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24.12.2013

18:15 Uhr

Pussy Riot frei

Chodorkowski warnt Punk-Band vor Hassgefühlen

Friedensbotschaft kurz vor Weihnachten: Kreml-Kritiker Chodorkowski rät den ebenfalls frei gelassenen Mitgliedern der russischen Punk-Band Pussy Riot "Hass und Groll" nicht zuzulassen. Er gratulierte den jungen Frauen.

Der russische Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski gratulierte den jungen Frauen der Punk-Band Pussy Riot zur Freilassung. dpa

Der russische Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski gratulierte den jungen Frauen der Punk-Band Pussy Riot zur Freilassung.

BerlinDer russische Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski hat die ebenfalls freigelassenen Aktivistinnen der Punk-Band Pussy Riot vor Gefühlen wie "Hass und Groll" gewarnt. "Das wichtigste ist nun zweifellos, Kraft zu finden, damit nach dieser schweren Prüfung der Gefängnisstrafe Hass und Groll keinen Platz im Herzen haben", erklärte Chodorkowski am Dienstag auf seiner Webseite in einem Kommentar zur Haftentlassung der beiden Frauen.

Der 50-Jährige gratulierte Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa zu deren Freilassung. "Ich bin froh zu hören, dass die Folter, die einem europäischen Staat im 21. Jahrhundert unwürdig ist, nun zuende ist", schrieb er.

Der Fall Chodorkowski

2003

Der Vorstandsvorsitzende des Ölkonzerns Jukoas, Michail Chodorkowski, wird am 23. Oktober spektakulär bei einer Zwischenlandung seines Privatjets in Nowosibirsk festgenommen. Dem Multimilliardär werden Betrug und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Sein Geschäftspartner Platon Lebedew war bereits im Juli verhaftet worden.

2004

In Moskau beginnt am 16. Juni der erste Prozess gegen Chodorkowski und Lebedew. Die Verteidigung wirft dem Kreml eine Steuerung des Verfahrens vor, weil der Jukos-Chef in Opposition zum damaligen Präsidenten Wladimir Putin gegangen sei. Im Dezember wird die größte Jukos-Tochter Yuganskneftegas wird zwangsversteigert.

2005

Chodorkowski und Lebedew werden am 16. Mai unter anderem wegen schweren Betrugs und Bildung einer kriminellen Vereinigung schuldig gesprochen. Am 31. Wird die Strafe verhängt: je neun Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Berufungsgericht reduziert die Strafe im September 2005 auf je acht Jahre Haft. Am 18. verabschiedet der US-Senat eine Erklärung, in der er den Prozess gegen Chodorkowski und Lebedew als politisch motiviert kritisiert.

2007

Die Staatsanwaltschaft leitet am 5. Februar eine zweite Anklage gegen Chodorkowski und Lebedew ein - wegen Geldwäsche. Im November wird der Jukos-Konzern wird nach seiner Zerschlagung und dem Verkauf der Teile aus Russlands Handelsregister gelöscht.

2008

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht sich im März bei einem Treffen mit Putin in Moskau für Chodorkowskis Begnadigung aus. Auch andere deutsche Politiker hatten Russland wiederholt zum rechtsstaatlichen Umgang mit den beiden Unternehmern aufgefordert.

2009

In Moskau beginnt am 31. März der zweite Prozess gegen Chodorkowski und Lebedew. Die Verteidigung nennt die Vorwürfe der Unterschlagung von Millionen Tonnen Erdöl „absurd und unlogisch“.

2010

Vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg beginnt die Anhörung ehemaliger Jukos-Eigentümer. Sie fordern von Russland rund 70 Mrd. Euro Schadensersatz, da sie den Verkauf des Konzerns als Betrug ansehen. Im Dezember werden Chodorkowski und Lebedew schuldig gesprochen und zu 14 Jahren Haft verurteilt.

2011

Ein Moskauer Berufungsgericht kommt zu dem Schluss, dass Chodorkowski nur 90 Millionen statt 128 Millionen Tonnen Rohöl unterschlagen habe. Deshalb reduzieren die Richter die Haftstrafe um ein Jahr. Chodorkowski kommt demnach frühestens 2016 frei. Im Dezember gehen Zehntausende nach den Manipulationsvorwürfen bei der Parlamentswahl auf die Straße und fordern den Rücktritt von Regierungschef Putin und die Freilassung politischer Gefangener wie Chodorkowski.

2012

Nach der Wahl Putins zum russischen Präsidenten kündigt der amtierende Staatschef Dimitri Medwedjew im März überraschend an, die Urteile gegen Chodorkowski und andere Oppositionelle überprüfen zu lassen. Doch schon im April lehnt er das Begnadigungsgesuch ab.

2013

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt Russland wegen des Vorgehens gegen Chodorkowski. Wegen eines neuen Gesetzes wurde die Haftstrafe Chodorkowskis um zwei Jahre verringert, weshalb er Mitte 2014 frei gekommen wäre. Chodorkowski selbst sagte Anfang Dezember in einem Interview, er wolle kein Gnadengesuch stellen und forderte weiter einen fairen Prozess. Am 20. Dezember unterschreibt Putin dennoch ein Gnadenerlass. Noch am selben Tag kommt Chodorkowski frei und fliegt nach Deutschland.

2014

Am 5. Januar 2014 wird bekannt, dass Chodorkowski in die Schweiz ausgereist ist. Seine Söhne gehen dort zur Schule. Das Land hat ihm ein Visum für drei Monate ausgestellt. Am 20 September pröäsentiert er in Paris seine „Open Russia“-Initiative, die mit Internetseiten und Aktionen gegen das autoritäre Putin-Russland mobil macht.

"Die Freilassung politischer Gefangener macht die Regierung zumindest ein kleines bisschen menschlicher", schrieb Chodorkowski, der selbst erst am Freitag nach mehr als zehn Jahren Lagerhaft begnadigt und freigelassen wurde. Der Kreml-Kritiker hatte am Sonntag gesagt, er wolle sich nicht beim russischen Präsidenten Wladimir Putin für die Inhaftierung rächen. Er wolle nicht in die Politik gehen, aber politischen Gefangenen in Russland helfen.

Alechina und Tolokonnikowa waren am Montag vorzeitig aus ihren Gefängnissen entlassen worden. Beide Punk-Musikerinnen nutzen ihre Freilassung infolge einer Amnestie-Regelung zur Kampfansage an Putin und den "totalitären" Strafvollzug in Russland. Tolokonnikowa kritisierte, das ganze Land sei ein "einziges Straflager". Alechina warf dem Kreml-Chef einen "PR-Trick" vor den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi vor.

Während Chodorkowski nach seiner Freilassung nach Berlin reiste und am Dienstag ein Visum für die Schweiz beantragte, kündigten die beiden Musikerinnen an, in Russland bleiben zu wollen. Beide waren im Februar 2012 nach einem Putin-kritischen "Punkgebet" in einer Moskauer Kirche wegen "Rowdytums" zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Ihre Mitstreiterin Jekaterina Samuzewitsch kam später auf Bewährung frei. Die Urteile hatten eine weltweite Protestwelle losgetreten.

Von

afp

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