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03.07.2013

13:50 Uhr

Putsch

Ägyptens Militär erobert die Macht zurück

Die ägyptische Armee hat Präsident Mursi gestürzt. Hochrangige Mitglieder der Muslimbrüderschaft wurden festgenommen. Nun hält der Ex-Chef des Militärgeheimdienst, Abdel Fattah al-Sisi, alle Fäden in der Hand.

Militär setzt ägyptischen Präsidenten Mursi ab

Video: Militär setzt ägyptischen Präsidenten Mursi ab

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Istanbul/KairoNach der Absetzung des bisherigen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi versucht die Armee, den Widerstand der islamistischen Muslimbrüder gegen ihre Entmachtung im Keim zu ersticken. Nach übereinstimmenden Angaben aus Sicherheitskreisen und der Partei der Muslimbruderschaft "Freiheit und Gerechtigkeit" wurden Parteichef Saad el-Katatni sowie einer der Vize-Chefs der Bruderschaft, Raschad al-Bajumi, in der Nacht zum Donnerstag verhaftet.

Der Zeitung al-Ahram zufolge wurden Haftbefehle gegen insgesamt 300 Mitglieder Bruderschaft ausgestellt. Auch die staatliche Nachrichtenagentur Mena meldete, die Sicherheitskräfte seien dabei, eine Reihe von Funktionären der islamistischen Partei zu verhaften, die zu Gewalt aufgerufen hätten und die "öffentliche Sicherheit und Frieden" gefährdeten.

Auch der entmachtete Staatsschef selbst befindet sich in Gewahrsam der Armee. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wird er in einem Gebäude des Militärgeheimdienstes festgehalten. Ein Sprecher der Mursi nahestehenden Muslimbruderschaft erklärte, mit dem gestürzten Präsidenten sei auch einer seiner wichtigsten Berater, Essam al-Haddad, festgesetzt worden.

Soldaten drangen auch in das Kairoer Studio des Senders al-Dschasira ein und nahmen nach Angaben von Journalisten des Senders fünf Mitarbeiter fest. Die Berichterstattung des von Kritikern als islamisten-nah beschriebenen Senders über eine Pro-Mursi-Demonstration sei unterbunden und die Berichterstatter vor Ort ebenfalls verhaftet worden.
Die Armee hob auch die von den Islamisten ausgearbeitete Verfassung auf. Der neue starke Mann in Ägypten ist Militärchef Abdel Fattah al-Sisi. Er kündigte die Bildung eines Gremiums an, das Verfassung überarbeiten soll. Auch ein Gesetz über die Abhaltung von Parlamentswahlen werde erarbeitet. Mit seiner Entscheidung setzte das Militär nach nur einem Jahr die gewählte Regierung Ägyptens ab. „Die Armee will nicht an der Macht bleiben“, versicherte indes Al-Sisi.

Oppositionsführer und Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei erklärte, die Ankündigung des Armeechefs entspreche den Forderungen des Volkes nach Neuwahlen. ElBaradei sowie der koptische Patriarch Tawadros II. und der Imam der Kairoer Al-Azhar-Universität saßen neben al-Sissi, als dieser im Fernsehen die Entmachtung Mursis verkündete. Dies sollte eine breite Unterstützung für die Entscheidungen der Armee signalisieren.

Kommentare (5)

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vandale

03.07.2013, 14:24 Uhr

Die 3 Machtblöcke Aegyptens sind das Militär, die Polizei und die Muslim Brüder. Die linken und modernen Studenten die die Journalisten Deutscher Medien vielfach hochgejubelt haben spielen machttechnisch keine Rolle.

Die Aegypter sind gläubiger als die Saudis, oder gar die Iraner. Das ist die Machtbasis der Muslimbrüder. Gerade in den armen Vierteln ist man geschlossen für eine islamische Regierung.

Das Militär bildet einen geschlossenen Block mit angeschlossenen Wirtschaftsbetrieben. Den Militärs ist es eigentlich egal wer unter Ihnen Präsident wird, solange er sich nicht in das Militär einmischt. Ein Militär als Präsident ist für das Militär eher eine Notlösung.

Die Polizei bildet gleichfalls einen geschlossenen Block. Die Polizei hat sich jahrzehntelang weniger um den Verkehr, oder andere Gesetzesverstösse gekümmert, sondern sich mit den Gegnern des Systems beschäftigt.

Falls Militär und Polizei sich einigen und einen gemeinsamen Kandidaten finden wäre das für das Land nicht schlecht.

Vandale

kalabriosaltomortale

04.07.2013, 09:16 Uhr

Du suchst sie wohl verzweifelt?

Account gelöscht!

04.07.2013, 09:53 Uhr

@ Vandale

haben Sie nicht den 4. Machtblock, der eigentlich der erste ist, nämlich die USA, vergessen?

Was wäre denn das Militär ohne die ständige Blutzufuhr aus den Vereinigten Staaten?

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