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21.02.2013

12:29 Uhr

Pussy Riot

„Mutter Gottes, du Jungfrau, vertreibe Putin!“

VonOliver Bilger

Vor einem Jahr stürmt „Pussy Riot“ für ein Blitz-Protestkonzert die Christi-Erlöser-Kirche. Zwei Bandmitglieder sind bis heute in Haft. Ihr Fall ist nicht der einzige, der das Vertrauen in die russische Justiz schmälert.

„Pussy Riot“ bei ihrer Performance in der Moskauer Christ-Erlöser-Kirche. dapd

„Pussy Riot“ bei ihrer Performance in der Moskauer Christ-Erlöser-Kirche.

MoskauIhr Auftritt dauerte nur 41 Sekunden, doch die Folgen währen lange darüber hinaus. Vor einem Jahr sorgte die Punk-Band „Pussy Riot“ mit ihrer skandalträchtigen Aktion in der Moskauer Christi-Erlöser-Kathedrale für Aufsehen. Mit Sturmmasken bekleidet protestierten sie in ihrem „Punk-Gebet“ gegen die Allianz von Kirche und Politik. „Mutter Gottes, du Jungfrau, vertreibe Putin!“, lautete der Text, mit dem sie kurz darauf im Internet für Furore sorgten.

Es folgten ihre Festnahme und ein Prozess, der drei Mitglieder der Punk-Band weltberühmt machen sollte. Pussy Riot gaben der Opposition gegen Präsident Wladimir Putin ein Gesicht. Dabei gab es auch unter den Kreml-Kritikern viele, die die Aktion der jungen Frauen zutiefst ablehnten. Im Westen hingegen wurde das Justizverfahren gegen sie heftig kritisiert, internationale Musikstars setzten sich für die Beschuldigten ein. Es nütze nichts: Ein Gericht verurteilte die Band-Mitglieder im August wegen Rowdytums aus religiösem Hass – zu jeweils zwei Jahren Haft.

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Vor dem Urteilsspruch gegen Pussy Riot riegelt die Moskauer Polizei das Gericht ab.

Inzwischen sind zwei der Verurteilten im Straflager, die Dritte kam auf Bewährung frei. Die Verantwortung für das Urteil wird dem Kreml zugeschrieben. Amnesty International erkannte die Inhaftierten als politische Gefangene an. Gerade haben die Frauen Russland am Straßburger Gerichtshof für Menschenrechte verklagt.

Ein solches Aufsehen wie der Prozess gegen „Pussy Riot“ hatte zuvor in Russland nur die umstrittene Verurteilung des ehemaligen Yukos-Chefs Michail Chodorkowskij erregt. Doch auch nach „Pussy Riot“ beschäftigen umstrittene Prozesse derzeit die Gerichte und tragen nicht zur Vertrauensbildung in die russische Justiz bei.

Da ist zum einen das Verfahren gegen den Geschäftsmann Alexander Lebedew. Der 53-jährige Oligarch ist in den vergangenen Jahren immer wieder durch Kritik an den Missständen im Land, allen voran an der Korruption sowie an der herrschenden Elite aufgefallen. Lebedew finanziert die kreml-kritische Zeitung „Nowaja Gazeta“ und sympathisierte bei den Massenprotesten vor einem Jahr mit der außerparlamentarischen Opposition.

Kommentare (10)

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Clantech

21.02.2013, 13:06 Uhr

Guter Artikel. Bin ich Deiner Meinung.

SchwacheLeistung

21.02.2013, 13:30 Uhr

Hat hier jemand im Archiv durchgewühlt und schnell ein Artikel zusammengeschustert weil der Putin wieder in Umfragewerten gestiegen ist oder was soll dieses "aufgewärmtes" Zeug? Wie wäre es mal darüber zu berichten, dass in USA schon wieder ein russisches dreijähriges Kind von Adoptionseltern zu Tode geschlagen ist? Die Adoptiveltern bleiben auf freiem Fuß. Das zweite Kind (der Bruder, auch aus Russland) wurde aber schnell aus der Familie genommen. Oder müsste man jetzt zugeben, dass das Adoptionsgesetz (inoffiziell nach Dima Jakowlew benannt) doch keine populistische Reaktion auf die Verabschiedung des Magnizki-Gesetzes in den USA ist.

Account gelöscht!

21.02.2013, 13:52 Uhr

Die russische Justiz ist so vertrauenswürdig wie der albanische Autohändler um die Ecke bei dem Sonntagnacht immer so komische Lieferwägen halten und verstohlene Türsteher-Typen ohne Beleuchtung Kisten verladen.

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