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14.08.2014

16:00 Uhr

Putin auf der Krim

„Wir tun alles, damit nicht länger Blut vergossen wird“

Putin übt sich in Deeskalation: Ausgerechnet auf der annektierten Krim erklärt Russlands Präsident, den „Bruderkrieg“ in der Ukraine beenden zu wollen. Doch er schickt eine Warnung an die USA und die EU hinterher.

Putin besucht die Krim

"Russland will sich nicht von der Welt abgrenzen."

Putin besucht die Krim: "Russland will sich nicht von der Welt abgrenzen."

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Moskau/JaltaTrotz des aktuellen Konflikts mit dem Westen sollte sich Russland nach Meinung seines Präsidenten Wladimir Putin nicht vom Rest der Welt abschotten. Bei einem Besuch auf der annektierten ukrainischen Halbinsel Krim sagte Putin am Donnerstag laut russischen Nachrichtenagenturen, der derzeitige Handelskrieg mit den Vereinigten Staaten und Europa bedeute nicht, dass Moskau „die Verbindungen zu den Partnern kappen sollte“. „Aber wir sollten auch nicht zulassen, dass sie uns mit Verachtung behandeln“, fügte der Staatschef vor russischen Abgeordneten in der Hafenstadt Jalta hinzu.

Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte Putin mit den Worten: „Wir müssen konsolidieren und mobilisieren, aber nicht für Krieg oder irgendeine Konfrontation (...), für harte Arbeit im Namen Russlands.“ Russische Öl- und Gasexporte will Putin nicht mehr in Dollar abrechnen. Die Dominanz der US-Währung schade der russischen Wirtschaft, sagte Putin. Allerdings müsse man vorsichtig vorgehen. „Im Moment versuchen wir mit einigen Ländern zu vereinbaren, den Handel in der nationalen Währung abzuwickeln.“

Nach der Rede Putins drehte der Dax in Frankfurt ins Plus. Der Deutsche Aktienindex kletterte um knapp ein Prozent und notierte zunächst um 0,5 Prozent fester.

Die Russland-Geschäfte deutscher Konzerne

Eon

Der größte deutsche Energiekonzern hat seit 2007 rund sechs Milliarden Euro in den russischen Strommarkt investiert. Er hält knapp 84 Prozent an dem Kraftwerksbetreiber E.ON Rossiya OAO. Der Anteil des russischen Stromgeschäfts am Umsatz lag 2013 bei 1,5 Prozent und am operativen Gewinn bei gut sieben Prozent. E.ON beschäftigt rund 5000 Mitarbeiter in Russland. Der Versorger bezieht zudem 30 bis 40 Prozent seines Erdgases von dort. Die Düsseldorfer sind auch mit 25 Prozent an dem sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje beteiligt und mit 15,5 Prozent an der Ostsee-Pipeline, durch die Gas - an der Ukraine vorbei - von Russland nach Deutschland fließt. Die Mehrheit an beiden Projekten hält der russische Gazprom -Konzern.

BASF

Der weltgrößte Chemiekonzern ist vor allem in seinem Öl- und Gasgeschäft kräftig in Russland engagiert. So ist der Konzern mit seiner Tochter Wintershall am Gas-Projekt ZAO Achimgaz, einem Joint Venture mit Gazprom, zu 50 Prozent beteiligt. ZAO Achimgaz produziert in Sibirien etwa 3.500 Kilometer nordöstlich von Moskau Erdgas. Ferner ist Wintershall über die Gesellschaft OAO Severneftegazprom nach eigenen Angaben mit insgesamt 35 Prozent an der Ausbeutung des sibirischen Gasfeldes Juschno-Russkoje beteiligt. Zusammen mit einer Tochter des russischen Erdölproduzenten Lukoil betreibt Wintershall zudem das Gemeinschaftsunternehmen Wolgodeminoil zur Förderung von Erdöl. Die BASF-Tochter hält daran 50 Prozent.

Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn ist im Schienenverkehr sowie im Logistik-Geschäft mit insgesamt fünf Unternehmen in Russland vertreten: Vier davon sind 100-Prozent-Beteiligungen. An einer weiteren Firma, die Schienentransporte quer durch Russland von China nach Deutschland organisiert, hält die Bahn einen Anteil von gut einem Drittel. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen unter anderem mit der russischen Staatsbahn RZD. Bahnchef Rüdiger Grube hatte das Geschäftsvolumen in Russland zuletzt mit rund 250 Millionen Euro beziffert.

Daimler

Der Autokonzern ist zusammen mit der Entwicklungsbank EBRD mit 15 Prozent an dem russischen Lkw-Bauer Kamaz KMAZ.MM beteiligt. Die Stuttgarter lassen in zwei Gemeinschaftsunternehmen in dem Land Lastwagen der Marken Mercedes-Benz und Fuso montieren, die besonders robust und damit an die dortigen Straßenverhältnisse angepasst sind. Im abgelaufenen Jahr wurden 5600 Lkw der beiden Marken in Russland ausgeliefert. Etwa die Hälfte davon wurde vor Ort gebaut, der Rest aus Deutschland importiert.

Metro

Russland ist für den Handelsriesen mit einem Jahresumsatz von rund 4,3 Milliarden Euro und 22.000 Mitarbeitern der wichtigste Auslandsmarkt. Der Konzern betreibt dort 73 Cash&Carry-Märkte und 57 Media-Saturn-Filialen. Den Börsengang seines russischen Großmarktgeschäfts hatte Metro im März wegen der Ukraine-Krise auf Eis gelegt.

Henkel

Für den Konsumgüterkonzern ist Russland der weltweit viertgrößte Markt. Der Hersteller von Persil und Pritt hatte dort 2013 rund eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. Die Ukraine zählt zu den zehn wichtigsten Wachstumsmärkten Henkels. Im ersten Quartal war Henkel trotz der politischen Unruhen währungsbereinigt in Russland "im mittleren einstelligen Prozentbereich gewachsen" und in der Ukraine "ganz leicht" geschrumpft.

Adidas

Für den Sportausrüster ist Russland einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Infolge der Ukraine-Krise hat dem Konzern bisher vor allem der Verfall des Rubel zu schaffen gemacht. Schuhe und Kleidung mit den drei Streifen, die in Russland seit Sowjetzeiten etabliert sind, waren dort weiter gefragt. Adidas ist in Russland Marktführer.

Putin erklärte, sein Land sei im ständigen Kontakt mit der Ukraine, der internationalen Gemeinschaft und den wichtigsten internationalen Organisationen. „Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, damit dieser Konflikt baldmöglichst beendet wird, damit nicht länger in der Ukraine Blut vergossen wird“, sagte Putin.

Er sprach von „blutigem Chaos“ und einem „Bruderkrieg“. Zuletzt war die Opferzahl bei den Kämpfen zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten in den Regionen Lugansk und Donezk laut der Uno stark angestiegen.

Kommentare (37)

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Herr peter Spirat

14.08.2014, 13:57 Uhr

Wir alle hoffen, dass ab DAX stand 9400 der Russe endlich der Bruderkieg in der Ostukraine benden wird.

Herr Thomas Albers

14.08.2014, 14:01 Uhr

"Aber wir sollten auch nicht zulassen, dass sie uns mit Verachtung behandeln“, fügte der Staatschef vor russischen Abgeordneten in der Hafenstadt Jalta hinzu."

Und das würde ich mal als öffentliches Eingeständnis für substanzielle Verhandlungen interpretieren.

"Verhandlung ja, aber wir geben die Krim nicht her und der Osten kriegt mehr Autonomie und meine Separatistenführer bekommen Amnestie".

Trotzdem bleibe ich erstmal skeptisch, inwieweit dieser Ankündigung wirklich Taten folgen. Putin ist derjenige, der jetzt den ersten substanziellen Schritt machen muss.

Herr walter danielis

14.08.2014, 14:18 Uhr

Putin ist in der Ukraine am längeren Hebel. Früher oder später werden das alle Beteiligten merken

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