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26.03.2013

16:45 Uhr

Puffer gegen Marktturbulenzen

China und Brasilien wenden sich vom Dollar ab

Um gegen eventuelle Spannungen an den Finanzmärkten gewappnet zu sein, wollen China und Brasilien ihren Handel künftig stärker in Real und Yuan abrechnen. Eine entsprechende Vereinbarung ist bereits unterzeichnet worden.

Eine Dollar- und eine Yuan-Banknote: China will sich stärker auf die eigene Währung konzentrieren. Reuters

Eine Dollar- und eine Yuan-Banknote: China will sich stärker auf die eigene Währung konzentrieren.

DurbanChina und Brasilien nabeln sich vom Dollar ab: Fast die Hälfte ihres bilateralen Handels wollen sie künftig in den eigenen Währungen Yuan und Real abrechnen. Die Finanzminister und Notenbankchefs beider Staaten unterzeichneten am Dienstag vor Beginn des Treffens der fünf wichtigsten Schwellenländer (Brics) in Südafrika eine entsprechende Vereinbarung. Damit können jährlich Geschäfte im Gegenwert von bis zu 30 Milliarden Dollar in Real oder Yuan bezahlt werden. Das ist fast die Hälfte des bilateralen Handelsvolumens von 75 Milliarden Dollar (rund 58 Milliarden Euro).

"Es liegt nicht unserem Interesse, neue Beziehungen zu China zu schaffen, sondern die bestehenden zu erweitern, um im Fall von Turbulenzen an den Finanzmärkten gewappnet zu sein", sagte der brasilianische Notenbankchef Alexandre Tombini. "Die Vereinbarung ist zunächst auf drei Jahre befristet, kann aber verlängert werden."

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Auch Brasiliens Wirtschaftsminister Guido Mantega sieht in dem Vertrag einen Puffer gegen mögliche Spannungen an den Finanzmärkten, an denen der Dollar dominiert. Damit könnten Unterbrechungen des Handels im Falle von Erschütterungen oder Kreditengpässen verhindert werden.

Erze und Soja

Brasilien liefert vor allem Eisenerz und Soja in die Volksrepublik. China wiederum verkauft vor allem Maschinen und Elektronik in die größte lateinamerikanische Volkswirtschaft.

Auf dem Brics-Gipfel in Durban wollen Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika eine eigene Infrastrukturbank ins Leben rufen und gemeinsame Währungsreserven anlegen. Im Mittelpunkt der Gespräche soll außerdem der Ausbau von Handel und Investitionen in Afrika stehen.

Von

rtr

Kommentare (4)

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karma

26.03.2013, 17:00 Uhr

oje
das Ende vom USA Empire.
Das ist aber bitter.

Kleine staaten wie Iraq oder Lybien und Teile von Nordafrika haben die Amis dafür in den Krieg gerissen. Aber gegen die BRIC kommen die Herren dieser Welt nicht an.


Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Brasil

26.03.2013, 19:09 Uhr

Die erste wirklich GUTE Nachricht sein zwei Jahren!
Der Untergang des US$ ist damit in vollem Gange, hurra!

Finanzychologe

26.03.2013, 19:41 Uhr

Da kommt noch mehr! Warten Sie erst mal bis das Öl nicht mehr in US$ verkehrt...

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