Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.12.2016

10:50 Uhr

Putin und Abe

Ziemlich beste Freunde

VonMartin Kölling, André Ballin

Wladimir Putin genießt bei seinem historischen Japan-Besuch eine Vorzugsbehandlung. Japans Regierungschef Shinzo Abe will einen Friedensvertrag mit Russland abschließen. Doch vorher muss noch einiges geklärt werden.

Russland und Japan

Wirtschaftliche Einigung – So verläuft Putins Besuch bei Abe

Russland und Japan: Wirtschaftliche Einigung – So verläuft Putins Besuch bei Abe

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Tokio/MoskauIn vielen Ländern Europas wird Wladimir Putin immer stärker als Bedrohung wahrgenommen. In Japan hingegen behandelt Regierungschef Shinzo Abe den russischen Präsidenten bei seinem ersten Besuch im ostasiatischen Kaiserreich seit elf Jahren wie einen Freund der Familie.

Am Donnerstag empfing Abe den Staatsbesucher in seiner Heimat, der Präfektur Yamaguchi, Besuch in einer traditionellen japanischen heißen Quelle inklusive. Auch die abschließende Pressekonferenz am Freitagnachmittag demonstrierte die Nähe zwischen den beiden Staatsoberhäuptern. Japan versprach nicht nur, 2,5 Milliarden Euro in Russland zu investieren. Japanische Firmen unter Federführung des Handelshauses Marubeni und Russlands Ölgesellschaft Rosneft wollen beispielsweise ein Gasprojekt vor der russischen Insel Sachalin gemeinsam entwickeln.

Abe und Putin gelobten auch, endlich ihr größtes bilaterales Problem zu lösen, das bisher eine Annäherung beider Länder verhindert hat. Nach 71 Jahre wollen sie sich nun ernsthaft bemühen, einen Friedensvertrag abzuschließen. Dessen Fehlen sei „ein negatives Erbe der Vergangenheit“, sagte Putin. In einem ersten Schritt wollen sie über eine gemeinsame wirtschaftliche Entwicklung der vier von Russland besetzten und von Japan beanspruchten südlichen Kurileninseln unterhalten.

Damit hält der Gipfel wenigstens die Hoffnung aufrecht, das hochgesteckte Ziel zu erfüllen. Japan hofft, in der wachsenden Rivalität mit China durch enge Beziehungen zu Russland die eigene Position zu stärken. Denn die Sanktionen, die der Westen nach der Annexion der Krim-Halbinsel verabschiedet hat, trieb die eurasische Großmacht zuletzt näher an China heran. Abe will Putin durch wirtschaftliche Kooperation und einen Ausbau der Beziehungen auf die eigene Seite ziehen.

Doch es ist keineswegs sicher, dass Japans Traum wahr wird. Denn für einen Friedensvertrag müssen beide Seiten einen Konflikt um die vier südlichen Kurileninseln lösen, der bisher eine dauerhafte Annäherung beider Staaten verhindert hat. Russland hatte die Inseln zwischen dem russischen Kamtschatka und der nordjapanischen Insel Hokkaido am Ende des zweiten Weltkriegs besetzt und nie wieder zurückgegeben.

Japans Regierungschef Abe sucht daher seit seinem Amtsantritt Ende 2012 die Nähe des russischen Staatschefs. 14 Mal trafen sich die beiden seither, sagt Shinji Hyodo, Direktor am Institut für Verteidigungsstudien, einer Denkfabrik von Japans Streitkräften. „Kein Staats- oder Regierungschef hat Putin in den vergangenen Jahren häufiger getroffen als Abe.“

Kommentare (17)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Dietmar Lenz

16.12.2016, 11:05 Uhr

Was ist denn an einem Friedensvertrag auszusetzen? Klingt hier schon wieder die "Atlantische Brücke" durch? Und was soll diese künstlich geschürte Kriegsangst hinsichtlich Rußland?
Wer hat denn die Verträge und Abmachungen zur deutschen Einheit verletzt? Die NATO! 90% der Deutschen halten das Russlandbashing für Unfug, geschürt von einigen wenigen Nato-Mitgliedsländern, wie Polen und die baltischen Ministaaten. Also gemach, gemach. Trump wird hoffentlich diesbezüglich zur Entspannung beitragen. Und - hoffentlich ist ihm egal, was Deutschland davon hält.

Herr Tom Schmidt

16.12.2016, 11:08 Uhr

Vielleicht ist das ja auch einfach mal eine gute Idee?

Ich halte Putins Proteste gegen die NATO-Osterweiterung zwar für falsch, aber am Ende des Kalten Krieges war die Idee ein "Gemeinsames Europäisches Haus". Ich finde es viel schlimmer, dass es das nicht für Russland gegeben hat bzw. bis heute gibt. Da müssen wir eine demokratische Perspektive für Russland bieten!

Herr Tom Schmidt

16.12.2016, 11:10 Uhr

Noch eine Sache:

Was hier auffällt, ist der Unterschied in der Politik im Vergleich zu unserer Steinmeier-0-Politik. Steinmeiers These ist immer, man müsse nur reden, dann wäre alles super!

Real gesehen braucht man für Gespräche aber eine politische Agenda über die gesprochen wird. Ansonsten kommt sich der andere irgendwann verar.... vor und das Reden führt nur noch zu Streit! Und an der Stelle versagt Steinmeier (und Merkel) völlig!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×