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20.08.2016

17:43 Uhr

Putin jagt Bodenschätze

Die Arktis erobern – mit Luftschiffen

VonAndré Ballin

Russland hat abgehobene Visionen: Für mehr als 200 Milliarden Dollar will der Kreml mit einer Zeppelin-Flotte die Arktis erobern. Es geht vor allem um die Öl- und Gasvorräte der Eiswüste – und die militärische Vormacht.

Noch müssen sich Schiffe mühsam durchs Eis kämpfen – der Kreml will das Problem mit einer Zeppelin-Flotte umgehen. dpa

Russland will die Eiswüste beherrschen

Noch müssen sich Schiffe mühsam durchs Eis kämpfen – der Kreml will das Problem mit einer Zeppelin-Flotte umgehen.

MoskauAls vor neun Jahren die Besatzung des U-Boots Mir-1 in über 4.000 Meter Tiefe eine russische Flagge aus Titan in den Meeresgrund am Nordpol rammte, wurde dies vielerorts als reiner PR-Gag angesehen. Doch Russland meint es mit der Arktis völlig ernst. In Moskau wurde längst erkannt – nicht ohne Zutun des damaligen Expeditionsleiters Artur Tschilingarow, Polarforscher und Duma-Abgeordneter für die Kremlpartei „Einiges Russland“, dass die lebensfeindliche Eiswüste strategisch und wirtschaftlich von größter Bedeutung ist.

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Die Öffnung der Nordwestpassage sollte Kanada einen Boom bringen. Doch die überzogenen Erwartungen sind geplatzt – der einzige Arktishafen des Landes muss schließen. Das Arktis-Geschäft wird damit den Russen überlassen.

Es gibt geologische Schätzungen, dass bis zu 13 Milliarden Tonnen Öl in der Arktis lagern und fast 70 Billionen Kubikmeter Gas. Das wären 30 Prozent der weltweiten Gasvorkommen und immerhin ein Zehntel der globalen Ölreserven. Noch ist die Erschließung aufgrund der Extrembedingungen sehr kostspielig, doch Russland setzt darauf, dass die Förderung durch den Klimawandel künftig einfacher wird.

Schon jetzt hilft die Erwärmung der Arktis Russland bei einem anderen strategisch wichtigen Projekt; der Nordostpassage. Die 6.500 Kilometer lange Route durch das Nordpolarmeer entlang der russischen Küste ist deutlich kürzer als der traditionelle Seeweg zwischen Europa und Asien über den Suez-Kanal. Außerdem lauern im ewigen Eis auch keine Piraten entlang der Strecke. Dafür bietet sie andere Risiken.

Das Treib- und Packeis macht die Durchfahrt gefährlich, früher war die Passage grundsätzlich nur mit schweren Eisbrechern befahrbar. Inzwischen ist sie immerhin für einige Wochen zwischen Juli und Anfang Oktober eisfrei. Und so kommt die Route immer mehr in Mode.

Russland im Überblick

Regierung

Präsidialdemokratie mit föderativem Staatsaufbau

Präsident: Wladimir Putin (Staatsoberhaupt)

Ministerpräsident: Dimitri Medwedjew (Regierungsschef)

Fläche

rund 17 Millionen Quadratkilometer

Einwohner

144 Millionen

Nachbarländer

Russland grenzt an Nordkorea, China, die Mongolei, Kasachstan, Aserbaidschan, Georgien, Polen, Weißrussland, Lettland, Estland, Finnland, Norwegen und die Ukraine.

Religion

Das Christentum ist in Russland am weitesten verbreitet. Ein großer Teil der Bevölkerung ist russisch-orthodoxen Glaubens.

Währung

Bedingt durch den Ölpreisverfall und Sanktionen des Westens verlor der russische Rubel 2014 und 2015 stark an Wert. Im Frühjahr 2016 konnte sich der Rubel-Kurs leicht stabilisieren.

Doch welchen Anspruch hat Russland überhaupt auf die Arktis und bis wohin erstreckt sich das Hoheitsgebiet? Die Fahne unter dem Nordpol reicht als Argument nicht aus, der Mond ist schließlich auch nicht amerikanisch. Und so wird gerade erbittert über Russlands Anrechte gestritten. Vor der UN erhebt das Land Anspruch auf ein gewaltiges Unterwassergebiet weit über die 200-Seemeilen-Grenze hinaus. Insgesamt 1,2 Millionen Quadratkilometer, ein Gebiet mehr als dreimal so groß wie die Bundesrepublik, will sich Russland einverleiben. Die anderen Arktis-Anrainer Dänemark (mit Grönland), Norwegen, Kanada und die USA sind darüber wenig begeistert.

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