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15.03.2014

18:38 Uhr

Putin isoliert

Russland gegen den Rest der Welt

Der Kreml blockiert im Sicherheitsrat eine UN-Resolution gegen das Krim-Referendum – und hat dabei keine Unterstützer mehr. Nun steht sogar Russlands G8-Mitgliedschaft auf dem Spiel. Es wird einsam um Putin.

Vladimir Putin hat auf internationale Ebene keine Unterstützer mehr. Reuters

Vladimir Putin hat auf internationale Ebene keine Unterstützer mehr.

New York / KiewNiemand hatte am russischen „Njet!“ gezweifelt, schließlich hätte die UN-Resolution das Referendum auf der Krim praktisch für ungültig erklärt. Viel interessanter war, wer nicht an Moskaus Seite stand.

Russland hat im UN-Sicherheitsrat per Veto eine Resolution gegen das prorussische Referendum auf der ukrainischen Halbinsel Krim verhindert. Moskaus Botschafter Witali Tschurkin stimmte am Samstag bei einer Sondersitzung des mächtigsten UN-Gremiums in New York wie erwartet gegen den von den USA vorgelegten Entwurf und blockierte ihn so trotz der Zustimmung von 13 der 15 Staaten. Mit Spannung wurde das Verhalten Chinas erwartet, das in den letzten Jahren zusammen mit Moskau mehrere Syrien-Resolutionen blockiert hatte. Dieses Mal enthielten sich die Chinesen, so dass die einzige Nein-Stimme aus Russland kam.

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In der Resolution sollten alle Staaten aufgerufen werden, das für diesen Sonntag vorgesehene Referendum der ukrainischen Halbinsel Krim nicht anzuerkennen. In dem Entwurf wurde Russland nicht ausdrücklich genannt. Er betont aber die Unabhängigkeit und territoriale Unantastbarkeit der Ukraine. Es sollten „alle Handlungen unterlassen werden, die als Anerkennung interpretiert werden könnten“. Eine Sanktionsdrohung war im Entwurf nicht enthalten.

Doch Konsequenzen könnten schneller folgen als Russland es erwartet hatte. Nach Informationen des „Spiegel“ bereiten die G8-Staaten einen Rauswurf Russlands aus der wichtigen Staatengemeinschaft vor. Es soll bereits ein Treffen ohne Putin in London geplant sein.

In New York hatte Witali Tschurkin zuvor nur von einer „internen Krise“ der Ukraine gesprochen. Nationale Radikale hätten mit einem Putsch die Macht übernommen. Dem Sicherheitsrat sprach er ab, das Referendum als ungültig erklären zu können. „Das Referendum ist der Wille des Volkes und der Wille des Volkes muss respektiert werden. Russland wird den Willen des Volkes anerkennen.“

US-Botschafterin Samantha Power sprach von einem „traurigen Moment“. „Russland darf nach der UN-Charta ein Veto gegen diese Resolution einlegen. Es kann aber kein Veto gegen die Wahrheit einlegen.“ Russland verteidige überall das Prinzip der territorialen Unantastbarkeit - „es sei denn, Russland ist betroffen. Dann ist Moskau bereit, internationale Verträge zu brechen.“ Während UN und EU die Hand ausstreckten, seien russische Bewaffnete in der Ukraine. Dass Russland ganz allein gegen die Resolution stimmte, beweise, „dass für die Welt die Grenzen von Staaten mehr als nur Vorschläge sind“.

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Eine Resolution bedarf der Zustimmung von 9 der 15 Ratsmitglieder. Gleichzeitig darf aber keines der fünf ständigen Mitglieder - USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich - mit Nein stimmen. Deutschland, derzeit nicht im Rat, gehörte zu den etwa 40 Unterzeichnern des Entwurfs. Es war die siebte Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates in zwei Wochen zur Krim-Krise.

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