Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.10.2017

10:16 Uhr

Putin wird 65

Der Unüberwindbare

VonAndré Ballin

Ein halbes Jahr vor den Präsidentschaftswahlen stehen die Russen mehrheitlich hinter Wladimir Putin. Doch die Wirtschaftskrise trübt die Stimmung – und Oppositionsführer Nawalny wird immer lauter.

Wladimir Putin

Proteste zum 65. Geburtstag

Wladimir Putin: Proteste zum 65. Geburtstag

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

MoskauWladimir Putin ist diesen Samstag 65 Jahre alt geworden. Kommt nun der dritte Frühling, die vierte Amtszeit oder doch der Rückzug aufs Altenteil? Offiziell hat sich der gebürtige Petersburger noch nicht entschieden. Doch die Indizien sprechen immer stärker für die erste Variante. Die Mehrheit der Bevölkerung kann der Kremlchef offiziellen Umfragen zufolge auch 17 Jahre nach seinem ersten Amtsantritt hinter sich wissen. Doch die Unzufriedenheit ist größer geworden.

Große Feiern wird es nach Angaben von Präsidentensprecher Dmitri Peskow am Geburtstag nicht geben. Trotz Wochenende seien ein paar Arbeitstermine geplant, darunter eine Sitzung mit dem nationalen Sicherheitsrat. Ansonsten bleibe Putin an seinen Geburtstag „traditionell im Kreise von Freunden und Verwandten. Geplant ist eine ganze Kette von Telefonaten, um dem Präsidenten zu gratulieren“, teilte Peskow mit.

Kein Eishockeymatch also, wie vor zwei Jahren, als Putin an seinem Geburtstag sieben Tore schießen durfte und anschließend von der russischen Presse bejubelt wurde. Immerhin: In Grosny wird ein Fußballspiel zu Ehren Putins organisiert.

25 Jahre danach: Was wurde aus den einzelnen Sowjetrepubliken?

15 neue Staaten

Der Zerfall der Sowjetunion 1991 hat 15 neue Staaten hervorgebracht. Ihre Schicksale in einem Vierteljahrhundert Unabhängigkeit sind sehr verschieden gewesen. Der Traum von Frieden und Wohlstand blieb für viele unerfüllt. Die Länder im Überblick.

Russland

Größtes Nachfolgeland, Atommacht, Energie-Exporteur. Verhinderte in zwei Kriegen die Abspaltung von Tschetschenien. Unter Präsident Wladimir Putin zunehmend autoritär. Steckt in der Krise, versucht aber, weltpolitisch wieder eine größere Rolle zu spielen.

Westen der Sowjetunion – Estland, Lettland und Litauen

Die kleinen baltischen Staaten stellten rasch auf Demokratie und Marktwirtschaft um. Seit 2004 Mitglieder in Nato und EU.

Weißrussland

Stabile Friedhofsruhe bei erträglichem Lebensstandard. Dauerherrscher Alexander Lukaschenko ist Russlands bester Freund und hält doch Abstand.

Ukraine

Zweitgrößtes Land Europas, großes Wirtschaftspotenzial, aber 25 Jahre lang unter seinen Möglichkeiten regiert. Zweimal Aufbegehren der Zivilgesellschaft: Orange Revolution 2004/5, Euromaidan 2013/14. Russland nahm 2014 die Krim weg und führt verdeckt Krieg im Osten.

Moldau

Ethnisch vorwiegend rumänisch. Verlor 1992 den russischsprachigen Landstreifen Transnistrien. Der eingefrorene Konflikt lähmt das arme Land politisch und wirtschaftlich.

Kaukasus – Georgien

Verlor nach 1992 Kriege gegen Separatisten in Abchasien und Südossetien. 2008 Niederlage gegen Russland. Hat sich zuletzt durch energische Reformen modernisiert.

Aserbaidschan

Ölreichtum am Kaspischen Meer kommt Präsidenten-Clan Aliyev zugute - erst dem Vater, nun dem Sohn. Ein Fünftel des Landes von Karabach-Armeniern besetzt.

