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06.02.2014

07:21 Uhr

Pussy-Riot-Musikerinnen

„Gefängnis war Feldforschung für Menschenrechte“

Die amerikanische Uno-Botschafterin hat die Frauen von Pussy Riot als „mutige Störenfriede“ geadelt. Die Antwort ihres russischen Kollegen kam prompt: Er schlug Konzerte im Petersdom, in Mekka und an der Klagemauer vor.

Maria Alyokhina (l.) and Nadezhda Tolokonnikova auf dem Konzert der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in New York. dpa

Maria Alyokhina (l.) and Nadezhda Tolokonnikova auf dem Konzert der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in New York.

New YorkDie Uno-Botschafter von Russland und den USA haben sich wegen der russischen Protest-Punk-Band Pussy Riot einen verbalen Schlagabtausch geliefert. Anlass war ein Treffen von Samantha Powers mit zwei Mitgliedern der Gruppe, die kürzlich aus dem Gefängnis freigekommen waren.

Anschließend twitterte die amerikanische Uno-Botschafterin, sie habe „zwei mutige Störenfriede“ getroffen. Auf die Frage, ob sie Angst vor dem Gefängnis gehabt haben, hätten die Maria Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa geantwortet: „Nein. Im Gefängnis konnten wir die schrecklichen Zustände sehen. Das war Feldforschung für Menschenrechte.“

Alechina und Tolokonnikowa wurden im Dezember nach beinahe zwei Jahren freigelassen. Sie waren verurteilt worden, weil sie ein Protestkonzert in einer russischen Kirche gegeben hatten.

Als der russische Uno-Botschafter Witali Tschurkin auf einer Pressekonferenz auf das Treffen Powers mit den beiden Musikerinnen angesprochen wurde, fragte er spöttelnd: „Sie hat sich jetzt aber nicht der Band angeschlossen?“ Und als die Journalisten in Gelächter ausbrachen, fuhr er fort: „Ich würde von ihr erwarten, dass sie sie zu einem Auftritt in die National Cathedral in Washington einlädt. Das ist meine Erwartung. Vielleicht können sie ja sogar eine Welttournee organisieren – Petersdom in Rom, vielleicht Mekka in Saudi-Arabien und die Klagemauer in Jerusalem.“ Er wäre enttäuscht, wenn Power dahinter zurückbleiben würde.

Das rief wiederum Power auf den Plan: „Botschafter Tschurkin. Es wäre mir eine Ehre, mit Pussy Riot auf Tournee zu gehen - eine Gruppe Mädchen, die für Menschenrechte die Stimme erheben und aufstehen. Wollen Sie sich uns nicht anschließen?“, twitterte die Diplomatin. Sie selbst könne zwar nicht singen, aber wenn Pussy Riot sie fragen würde, dann würde sie das erste Konzert für die politischen Gefangenen in Russland geben.

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Die beiden Musikerinnen waren wenige Tage vor dem Start der Winterolympiade in Sotschi in New York eingetroffen, um an einem Konzert der Menschenrechtsorganisation Amnesty International teilzunehmen. Bei einer Pressekonferenz übten sie scharfe Kritik an den Zuständen in ihrer russischen Heimat.

Amerikanische Besucher in Sotschi sollten über die eigens für das Großereignis errichteten Gebäude hinwegsehen und stattdessen das Gastgeberland genau unter die Lupe nehmen, sagten Maria Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa bei ihrer Ankunft in den USA am Dienstag. Diese Gebäude seien Fremdkörper in Russland, das einzige, was diese Objekte mit dem Land verbinde, sei gestohlenes Steuergeld, das für den Bau der Olympia-Stätten verwendet worden sei, erklärte Aljochina weiter.

Von

ap

Kommentare (16)

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Hartei

06.02.2014, 08:17 Uhr

Warum wird mir Russland immer sympathischer und warum wirkt die UN wie ein rosa Spielzeugpanzer?

R.Ruf

06.02.2014, 08:42 Uhr

Pussy Riot kann bei der Tour dann auch in Guantanamo singen und Feldstudien für Menschenrechte machen. Frau Power darf mitsingen und darüber nachdenken ob Menschen ohne Prozess jahrelang festgehalten werden ohne die Chance zu haben im Gegensatzt zu Pussy Riot auch wieder auf freine Fuß gesetzt zu werden.

Hoch_lebe_die_USA

06.02.2014, 09:11 Uhr

Amerikanische UNO-Botschafterin...

Ist die nicht zugleich die Botschafterin des KZ in Guantanamo ? Diese Feldforschung für Menschenrechte ist aber bereits vor 70 Jahren gescheitert. Allerdings scheinen die Amis an sowas Freude zu empfinden.

Während bei Pussy Riot nach einem Jahr Straflager Schluss war, geht es in Guantanamo schön weiter - unschuldig, ohne Anklage, ohne Aussicht auf Entlassung oder gar einem Entlassungstermin.

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