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17.07.2016

09:06 Uhr

Putschversuch

Erdogan reizt Washington

Der türkische Präsident Erdogan macht Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich und fordert von den USA dessen Auslieferung. Damit sorgt er für Irritationen in Washington.

Der türkische Präsident fodert die Auslieferung von Fethullah Gülen. AP

Recep Tayyip Erdogan

Der türkische Präsident fodert die Auslieferung von Fethullah Gülen.

WashingtonNach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei wachsen die Spannungen in den Beziehungen zu den USA. Der amerikanische Präsident Barack Obama rief den Nato-Partner zur Zurückhaltung und Befolgung der Gesetze auf im Kampf gegen die Umstürzler. Außenminister John Kerry warnte seinen türkischen Amtskollegen Mevlut Cavosoglu vor einem Schaden für das Verhältnis zwischen beiden Ländern.

Kerry wandte sich am Samstag gegen angebliche Unterstellungen in der Türkei, die USA seien in den fehlgeschlagenen Staatsstreich involviert. "Er machte deutlich, dass die Vereinigten Staaten bereit seien, die türkischen Behörden bei der Untersuchung zu unterstützen, aber dass öffentliche Andeutungen oder Behauptungen über jedwede Beteiligung der Vereinigten Staaten an dem gescheiterten Putschversuch völlig falsch und schädlich für unsere bilateralen Beziehungen sind", erklärte das US-Außenministerium. Zur Belastungsprobe wird insbesondere der in Amerika lebende Geistliche Fethullah Gülen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wirft seinem Erzfeind vor, dieser stehe hinter dem Umsturzversuch von Teilen des Militärs, bei dem nach offiziellen Angaben 265 Menschen ums Leben kamen, darunter 161 Zivilisten und Polizisten. Gülen hat dies zurückgewiesen und das Putschvorhaben verurteilt.

Zur Person von Recep Tayyip Erdoğan

Student der Wirtschaftswissenschaften

Recep Tayyip Erdogan wird am 26. Februar 1954 in Istanbul geboren. An der Istanbuler Marmara-Universität studiert er Wirtschaftswissenschaften.

Bürgermeister von Istanbul

Von 1994 bis 1998 war Erdogan Oberbürgermeister von Istanbul.

Gefängnisstrafe

1999 sitzt Erdogan wegen Schüren religiösem Hasses für vier Monate im Gefängnis. Anlass war eine Rede, in der er aus einem religiösen Gedicht, das Ziya Gökalp zugeschrieben wird, zitiert hatte.

Gründung der AKP

2001 gründet Erdogan zusammen mit anderen Politikern die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP).

Wahlsieg 2002

Bei der Parlamentswahl am 3. November 2002 wird die AKP deutlicher Wahlsieger. Wegen seiner Vorstrafe darf Erdogan nicht für einen Parlamentssitz kandidieren. Da nur ein Parlamentsabgeordneter in der Türkei Ministerpräsident werden darf, wird der AKP-Politiker Abdullah Gül neuer Regierungschef.

Nach einer Verfassungsänderung darf Erdogan trotz seiner Vorstrafe bei den Nachwahlen am 9. März 2003 antreten und zieht in das Parlament ein. Nur wenige Tage danach reicht Ministerpräsident Gül seinen Rücktritt ein und Erdogan wird neuer Regierungschef.

Parlamentswahl 2007 und 2011

Im Jahr 2007 gewinnt die AKP erneut die Parlamentswahlen. Erdogan wird zum zweiten Mal Ministerpräsident. Auch 2011 gewinnt die AKP. Erdogan holt rund 50 Prozent der Stimmen. 

Bürgerproteste 2013

Die Regierung Erdogan ging im Mai 2013 mit Gewalt gegen Proteste gegen ihn vor, die, ausgehend vom Istanbuler Taksim-Platz, auch auf andere Städte übergriffen. Dieses Vorgehen löste heftige Kritik in der Türkei aus.

Präsidentschaft 2014

Im Jahr 2014 wird Erdogan in der ersten Direktwahl zum Staatspräsident der Türkei gewählt. Er erreicht bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit. Erdogan wird am 28. August 2014 als neuer Präsident vereidigt.

Familie

Seit Juli 1978 ist Erdogan mit Emine Erdogan, geborene Gülbaran, verheiratet. Das Paar hat zwei Söhne und zwei Töchter: Ahmet Burak und Necmeddin Bilal sowie Esra und Sümeyye. Erdogan ist dreifacher Großvater.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim sagte, jedes Land, das Gülen unterstütze, werde als im Kriegszustand mit der Türkei betrachtet. Erdogan forderte die Regierung in Washington zur Auslieferung Gülens auf. Kerry erklärte, die USA seien bereit, der Türkei dabei zu helfen, die Verantwortlichen für den Putschversuch ausfindig zu machen. Die Vereinigten Staaten würden aber nur dann Maßnahmen ergreifen, wenn es Beweise gegen Gülen gebe.

Der gescheiterte Staatsstreich erschwert die von den USA angeführten Angriffe gegen die Extremistenmiliz IS in Syrien. Die Türkei schloss ihren Luftraum für Militärflugzeuge. Daher konnte die US-Luftwaffe von der türkischen Basis Incirlik aus keine Maschinen starten. In Incirlik sind auch rund 250 deutsche Soldaten stationiert. Die Bundeswehr startet von dort zu Aufklärungs- und Tankflügen im Kampf gegen den IS.

Die Beziehungen der Türkei zu den USA haben sich in letzter Zeit verschlechtert. Hintergrund sind unter anderem Erdogans zunehmend autoritärer Herrschaftsstil sowie die türkische Unterstützung für islamistische Oppositionsgruppen in Syrien.

Von

rtr

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