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02.08.2015

16:16 Uhr

Puerto Rico droht die Staatspleite

Das Griechenland Lateinamerikas

VonMoritz Koch

Puerto Rico macht schlapp: Das US-Territorium verkündet den Zahlungsstopp – und will die Aufmerksamkeit der Amerikaner erregen. In Washington bleibt es aber ruhig. Droht der Karibikinsel ein Schuldendrama à la Athen?

In der Hauptstadt von Puerto Rico ist wenig los: Das US-Territorium ist von der Pleite bedroht. Reuters

Geschlossene Geschäften in San Juan

In der Hauptstadt von Puerto Rico ist wenig los: Das US-Territorium ist von der Pleite bedroht.

WashingtonPuerto Ricos finanzielle Nöte haben sich am Wochenende auf dramatische Weise verschärft. Die Regierung in San Juan hat am Samstag angekündigt, einen Zahlungstermin verstreichen zu lassen. Es bleibt jetzt eine letzte Gnadenfrist. Doch wenn die Märkte am Montag schließen, werden sie wahrscheinlich den Bankrott feststellen.

Puerto Rico – das ist eine eigentümliche Kombination aus Palmenstränden, Shoppingmalls, Rhythmen, Rum und Bauruinen. Die Wirtschaft steckt seit fast zehn Jahren in der Rezession. Wer kann, setzt sich aufs Festland ab. Das einzige, was auf Puerto Rico noch verlässlich wächst, ist der Schuldenberg.

Auf 72 Milliarden Dollar summiert sich die Last der Kredite. Die kleine Karibik-Insel, die an der Seite von Irland und Singapur in der Manege der Globalisierungstiger glänzen wollte, ist dabei, sich zu den weltgrößten Pleitestaaten zu gesellen, hinter Argentinien und Griechenland.

Diese Termine werden dieses Jahr für die US-Wirtschaft noch wichtig

9. Januar

Erste Veröffentlichung der Arbeitslosenzahlen des Jahres.

30. Januar

Das Handelsministerium veröffentlicht die erste Schätzung des US-Wirtschaftswachstums für das Gesamtjahr 2014.

3. Februar

Die Chefin der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Janet Yellen, feiert ihr erstes Amtsjubiläum.

15. März

Bis dahin muss der Kongress die selbstgesteckte Schuldengrenze der USA erhöhen oder für einen weiteren Zeitraum aussetzen, damit die Regierung weiter ihre Rechnungen bezahlen kann.

27. März

Dritte und letzte Schätzung des US-Wirtschaftswachstums für das Gesamtjahr 2014.

17. April

Letzte Bekanntgabe der Inflationsrate vor einer möglicherweise entscheidenden Zinssitzung der Fed.

30. April

Die Fed könnte bei der Sitzung ihres Offenmarktausschusses die erste Zinserhöhungen seit 2006 ankündigen.

3. Juni

Die Regierung legt die US-Außenhandelsbilanz für 2014 vor.

Ende August

Notenbanker aus aller Welt ziehen sich zu einem Gedankenaustausch im amerikanischen Jackson Hole (Wyoming) zurück.

4. Dezember

Letzte Vorlage der US-Arbeitslosenzahlen in diesem Jahr

22. Dezember

Letzte Schätzung des US-Wirtschaftswachstums im Jahr 2015

Wobei: Ein Staat ist Puerto Rico eigentlich nicht. Die Insel ist ein „Territorium“ der Vereinigten Staaten, teilautonom, aber weder souveräne Nation noch vollwertiger US-Bundesstaat, vielleicht am ehesten vergleichbar mit einem Indianerreservat. Halb Amerika, halb Armenhaus.

Und genau damit fangen die Probleme an. Puerto Rico fehlen die politischen Instrumentarien, um auf die Krise zu reagieren. Es hat keine Kontrolle über seine Währung, bezahlt wird mit dem Dollar. Und über wichtige wirtschaftspolitische Entscheidungen befindet Washington, das Puerto Rico wie einen verhaltensauffälligen Halbbruder behandelt, dessen Handynummer man blockiert hat.

Bauruine in Puerto Rico: Das US-Territorium ist in Zahlungsnot geraten. Reuters

Tristesse vom Tropenparadies

Bauruine in Puerto Rico: Das US-Territorium ist in Zahlungsnot geraten.

Möglich, dass sich das nun ändern wird. Der Zahlungsstopp ist eine Verzweiflungstat, die, so die Hoffnung in San Juan, nicht mehr ignoriert werden kann. „Unsere Regierung legt es offenbar darauf an, die Märkte zu beunruhigen und Ansteckungseffekte heraufzubeschwören, um Washington Aufmerksamkeit zu erhalten“, sagt Sergio Marxuach.

Kommentare (4)

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Herr Jürgen Dannenberg

03.08.2015, 07:53 Uhr

Wo sind denn jetzt all die Klugmanns und Konsorten?. Da können sie doch ihre amerikanischen Unsinn den sie für die Griechenland Gläubiger vorgesehen in Taten umsetzen. Nur zu.

Frau Ich Kritisch

03.08.2015, 07:53 Uhr

Zitat: "Unklar ist, ob dem witzelnden Finanzminister klar ist, worauf er sich da einlassen würde. Der Flucht der Karibik ist mindestens so unheimlich wie das Schuldendrama an der Ägäis."

na, 72 Milliarden wären ja doch um einiges leichter stemmbar als Griechenlands 300 - 500 Milliarden...

Herr Carsten Hermes

03.08.2015, 09:18 Uhr

Unklar ist, ob dem witzelnden Finanzminister klar ist, worauf er sich da einlassen würde. Der Flucht der Karibik ist mindestens so unheimlich wie das Schuldendrama an der Ägäis.

Ich vermute, dass es sich bei "Der Flucht der Karibik" um den "Fluch der Karibik" handeln soll.

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