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01.06.2015

08:00 Uhr

„Putin wäre gekommen“

Altkanzler Schmidt vermisst Russland bei G7

Angela Merkel als Gastgeberin: In Schloss Elmau treffen sich ab Sonntag die G7. Russland hat keine Einladung erhalten. Was Altkanzler Helmut Schmidt nicht verstehen kann. Seine Gipfel-Erwartungen sind daher bescheiden.

Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) hat Verständnis für einige Entscheidungen von Kremlchef Wladimir Putin. dpa

Helmut Schmidt

Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) hat Verständnis für einige Entscheidungen von Kremlchef Wladimir Putin.

HamburgAltbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) hält den am 7. Juni im bayerischen Elmau beginnenden G7-Gipfel ohne Teilnahme Russlands für nicht sinnvoll. „Meine Erwartungen sind begrenzt“, sagte Schmidt der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf mögliche Ergebnisse des Treffens. Er erhoffe sich vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise lediglich, dass die westlichen Staats- und Regierungschefs „nicht Öl ins Feuer gießen. Und damit bin ich dann zufrieden“.

Schmidt äußerte die Überzeugung, dass der russische Präsident Wladimir Putin eine Gipfel-Einladung des Westens angenommen hätte, wenn sie „in gehöriger Form ausgesprochen worden wäre“. Der 96-Jährige wörtlich: „Ich sehe deutlich, dass Putin beleidigt ist durch die Tatsache, dass der Westen ihn seiner Vorstellung nach nicht ernst genug nimmt.“

Schmidt zeigte zudem ein gewisses Verständnis für Putins aggressive Politik, die ihn im Westen isoliert hat. „Putin ist derjenige Mann, der nach der Wildwest-Periode unter (Präsident Boris) Jelzin den russischen Staat wiederhergestellt hat. Das ist nach seinen Vorstellungen seine Aufgabe.“

Der russische Präsident habe das letzte noch bestehende „Kolonialreich geerbt“, das er zu erhalten versuche. Dabei handele Putin nur aus einer vermeintlich starken Position, so Schmidt: „Es ist eine Stärke, von der der Inhaber dieser Stärke weiß, dass er sie nicht anwenden kann.“

Schmidt gab sich in dem Gespräch zuversichtlich, dass aus der derzeitigen Konfrontation zwischen dem Westen und Russland keine militärische Auseinandersetzung entsteht. „Ich nehme an, dass weder Putin noch (US-Präsident Barack) Obama einen Krieg führen wollen. Die Krim ist ist kein Kriegsgrund. Die Ukraine insgesamt ist weder für Obama noch Putin ein wirklicher Kriegsgrund.“ Es werde vielmehr weiterhin schwierige, und womöglich jahrelang ergebnislose Verhandlungen zwischen Russland und dem Westen geben.

Im bayerischen Schloss Elmau treffen sich am kommenden Sonntag und Montag auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Staats- und Regierungschefs der USA, Kanadas, Frankreichs, Italiens, Japans und Großbritanniens. Russland, das die Gruppe der Sieben 1998 zu den G8 erweitert hatte, wurde 2014 nach der Annexion der Krim ausgeschlossen.

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dpa

Kommentare (31)

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Herr C. Falk

01.06.2015, 09:03 Uhr

Schmidt als jemand, der etwas von Geopolitik versteht, schätzt die Lage so ziemlich richtig ein.

Die Situation um die Ukraine und die Krim kann zu einer jahrelangen Hängepartie werden. Sollte in den USA allerdings ein millitanter Republikaner Präsident werden, kann auch in Europa eine reale Kriegsgefahr heraufbeschworen werden.

Frau Merkel hat die politische Pflicht, zu entschärfen, dazu wäre natürlich auch eine Teilnahme von Putin am G7 Giepfel in Bayern ziemlich sinnvoll gewesen.

Leider ist Frau Merkel als Hypertransatlantiker nicht in der Lage, auch einmal ein Stück unabhänige Außenpolitik im Interesse Europas und Deutschlands zu machen. Das muß und kann man wie Altkanzler Schmidt bedauern.

Herr Rudolf Ott

01.06.2015, 09:08 Uhr

Gewiss, Rußland genießt seit jeher in unserer Wahrnehmung einen gewissen Malus. Aber schon Bismarck erkannte, dass man sich den großen Nachbarn nicht zum Feind machen dürfe. Rußland war und ist historisch immer von den Werten Kontinental-Westeuropas abgekoppelt gewesen. - Und schlimm, Rußlands Putin ignoriert einfach Völkerrecht! Na, dann schauen wir mal zu Bushs und Obamas Amerika. Wir leben ja angeblich in einer Wertegemeinschaft. Es ist gut 10 Jahre her, da überfällt Bushs Amerika völerrechtswidrig mit einer "Allianz der Willigen" den Irak. Bush durfte das, um Demokratie und Wohlstand nach dem Nahen Osten zu bringen. Das Ergebnis kennen wir. Fazit: Es ist zwar wünschenswert, wenn Staatschefs sich an "Verträge" und internationales Rech halten. Doch überall wird es bei jeder Gelegenheit gebrochen, besonders gern von US-amerikanischer Seite. Statt amerikanische Auspolitik zu vollziehen, sollte Merkel lieber mit dem ungeliebten Putin reden.

Herr walter danielis

01.06.2015, 09:28 Uhr

Ich denke ,Frau Merkel hatte hier keine Entscheidungskompetenz!

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