Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.02.2006

22:28 Uhr

"Punkt ist überschritten"

USA drohen Iran mit Sanktionen

Nach Einschätzung der USA fordert der Iran die internationale Gemeinschaft offen heraus, indem er seine Urananverarbeitung wieder aufgenommen hat. US-Außenministerin Condoleezza Rice drohte am Mittwoch mit weiteren Sanktionen.

US-Außenministerin Condoleezza Rice sieht Anlass zu weiteren Maßnahmen gegen den Iran. Foto: AP

US-Außenministerin Condoleezza Rice sieht Anlass zu weiteren Maßnahmen gegen den Iran. Foto: AP

HB WASHINGTON/WIEN. Auch der traditionelle iranische Verbündete Russland forderte einen Kurswechsel, um einen Kompromiss zu ermöglichen. Die Regierung in Moskau formulierte Bedingungen für Gespräche. Nach Auffassung der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft verschärfte der Iran den Atomstreit mit dem Westen in den vergangenen Tagen unnötig. Bundeskanzlerin Angela Merkel bemühte sich derweil, Ängste vor einem Krieg zu zerstreuen. Noch gebe es eine echte Chance für eine Verhandlungslösung, sagte sie dem Magazin „Stern“.

Trotz internationaler Warnungen begann der Iran am Dienstag, Urangas in Zentrifugen zu leiten. Die westlichen Staaten befürchten, diese Aktivitäten sollen dem langfristigen Ziel des Atombombenbaus dienen. Die Regierung in Teheran bestreitet dies und pocht auf ihr Recht der friedlichen Nutzung der Atomenergie.

Vor dem US-Senat sagte Rice: „Sie haben nun einen Punkt überschritten, an dem sie die internationale Gemeinschaft offen herausfordern.“ Die USA haben seit langem Sanktionen gegen den Iran verhängt und denken nun Rice zufolge über weitere eigene Schritte nach. Gleichwohl halte sie internationale Sanktionen für wirksamer, ergänzte die Ministerin, ohne Details zu nennen.

Russland hat dem Iran vorgeschlagen, die Urananreicherung auf russischen Boden auszulagern und damit das Misstrauen, das Land arbeite an Atomwaffen, auszuräumen. Die Gespräche darüber sollen am Montag fortgesetzt werden. Am Mittwoch nannte Außenminister Sergej Lawrow Bedingungen für Atomgespräche mit dem Iran. So müsse die Regierung in Teheran ihre Arbeiten zur Urananreicherung wieder einstellen. Zugleich bekräftigte Lawrow seine Ablehnung von Sanktionen. Russland hat einen Entschluss der UN-Atomenergiebehörde (IAEA) unterstützt, den Konflikt dem UN-Sicherheitsrat vorzulegen. Dieser kann Sanktionen erlassen. Die Regierung in Moskau hat dabei jedoch ein Veto-Recht.

Lawrow sagte, die für Montag geplanten Gespräche würden auf der Basis von Absprachen mit den westlichen Mächten geführt. Ziel sei nach wie vor, den Iran im Austausch für wirtschaftliche Gegenleistungen zu einer Einschränkung seines Atomprogramms zu bewegen.

Das Büro von Österreichs Außenministerin Ursula Plassnik erklärte, der Iran bewege sich mit der Wiederaufnahme der Uranverarbeitung auf eine Eskalation des Konflikts zu. Dies habe sie am Vortag in einem Telefongespräch auch ihrem iranischen Amtskollegen Manuchehr Mottaki gesagt. Das Land sei aufgefordert worden, die umstrittenen Aktivitäten umgehend einzustellen. Zwar werde das Recht des Iran zur friedlichen Nutzung von Atomenergie nicht in Frage gestellt. Es gebe aber ernsthafte Zweifel daran, ob die Atomtechnik ausschließlich diesem Zweck diene oder am Ende nicht doch dem Bau von Atombomben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×