Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.06.2015

15:27 Uhr

Queen Elizabeth II auf Staatsbesuch

Für einen Tag hat Berlin eine Königin

VonMatthias Streit

Wenn die britische Königin nach Deutschland kommt, werden sogar eingefleischte Demokraten zu begeisterten Monarchisten. Wie die Queen während ihres Staatsbesuchs für einen Tag über Berlin herrscht – ein Stimmungsbild.

Königliche Bootstour

Queen begeistert Royal-Fans bei Spree-Rundfahrt

Königliche Bootstour: Queen begeistert Royal-Fans bei Spree-Rundfahrt

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BerlinBritischer kann eine Queen kaum zum Lunch einfahren. Vor dem Adlon tönt noch der Dudelsack eines Musikanten vom Brandenburger Tor herüber, Dutzende säumen die Straße mit kleinen und großen Großbritannien-Fahnen und das Wetter, nun ja, auch das zeigt sich britisch grau und kühl. 

Es war das Ende eines äußerst diplomatischen Vormittags ihres Staatsbesuches: Nach militärischer Ehrung am Schloss Bellevue folgte ein Vier-Augen-Gespräch mit Bundespräsident Joachim Gauck. Wenig später traf sie, noch in Begleitung des Bundespräsidenten, bei Kanzlerin Merkel ein. Nur eine knappe halbe Stunde später verabschiedete sie sich erneut, stieg in ihren rotbraunen Bentley und düste davon. Der Zeitplan der Queen ist eng getaktet.

Doch was sie sagt, hat Gewicht. Offiziell darf sich die britische Königin zwar nicht in die Tagespolitik einmischen. Dass die Themen Brexit und eine EU-Reform aber eine gewichtige Rolle spielen dürften, scheint bei der aktuellen Debatte in Großbritannien offenkundig. Ihr Premierminister David Cameron hat den Briten noch vor 2017 eine Abstimmung über den Verbleib in der Europäischen Union versprochen.

Die Queen-Visite zum Mitreden: Fünf Fakten

Das huldvolle Winken beginnt

Am Dienstagabend kommt die Queen mit ihrem Tross in Berlin an. Mit Hut und Handschuhen wird sie viele Titelseiten zieren. Fünf Fakten zum Mitreden:

Quelle: dpa

Salutschüsse

21 Mal schießen Soldaten am Flughafen Tegel in die Luft. Die Zahl ist kein Zufall: Früher schossen Schiffe ihre 20 Kanonen leer, bevor sie in einen Hafen einfuhren. Aus dem Hafen gab es einen Schuss als Antwort - zusammen also 21. Salutschüsse werden heute der Bundeswehr zufolge nur beim Empfang von Monarchen und beim ersten Empfang eines ausländischen Staatsgastes in Deutschland abgegeben.

Diplomatie

Die Queen kommt nicht, weil ihr gerade danach ist. Staatsbesuche macht sie „auf Empfehlung der britischen Regierung“. Premierminister David Cameron, der gerade EU-Reformen aushandeln will, passt ein wenig Briten-Begeisterung gut ins Konzept.

Reiselustig

Es ist der 97. Staatsbesuch der Queen insgesamt und der fünfte in Deutschland. Kein britischer Monarch ist bisher mehr gereist. Auch in den USA und in Frankreich war die Königin zu fünf Staatsbesuchen.

Sicherheit

So aufwendig wie US-Präsident Barack Obama oder der Papst wird die Queen nicht beschützt. Berichten zufolge sollen aber etwa 1000 Polizisten allein in Berlin im Einsatz sein - aus Sicherheitsgründen hält sich die Polizei bei solchen Fragen bedeckt.

Gedenken

Der Besuch in Bergen-Belsen am Freitag ist für die Queen besonders wichtig. In der KZ-Gedenkstätte will sie keinen Medienrummel, es dürfen nur wenige, ausgewählte Journalisten dabei sein. Als die Briten das Konzentrationslager 1945 befreiten, war Elizabeth II. selbst in der Frauenabteilung der britischen Armee.

Genau der wird seiner Königin noch am Nachmittag ins Kanzleramt folgen. Dann wird er mit Frau Merkel sprechen. Gut möglich, dass es auch um die Inhalte des Gesprächs mit der Queen geht.

Für die Hunderte von Schaulustigen mit dem Union Jack – der britischen Flagge –, Regenschirmen oder Taschen spielen die politischen Inhalte ohnehin eine untergeordnete Rolle. Sie wollen nur eines: Einmal im Leben die Queen persönlich sehen. Dafür nehmen sie widrigste Bedingungen in Kauf: Bei 14 Grad, schneidend kaltem Wind und immer wieder Nieselschauern stehen sie teils Stunden am Spree-Ufer, genau da, wo das Boot der Queen vorbeischippern sollte.

Mit Staatskarosse auf Deutschlandbesuch: Warum die Queen keinen Rolls-Royce fährt

Mit Staatskarosse auf Deutschlandbesuch

Warum die Queen keinen Rolls-Royce fährt

Monarchen gelten als loyale und patriotische Kunden. Wie Autohersteller sich das wünschen. Dass Queen Elizabeth II. dennoch Bentley fährt anstatt Rolls-Royce, verantworten Ferdinand Piëch und Bernd Pischetsrieder.

Der Rentner Herbert Lutz etwa kam dafür extra noch am Morgen aus Hannover angereist: „1965 habe ich sie bei ihrem ersten Staatsbesuch leider nicht ganz gesehen – nur ihr Auto. Heute möchte ich sie endlich richtig sehen.“

Und das war ihm vergönnt. Als ihr Boot, das sie von Schloss Bellevue ins Regierungsviertel brachte, endlich um die Kurve biegt, kreischen dutzende britische Schüler, die eigens auf einer Brücke aufgestellt wurden. Queen-Fans wedeln mit ihren Fahnen, zücken die Kameras, schieben sich gegenseitig aus dem Blickwinkel und schießen ein Foto nach dem anderen. Erstaunt zeigten sich viele ob der guten körperlichen Verfassung der 89-Jährigen und ihres 94 Jahre alten Gatten.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Vitto Queri

24.06.2015, 20:42 Uhr

>> Für einen Tag hat Berlin eine Königin >>

und sehr viel weiteres Steuergeld unnütz versenkt.

Dieser Besuch erscheint im Schatten der Griechenland- und EU-Kriese wie eine Feier zur Pest-Zeit !

Wäre doch der Greis auf seiner Insel geblieben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×