Armenien

Sieg im Krieg um Berg-Karabach 1992-94 nützt nichts. Eingeklemmt zwischen Feinden Aserbaidschan und Türkei, nur die Schutzmacht Russland hilft.

Zentralasien – Kasachstan

Neuntgrößtes Land der Erde, lebt von Öl und Gas. Stabil, hat nie einen anderen Präsidenten gekannt als Nursultan Nasarbajew (76). Wer wird ihm nachfolgen?

Turkmenistan

Wüstenstaat, einer der größten Gasproduzenten der Welt. Fast so abgeschottet und diktatorisch wie Nordkorea.

Usbekistan

Herz der historischen Seidenstraße. Dauerherrscher Islam Karimow ließ 2005 hunderte Bürger in Stadt Andischan erschießen.

Kirgistan

Hochgebirgsland, arm, immer wieder von Unruhen erschüttert. Aber einzig halbwegs demokratisches Land der Region.

Tadschikistan

War das Armenhaus der Sowjetunion und bleibt es auch. 1992-97 Bürgerkrieg mit Zehntausenden Toten. Heute bedroht durch Islamismus aus dem benachbarten Afghanistan.

Quelle: dpa

Tschetscheniens Oberhaupt Ramsan Kadyrow, seit langem durch Aussagen wie „solange er gesund ist, sollten wir ihn auf Knien bitten, unseren Staat zu regieren“ als glühender Putin-Verehrer bekannt, hat ehemalige russische und italienische Fußball-Nationalspielspieler wie Waleri Karpin, Salvatore Schillaci, Massimo Oddo und Stefano Fiore zusammengetrommelt. „Das Spiel ist dem Geburtstag des russischen Präsidenten Wladimir Putin gewidmet“, heißt es ausdrücklich auf der Webseite der tschetschenischen Regierung.

Die politischen Gegner Putins werden den Tag auf ihre Weise begehen: Erst Anfang der Woche wurde Alexej Nawalny, der seit Wochen durch das Land tourt, um seine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2018 durchzusetzen, wegen „wiederholten Verstoßes gegen das Demonstrationsrecht“ zu 20 Tagen Ordnungshaft verurteilt. Der Arrest sei entweder „ein Geschenk zu Putins Jubiläum oder sie fürchten unsere Kundgebungen und Treffen“, kommentierte Nawalny die Haftstrafe und rief nun erst recht zu Protestaktionen auf. In mindestens 80 russischen Städten will der Stab des Oppositionspolitikers Kundgebungen organisieren, die vielerorts verboten sind.

Deutschland und der Russland-Komplex: Der schwierige Nachbar

Deutschland und der Russland-Komplex

Premium Der schwierige Nachbar

Deutsche und Russen können seit tausend Jahren nicht voneinander lassen. Beide beschritten Sonderwege, begegneten sich oft als Feinde. Auch jetzt steckt die Beziehung in der Krise. Höchste Zeit für eine neue Ostpolitik.

So hat die Petersburger Stadtverwaltung den zum Zentrum des Protests erklärten Aufmarsch auf dem Marsfeld abgeblasen. Auch die Moskauer Stadtverwaltung hat alle fünf von der Opposition beantragten Kundgebungen untersagt. An den von der Opposition benannten Plätzen fehle es an Möglichkeiten „für die Durchführung öffentlicher Veranstaltungen mit der genannten Anzahl an Teilnehmern“ (bis zu 15.000), sagte der Vizechef der Sicherheitsabteilung im Bürgermeisteramt Wassili Olejnik. Außerdem verbiete es die Gesetzgebung Politikern, die nicht Abgeordnete seien, sich mit Bürgern zu treffen, argumentierte er.

Wichtigste Forderung ist die Zulassung Nawalnys zur Wahl im März. Wegen der Vorstrafe des Politikers aus dem als politisch motiviert geltenden Kirowles-Prozess (fünf Jahre auf Bewährung) hatte Wahlleiterin Ella Pamfilowa Nawalnys Teilnahme als unmöglich bezeichnet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×