfe einer Drohne ein. Über Prypjat ließ er sie aufsteigen und machte aus den Aufnahmen den Kurzfilm „Postcards from Pripyat, Chernobyl“.

Herausgekommen sind Bilder für das kollektive Erinnern an die Katstrophe und ein Stück Kunst. Unterlegt hat Cooke den Clip vom einst „gelobten Land“, das Wohlstand für die Region versprach, mit dem melancholischen Lied „Promise Land“ der kolumbianisch-stämmigen Sängerin Hannah Miller.

„Tschernobyl ist einer der interessantesten und gefährlichsten Orte, an denen ich jemals war“, schreibt Cooke selbst zu seinem Clip. Mit einem Führer und ausgestattet mit seiner Drohne sowie einem Geigerzähler sei er mehrere Tage lang durch die Gegend gereist. „Die Zeit ist stehengeblieben, und da sind Erinnerungen aus der Vergangenheit, die um uns herumschwirren.“ Auf der Videoplattform Vimeo wurde der etwa drei Minuten lange Clip in zweieinhalb Tagen mehr als 1,3 Millionen Mal angeklickt.

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Kommentare (1)

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Herr Frank Müller

28.11.2014, 12:40 Uhr

6 (sechs) Monate vor Merkels Eingebung der Energiewende bezeichnete sie unsere CO2-freien Kernkraftwerke noch als absolut sicher. Dann tauchte Schwarz-Grüpn als Möglichkeit ihres Macherhaltes am Horizont auf. Und seitdem muss Deutschland wieder mal die ganze Welt retten, - anstatt sich über sinkende Heizkosten zu freuen. Falls die langfristige Klimavoraussage der Politiker zufällig eintritt! Und nachdenken - oder gar forschen - über eine Reduzierung des radioaktiven Abfalls - z.B. durch Flüssigsalzreaktoren - darf man auch nicht mehr. Schade.

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