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12.12.2013

14:38 Uhr

Putins Rede an die Nation

„Wir belehren niemanden, wie er zu leben hat“

In seiner Rede zur Lage der Nation macht Präsidenten Wladimir Putin klar: Russland will keine Supermacht sein. Außerdem räumt er erstmals ein, dass die Wirtschaftsprobleme seines Landes hausgemacht sind.

Wladimir Putin: „Wir beabsichtigen nicht, als Supermacht angesehen zu werden, also als globaler oder regionaler Hegemon.“ Reuters

Wladimir Putin: „Wir beabsichtigen nicht, als Supermacht angesehen zu werden, also als globaler oder regionaler Hegemon.“

MoskauKremlchef Wladimir Putin hat dem Westen vorgeworfen, mit seiner Abkehr von traditionellen Werten Stabilität und Frieden in der Gesellschaft zu gefährden. In vielen Ländern werde von den Menschen heute praktisch verlangt, „Gut und Böse“ als gleichberechtigt anzuerkennen, kritisierte Putin bei seiner Rede an die Nation am Donnerstag. Die Zerstörung etwa von Familienwerten führe zu „negativen Folgen“ in der Gesellschaft, sagte er. Putin hatte in diesem Jahr unter anderem per Gesetz verbieten lassen, in Gegenwart von Minderjährigen positiv über Homosexualität zu sprechen.

„Wir wissen, dass es in der Welt immer mehr Menschen gibt, die unsere Position beim Schutz traditioneller Werte unterstützen“, sagte Putin. So stufte jetzt zum Beispiel Indien Homosexualität wieder als Verbrechen ein, das mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden kann.

Russland habe heute eine „historische Verantwortung“, die jahrtausendealten Grundlagen menschlichen Zusammenlebens in der Welt zu verteidigen. „Natürlich ist das eine konservative Position“, betonte Putin. Doch könne so Chaos verhindert werden. „In vielen Ländern werden heute die Normen von Moral und Sittlichkeit umgekrempelt, nationale Traditionen und die Unterschiede zwischen den Nationen und Kulturen verwaschen“, beklagte der russische Präsident.

Russland strebt nach den Worten seines Präsidenten Wladimir Putin nicht die Rolle einer weltweiten Supermacht an. „Wir beabsichtigen nicht, als Supermacht angesehen zu werden, also als globaler oder regionaler Hegemon“, sagte Putin am Donnerstag in seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation. Russland wolle „niemanden belehren, wie er zu leben hat“.

Wegen seines außenpolitischen Kurses steht Putin in westliche Staaten in der Kritik. So hatte er eine engere Anbindung der Ukraine an die EU durch massive Handels-Anreize und Drohungen verhindert. Außerdem ist das Verhältnis zwischen den USA und Russland gespannt, weil Russland dem ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden vorübergehend Asyl gewährt hat.

Putin sagte, erzähle darauf, dass die Regierung von Präsident Viktor Janukowitsch und die Opposition in Kiew eine politische Einigung erzielen könnten. „Ich hoffe, dass alle politischen Kräfte es schaffen, eine Lösung zu finden, die im Interesse des ukrainischen Volkes ist und alle Probleme beseitigt, die sich angehäuft haben“, sagte Putin. er lud die Ukraine ein, sich an der von Moskau vorangetriebenen Zollunion mit Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu beteiligen. Niemand werde aber zu irgend etwas gezwungen, sagte Putin am Donnerstag in seiner Rede an die Nation. Wenn die ukrainischen „Freunde“ jedoch eine gemeinsame Arbeit an der Ausweitung der Zollunion wünschten, sei Russland „bereit, diese auf Expertenebene fortzusetzen“.

Der Zollunion mit Russland gehören bereits Kasachstan und Weißrussland an. Auch Armenien und Kirgistan planen einen Beitritt. Das Projekt basiere auf „gleichen Rechten und realen Wirtschaftsinteressen", sagte Putin in seiner Ansprache weiter.

Kommentare (11)

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majordomo@bad-homburg.eu

12.12.2013, 11:52 Uhr

Und in Memmingen ist man lernfähig!

http://www.memmingen-online24.de/memminger-moschee-neue-hinweisschilder/

SenecAAA

12.12.2013, 11:56 Uhr

Putin ist wahrlich der überlegene Stratege. Während die EU und USA wie ein gekränkter Bräutigam mit nackter Sanktionsgewalt drohen, macht Putin das für was die EU einstmals stand. Werben, belobigen, Prämien zahlen dh Handelsvorteile in einem gemeinsamen Wirtschaftsraum anbieten, die so interessant sind, dass sie niemand ablehnen kann. Die heutige EU hat sich dagegen zu einer halbgaren interventionistischen Zentralmacht entwickelt, die immer mehr dem Sowjet- und SED-ZK der 80er-Jahre gleicht. Sie ist heute weder noch ein Experiment noch ein stetig nach vorne fahrendes Fahrrad. Der geschichtliche Entwicklungsausgang DIESER EU ist deshalb auch nicht mehr offen.

Account gelöscht!

12.12.2013, 12:06 Uhr

Dieser Artikel ist nur ärgerlich und absolut überflüssig. Wer hätte denn erwartet, dass Putin das Gegenteil sagt? So erfreulich es auch wäre, wenn Putin das, was er sagt, auch genau so meint, von einer renommierten Zeitung, wie das Handelsblatt sich des öfteren bemüht, eine sein zu wollen, darf man doch erwarten, dass nicht aus einer Rede ein Schlagwort herausgepickt und als der Weisheit letzter Schluss verkündet wird. Vielmehr gehören diese sanften Worte in den Gesamtzusammenhang der Rede gestellt und reflektiert an Russlands Taten, seinem Schalten und Walten in der Wirklichkeit.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: dies ist keine Aufforderung, in das Gegenteil zu verfallen und sich in gedankenlosen Schimpftiraden über Russland zu gefallen. Das wäre nur dumm. Aber dumm ist auch das Gegenteil, das hier vom Handelsblatt vorexerziert wird.

Strengen Sie sich mal ein bißchen an und stellen Sie unter Beweis, dass Sie Ihren interessierten Lesern betreffs Verstand und Sachverstand wenn nicht um Längen, so doch wenigstens einen Schritt voraus sind. Die Lektüre solcher Artikel jedenfalls ist geschenkt, wenn nicht gar verlorene Zeit.

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