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13.10.2015

17:42 Uhr

Putin kritisiert Syrien-Politik der USA

„Einige unserer Partner haben einfach Grütze im Kopf“

Was das Vorgehen der US-Regierung im Syrien-Konflikt angeht, ist Russlands Präsident Wladimir Putin skeptisch. Er fordert eine politische Lösung – und setzt weiter auf Luftangriffe gegen Rebellenstützpunkte.

Im Streit um ein gemeinsames Vorgehen im Syrien-Konflikt findet Wladimir Putin (l.) harte Worte. ap

Uneinigkeit unter Partnern

Im Streit um ein gemeinsames Vorgehen im Syrien-Konflikt findet Wladimir Putin (l.) harte Worte.

MoskauWährend die russische Luftwaffe weiter Angriffe in Syrien fliegt, hat Präsident Wladimir Putin in Moskau eine politische Lösung für das Bürgerkriegsland gefordert. Zugleich warf er den USA mangelnde Kooperationsbereitschaft vor. „Ich glaube, einige unserer Partner haben einfach Grütze im Kopf“, sagte Putin am Dienstag vor Geschäftsleuten.

„Wenn wir nicht nur einfach schießen oder Raketentreffer landen wollen, sondern eine politische Lösung finden wollen, dann sollten wir die Kräfte innerhalb des Landes zu einer gemeinsamen Arbeit mit anderen Kräften auf dem Territorium Syriens bringen“, sagte Putin. Dazu solle jede ausländische Macht auf diejenigen Syrer einwirken, auf die sie Einfluss habe.

Syrien: USA liefern Rebellen Munition

Syrien

USA liefern Rebellen Munition

Im Kampf gegen den IS wollen die USA arabische Rebellengruppen unterstützen. Die geplante Militärausbildung scheiterte kläglich. Nun greift eine neue Taktik – gleichzeitig wachsen Zweifel an den Motiven der Kurdenmiliz.

Der Kreml-Chef hielt den USA vor, weder Informationen zu terroristischen Zielen in Syrien zu geben noch klar zu sagen, worauf nicht geschossen werden solle. Militärs beider Länder hatten sich bei einer Videokonferenz am Sonntag nur über Maßnahmen geeinigt, um Zwischenfälle im Luftraum über Syrien zu vermeiden. Eine US-geführte Koalition fliegt seit 2014 Luftangriffe gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow empfing am Dienstag den UN-Sondergesandten für Syrien, Staffan de Mistura. Nach Berichten des russischen Verteidigungsministeriums zerstörten Kampfflugzeuge Munitionslager und Nachschubwege des IS. Die USA und andere Staaten kritisieren, dass Russlands Luftwaffe weniger den IS als vielmehr andere Regimegegner angreift, um den syrischen Machthaber Baschar al-Assad an der Macht zu halten.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Bürgerkrieg in Syrien

Seit mehr als vier Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Dem Regime in Damaskus steht eine Vielzahl von Gegnern gegenüber, die Lage ist unübersichtlich. Längst werden die Rebellen von islamistischen und radikalen Gruppen dominiert.

Regime

Die Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden Assads Anhänger von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz ist die stärkste Kraft in Syrien. Sie kontrolliert im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in diesem Jahr mehrere Niederlagen gegen die syrischen Kurden einstecken.

Dschaisch al-Fatah

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die radikale Al-Nusra-Front, die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrien Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib.

Al-Nusra-Front

Der Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida vertritt eine ähnliche Ideologie wie IS, beide Gruppen sind aber miteinander verfeindet. Die Nusra-Front ist vor allem im Nordwesten des Landes stark, kämpft aber auch im Süden.

Ahrar al-Scham

Die islamistische Miliz ist neben der Nusra-Front die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger.

Freie Syrische Armee

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis gehören, sowie im Süden.

Kurdische Volksschutzeinheiten

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte die YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückschlagen. Dort haben die Kurden eine Selbstverwaltung aufgebaut. Sie kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch zu Zusammenstößen mit Rebellengruppen in Aleppo.

Von

dpa

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