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26.07.2017

19:59 Uhr

Radikale Palästinenser bleiben auf EU-Terrorliste

Wer ist die Hamas?

VonMartin Gehlen

Die EU bleibt bei den Sanktionen: Brüssel bewertet die Hamas weiterhin als Terrorgruppe. Doch es gibt immer wieder Diskussionen über die Absichten der Hamas. Eine Beschreibung der Organisation aus dem Gaza-Streifen.

Die Hamas-Anhänger präsentieren im Gaza-Streifen oft martialisch. AFP; Files; Francois Guillot

Kämpfer der al-Qassam-Brigaden, des bewaffneten Arms der Hamas

Die Hamas-Anhänger präsentieren im Gaza-Streifen oft martialisch.

KairoDie radikale palästinensische Hamas-Bewegung bleibt vorerst auf der Terrorliste der Europäischen Gemeinschaft. Das entschied am Mittwoch in Luxemburg der Europäische Gerichtshof (EuGH). Das Verfahren war ins Rollen gekommen, als vor drei Jahren das Gericht der Europäischen Union (EuG) die seit 2001 geltende Bewertung als Terrororganisation „aus Verfahrensgründen“ annullierte. Die EU-Einstufung basiere nicht auf „Tatsachen, die in Entscheidungen zuständiger nationaler Behörden geprüft und bestätigt wurden, sondern auf der Zurechnung von Fakten, die der Presse und dem Internet entnommen sind“, hieß es damals in dem Urteil, gegen das Brüssel Revision einlegte.

Diese Streichung hätte nicht erfolgen dürfen“, schloss sich jetzt am Mittwoch der EuGH der Brüsseler Sicht an, hob das Urteil wegen Rechtsfehler auf und ordnete eine neue Verhandlung vor dem EuG an. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung bleiben alle seit 2001 geltenden EU-Sanktionen gegen die Hamas und ihre Funktionäre in Kraft.

Die militante Organisation mit ihrer strikten religiös-politischen Agenda ist nach der Fatah von Präsident Mahmud Abbas die zweitgrößte Palästinensergruppierung. 1987 während der Erste Intifada gegründet besteht sie aus einem politischen und militärischen Zweig sowie einem caritativen Hilfswerk. In ihrer Charta bestreitet Hamas das Existenzrecht Israels, hält Gewaltakte gegen den jüdischen Staat für legitim und fordert ein islamistisches Palästina vom Mittelmeer bis zum Jordan.

Ihre Machtbasis ist vor allem der Gazastreifen, wo sie seit zehn Jahren mit harter Hand regiert. Politisch geführt wird der Apparat seit Mai vom einstigen Regierungschef der Enklave, Ismail Haniyya, der als Pragmatiker gilt. Er löste Khaled Meschal ab, der die palästinensischen Islamisten seit 2006 repräsentierte und momentan in Katar lebt. Der militärische Arm der Hamas verübte zahlreiche Terroranschläge und Selbstmordattentate auf Israelis.

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Seit 2007 führten seine Qassam-Brigaden drei Kriege gegen Israel. Der letzte im Jahr 2014 forderte über 2000 Tote und hinterließ massive Zerstörungen, von denen sich der eingezäunte und mit fast zwei Millionen Menschen völlig übervölkerte Gazastreifen bis heute nicht erholt hat.

Die konkurrierende Fatah wurde 2007 mit Gewalt aus Gaza vertrieben und dominiert das politische Leben im Westjordanland. Das dadurch ausgelöste Zerwürfnis zwischen den beiden ideologischen Lagern ist bis heute ungelöst, so dass die Palästinenser gegenüber der israelischen Führung nicht mit einer Stimme auftreten. Im Mai 2017 allerdings deutete die Hamas in einem fünfseitigen Positionspapier erstmals die Bereitschaft an, zumindest zeitweise einen Palästinenserstaat in den Grenzen von 1967 zu akzeptieren. Den langfristigen Anspruch auf ganz Palästina und den bewaffneten Kampf gegen Israel jedoch gibt auch dieses neue Dokument nicht auf.

Ideologisch entstammt die Hamas der Bewegung der sunnitischen Muslimbruderschaft, die eine strikte islamische Gesellschaftsordnung anstrebt. Lediglich in Tunesien und Marokko sind Muslimbrüder noch an der Macht beteiligt, in der übrigen arabischen Welt dagegen sind ihre Aktivisten weitgehend unterdrückt und isoliert. Ägypten verbot nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi die Muslimbruderschaft als Terrororganisation.

Zudem verdächtigt Kairo die Hamas, mit Jihadisten des „Islamischen Staates“ auf dem Sinai zu kollaborieren. Die Regierung in Katar, die der Exil-Führung der Hamas Unterschlupf gewährte, steht bei seinen Golfnachbarn auch wegen dieser Politik unter massivem Druck. Auch der langjährige Verbündete Syrien ist nach über sechs Jahren Bürgerkrieg nicht mehr in der Lage, die Palästinenser-Organisation politisch oder finanziell zu unterstützen.

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