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11.11.2014

08:55 Uhr

Putin und Obama in Peking

Smalltalk über die Krisen der Welt

Barack Obama und Wladimir Putin treffen beim Asien-Pazifik-Gipfel in Peking aufeinander. In der Pause sprechen der US-Präsident und der russische Staatschef. Es geht um die Ukraine, Syrien und Iran.

APEC-Gipfel in China

Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte

APEC-Gipfel in China: Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte

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PekingUS-Präsident Barack Obama und der russische Staatschef Wladimir Putin haben am Rande des Asien-Pazifik-Gipfels (Apec) in Peking über die Krisen in der Ukraine und Syrien gesprochen. Die beiden hätten sich mehr als zweimal in den Pausen des Gipfelprogramms getroffen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag der Agentur Interfax zufolge. Dabei ging es demnach unter anderem auch um den Iran und die Beziehungen zwischen den USA und Russland.

Am Wochenende werden Obama und Putin zum G20-Gipfel in Australien erwartet. Peskow sagte, er wisse nicht, ob es dort ein weiteres Treffen der beiden geben werde. Beobachter vermuten, die versammelten Staatschefs könnten Putin wegen der russischen Unterstützung für moskautreue Separatisten in der Ostukraine zur Rede stellen.

Putin spricht...

über Krieg und Frieden

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“
am 4.3. in einer Pressekonferenz

„Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“
am 01.09. in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das dieser öffentlich machte. Die russische Seite erklärte im Anschluss, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

über Rüstung

„Die Militarisierung des Weltraums und die US-Stützpunkte in Europa und Alaska, direkt an unserer Grenze, nötigen uns zu einer Reaktion.“
am 10.09. in einer Pressekonferenz

über die Zukunft der Ostukraine

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“
am 4. 3. in einer Pressekonferenz

„Diese Gebiete (im Süden und Osten der Ukraine) waren als Neurussland historisch ein Teil des Russischen Reiches. Erst in den 1920er Jahren wurden die Territorien von den Bolschewiken der Ukraine gegeben. Gott weiß warum.“
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

„Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine.“
am 31. 8. vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe

über die Führung der Ukraine

„In der Ukraine gibt es bislang keine legitime Macht, mehrere Staatsorgane werden von radikalen Elementen kontrolliert.“
am 18. 3. in der Rede an die Nation

„Sind sie da jetzt völlig verrückt geworden? Panzer, Schützenpanzerwagen und Kanonen! (...) Sind sie total bekloppt? Mehrfachraketenwerfer, Kampfjets im Tiefflug! (...) Sind sie dort jetzt völlig bescheuert geworden, oder was?
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

über den Westen

„In der Ukraine überschritten die westlichen Partner die rote Linie, verhielten sich grob, verantwortungslos und unprofessionell.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Die Vereinigten Staaten dürfen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen agieren, aber Russland soll es verwehrt sein, seine Interessen zu verteidigen.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

über Russen im Ausland

„Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Russen zu einem der größten geteilten Völker der Welt. Millionen von Menschen gingen in einem Land ins Bett und erwachten in einem ganz anderen und wurden zur nationalen Minderheit.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Ich glaube daran, dass die Europäer, vor allem aber die Deutschen, mich verstehen werden (...). Unser Land hatte das starke Bestreben der Deutschen nach Wiedervereinigung unterstützt. Ich bin sicher, dass sie das nicht vergessen haben und rechne damit, dass Bürger Deutschlands das Bestreben der russischen Welt, ihre Einheit wiederherzustellen, (...) ebenfalls unterstützen werden.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

Gemeinsam mit dem australischen Ministerpräsidenten Tony Abbott sprach sich Putin in Peking für eine sorgfältige und rasche Aufklärung des schweren Flugzeugunglücks in der Ostukraine aus. Die Passagiermaschine MH17 war im Juli mit 298 Menschen an Bord über dem Konfliktgebiet vermutlich von einer Rakete getroffen worden. Putin kritisierte, Experten werde der Zugang zur Absturzstelle erschwert. Die Aufständischen in Donezk teilten mit, die niederländischen Spezialisten hätten ihre Untersuchungen erneut abgebrochen.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Paul Mueller

11.11.2014, 09:54 Uhr

Und was tut Tony Abbott nun für eine rasche Aufklärung von MH17? Mir ist nichts bekannt. Ist er Schaumschläger oder Lügner?

Account gelöscht!

11.11.2014, 10:09 Uhr

Mehr als Smalltalk kann zur Zeit bei derartigen Treffen nicht herauskommen.

Man muß die Gesamtlage bedenken: Die USA betreiben in großem Stil eine Fragmetisierung der globalen Märkte. TTIP verfolgt vor allem das Ziel, Rußland auszuschließen, und TPP verfolgt das Ziel, China außen vor zu halten.

Offenbar haben die USA erkannt, daß sie nicht mehr die Macht haben, in der gesamten Welt die allein führende Macht zu sein. Deshalb verfolgen sie eine konsequente Nischenstrategie. Wenigstens im Bereich USA-Westeuropa und USA-Japan, Südkorea, Australien... wollen sie eine Führungsrolle übernehmen.

Seit Adam Smith weiß die Welt, daß Arbeitsteilung und freier Handel die Grundlage des allgemeinen Wohlstandes sind. Wenn also jetzt die USA den globalen Markt fragmentieren und neue Handelsschranken aufbauen, wirken sie als weltweite Wohlstandsbremse.

Putin hat das erkannt. Er fördert daher konsequent die Achse Moskau-Peking. Er baut also, nicht aus eigenem Willen, sondern weil die USA ihm keine andere Wahl lassen, an einer alternativen Nische Rußland-China.

Er wird auch weiterhin zu Smalltalk mit westlichen Politikern bereit sein. Er wird auch weiterhin höflich lächeln und von seinen "Kollegen" oder "Partnern" im Westen reden, dann aber wird er ihnen den Rücken zuwenden, weil ihm die Tür zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zugeschlagen worden ist.

Solange die USA ihren rückschrittlichen, freihandelsfeindlichen Kurs steuern und solange Deutschland in blindem Kadavergehorsam dem Großen Bruder folgt, statt, wie es in deutschem und europäischem Interesse läge, die Türe nach Rußland offen zu halten, wird sich an dieser Gesamtlage nichts ändern.

Schade! Deutschland und vor allem die deutsche Exportwirtschaft werden zu den Verlieren gehören.

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