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09.12.2014

10:10 Uhr

Putin provoziert

Russische Kampfjets über Europa gesichtet

Putin demonstriert seine Macht: Über Nord- und Ostsee sind vermehrt russische Bomber gesichtet worden. Die Nato spricht von einem „größeren Vorstoß“. Die EU lässt „Beinahe-Zusammenstöße“ mit Militärmaschinen untersuchen.

Ein russischer MiG-29-Kampfjet bei einer Übung (Archivfoto). dpa

Ein russischer MiG-29-Kampfjet bei einer Übung (Archivfoto).

WashingtonIn den vergangenen Tagen sind nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums wieder verstärkt russische Militärflugzeuge über der Nord- und Ostsee gesichtet worden. Das berichtete der US-Fernsehsender CNN am Montagabend (Ortszeit) unter Berufung auf einen Mitarbeiter des Pentagons. Am Samstag und Sonntag seien jeweils ein Dutzend Maschinen, darunter Kampfbomber und Tankflugzeuge unterwegs gewesen. Dass dies zwei Tage hintereinander geschehen sei, sei ungewöhnlich, hieß es weiter. Nato-Flugzeuge und Militärjets aus Schweden und Finnland hätten die Lage verfolgt.

Die Nato sei noch dabei, die Vorfälle auszuwerten, sagte Pentagonsprecher Oberst Steven Warren dem Sender. Er sprach von einem „größeren Vorstoß“, den er als eine Machtdemonstration des russischen Präsidenten Wladimir Putin bezeichnete. Die russischen Flugzeuge seien jedoch in internationalem Hoheitsgebiet unterwegs gewesen, betonte Warren.

Putin spricht...

über Krieg und Frieden

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“
am 4.3. in einer Pressekonferenz

„Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“
am 01.09. in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das dieser öffentlich machte. Die russische Seite erklärte im Anschluss, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

über Rüstung

„Die Militarisierung des Weltraums und die US-Stützpunkte in Europa und Alaska, direkt an unserer Grenze, nötigen uns zu einer Reaktion.“
am 10.09. in einer Pressekonferenz

über die Zukunft der Ostukraine

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“
am 4. 3. in einer Pressekonferenz

„Diese Gebiete (im Süden und Osten der Ukraine) waren als Neurussland historisch ein Teil des Russischen Reiches. Erst in den 1920er Jahren wurden die Territorien von den Bolschewiken der Ukraine gegeben. Gott weiß warum.“
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

„Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine.“
am 31. 8. vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe

über die Führung der Ukraine

„In der Ukraine gibt es bislang keine legitime Macht, mehrere Staatsorgane werden von radikalen Elementen kontrolliert.“
am 18. 3. in der Rede an die Nation

„Sind sie da jetzt völlig verrückt geworden? Panzer, Schützenpanzerwagen und Kanonen! (...) Sind sie total bekloppt? Mehrfachraketenwerfer, Kampfjets im Tiefflug! (...) Sind sie dort jetzt völlig bescheuert geworden, oder was?
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

über den Westen

„In der Ukraine überschritten die westlichen Partner die rote Linie, verhielten sich grob, verantwortungslos und unprofessionell.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Die Vereinigten Staaten dürfen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen agieren, aber Russland soll es verwehrt sein, seine Interessen zu verteidigen.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

über Russen im Ausland

„Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Russen zu einem der größten geteilten Völker der Welt. Millionen von Menschen gingen in einem Land ins Bett und erwachten in einem ganz anderen und wurden zur nationalen Minderheit.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Ich glaube daran, dass die Europäer, vor allem aber die Deutschen, mich verstehen werden (...). Unser Land hatte das starke Bestreben der Deutschen nach Wiedervereinigung unterstützt. Ich bin sicher, dass sie das nicht vergessen haben und rechne damit, dass Bürger Deutschlands das Bestreben der russischen Welt, ihre Einheit wiederherzustellen, (...) ebenfalls unterstützen werden.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) untersucht mehrere „Beinahe-Zusammenstöße“ zwischen zivilen Flugzeugen und Militärmaschinen. Die EU-Behörde mit Sitz in Köln habe von der EU-Kommission einen Auftrag zur Prüfung erhalten. An mindestens einem der Vorfälle sei ein russisches Flugzeug beteiligt gewesen, sagte ein Sprecher.

Die EASA teilte mit, sie untersuche eine Serie von Vorfällen in den vergangenen Monaten. „Wie von verschiedenen EU-Mitgliedstaaten berichtet, waren die Transponder der Militärmaschinen ausgeschaltet und es war nicht möglich, Funkkontakt mit ihnen aufzunehmen. Dies könnte eine unmittelbare Gefahr für die Sicherheit der zivilen Luftfahrt dargestellt haben.“ Der geschäftsführende Direktor der Behörde, Patrick Ky, sprach von „einer sehr ernsten Angelegenheit“. Die EASA werde nun mit allen relevanten zivilen und militärischen Stellen in Kontakt treten.

NATO verurteilt Russlands Verhalten

„Vorsätzliche, andauernde Destabilisierung durch Russland“

 NATO verurteilt Russlands Verhalten: „Vorsätzliche, andauernde Destabilisierung durch Russland“

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Die Luftfahrtbehörde soll die Ursachen der Zwischenfälle untersuchen und Empfehlungen dazu geben, wie mögliche Gefahren für die zivile Luftfahrt minimiert werden können. Bis März 2015 will sie der EU-Kommission dazu Bericht erstatten.

Kommentare (85)

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Herr Peter Delli

09.12.2014, 08:29 Uhr

"Russische Kampfjets über Europa gesichtet"

Die Russen leben nun mal in Europa und die Amis?

Herr Riesener Jr.

09.12.2014, 08:30 Uhr

Gut, dass im Artikel auch die Provokationen der NATO gegenüber Russland erwähnt werden!

Schlimm, dass mächtige Politiker aus Ost und West in mancher Hinsicht so handeln, als wären sie Kindergartenkinder im Sandkasten.

Wer kann ihnen beibringen, was Realpolitik bedeutet?

Herr Josef Schmidt

09.12.2014, 08:40 Uhr

Amerikanische Militärjets fliegen täglich durch die ganze Welt und es interessiert niemanden. Ebenfalls töten US Drohnen Unschuldige und das interessiert ebenfalls niemanden.

Lieber sollte die HB davon berichten:

"Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!"

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