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07.04.2017

06:55 Uhr

Raketen auf Assads Luftwaffe

USA greifen in Syrien-Krieg ein

Die Trump-Regierung reagiert auf den mutmaßlichen Giftgasangriff der Assad-Truppen und attackiert einen Stützpunkt der syrischen Luftwaffe. Mehr als 50 Tomahawk-Raketen wurden abgeschossen, Trump äußert sich.

Militärschlag gegen Syrien

So rechtfertigt Trump den Raketenangriff

Militärschlag gegen Syrien: So rechtfertigt Trump den Raketenangriff

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WashingtonDie USA haben einen Flughafen der syrischen Armee angegriffen. Mehrere Dutzend Raketen des Typs Tomahawk seien abgeschossen worden, sagte eine Pentagon-Mitarbeiterin am Donnerstagabend (Ortszeit) der Deutschen Presse-Agentur in Washington. Sie machte zunächst keine weitere Angaben, kündigte aber Einzelheiten zu einem späteren Zeitpunkt an.

Ein Regierungsvertreter sagte Reuters, mehr als 50 Geschosse seien von Kriegsschiffen im östliches Mittelmeer abgefeuert worden. Der Angriff sei wohl bereits abgeschlossen. Im Visier seien Flugzeuge, Start- und Landebahnen sowie Treibstofflager gewesen. Bei dem Angriffsziel handele es sich um jenen Militärflugplatz, von dem aus am vergangenen Dienstag nach US-Lesart ein Giftgasanschlag der Assad-Regierung verübt worden sei.

Auf Twitter zeigt das US-Verteidigungsministerium ein Video des Angriffs

US-Präsident Donald Trump sagte, das Eingreifen in Syrien sei unerlässlich für die nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten. Er habe den Angriff selbst angeordnet, sagte Trump in der Nacht zum Freitag in Mar-a-Lago (Florida). Von dem ins Visier genommenen Flugplatz sei vor wenigen Tagen ein Angriff mit Giftgas ausgegangen, sagte Trump. „Ich rufe heute alle zivilisierten Nationen auf, sich uns anzuschließen“, sagte Trump. Das Blutvergießen müsse beendet werden. Mit dem Giftgasangriff habe Syrien seine internationalen Verpflichtungen und Uno-Resolutionen verletzt.

Die USA haben nach Darstellung des Verteidigungsministeriums in Washington russische Militärs von dem bevorstehenden Militärschlag informiert. Damit habe ausgeschlossen werden sollen, dass russische Soldaten Opfer des Raketenangriffes werden, hieß es von Seiten des Pentagons. Außenminister Rex Tillerson verwies jedoch unabhängig davon darauf hin, dass es vor der Operation keine Absprache oder Koordinierung mit Moskau gegeben habe. Tillerson warf Russland vor, Angriffe mit Chemiewaffen in Syrien nicht verhindert zu haben. Russland sei an dieser Aufgabe gescheitert und trage damit eine Mitschuld oder sei „einfach inkompetent“.

Marschflugkörper: Flexibel und gefährlich

Unbemannte Flugkörper

Marschflugkörper verfügen anders als ballistische Raketen über einen permanenten eigenen Antrieb. Sie werden in vorher definierte Ziele gelenkt und tragen häufig Tragflächen zur Stabilisierung der Flugbahn. Die unbemannten Flugkörper mit einem Sprengkopf können nach dem Abfeuern ein programmiertes Ziel automatisch treffen. Sie können von Rampen und Radfahrzeugen ebenso gestartet werden wie von Schiffen, U-Booten oder Flugzeugen.

Erste „fliegende Bombe“ aus Deutschland

Bereits im Zweiten Weltkrieg wurden vollwertige Marschflugkörper eingesetzt. Der Urtyp ist die als „V1“ oder „fliegende Bombe“ bekannte deutsche Fieseler Fi 103 mit Strahltriebwerk. Sie hatte noch nicht die Treffgenauigkeit heutiger Marschflugkörper.

Schwer zu orten

Bei einer niedrigen Flughöhe von unter 200 Metern sind Marschflugkörper von gegnerischem Radar nur schwer zu orten. Die Reichweiten der von verschiedenen Staaten entwickelten Modelle liegen zwischen rund 30 und 3000 Kilometern. Damit überschneidet sich der Aktionsradius einiger Modelle mit dem ballistischer Mittelstreckenraketen (800 bis 5500 Kilometer).

Tomahawks mit großer Reichweite

Der bekannteste Marschflugkörper der USA ist die BGM-109 „Tomahawk“. Die Waffe gibt es in verschiedenen Versionen mit Reichweiten bis zu 2500 Kilometern. „Tomahawks“ wurden unter anderem im Golfkrieg 1991 und im Irakkrieg 2003 massiv eingesetzt.

Quelle: dpa

Der Schlag wurde während eines Treffens von Trump mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping ausgeführt. Das Pentagon veröffentlichte in der Nacht zum Freitag Videomaterial, das den Abschuss der Tomahawk-Raketen von US-Zerstörern zeigt. Die Vorgängerregierung von Barack Obama hatte mit militärischen Schritten gegen die syrische Regierung lediglich gedroht – sie aber nicht ausgeführt. Im syrischen Staatsfernsehen war von einer US-Aggression die Rede, die sich gegen eine Militärbasis gerichtet habe. Es habe dabei Verluste gegeben.

Trump und Außenminister Tillerson hatten nur Stunden zuvor den Druck auf die Regierung des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad erhöht. Die USA wollten eine internationale Koalition schmieden, um Assad abzulösen, sagte Tillerson. Trump hatte sich von seinem Verteidigungsminister James Mattis über militärische Optionen im Syrien-Konflikt unterrichten lassen.

Fotos des Tomahawk-Raketenabschusses, veröffentlicht vom US-Verteidigungsministerium

Kurz vor dem Raketenangriff der USA hatte der Uno-Sicherheitsrat zum zweiten Mal in Folge eine Sondersitzung zum Konflikt in Syrien ergebnislos beendet. Bei einem kurzfristig angesetzten Treffen hinter verschlossenen Türen in New York, das sich bis in den späten Abend zog, kam es erneut zu keiner Abstimmung über einen von den USA, Frankreich und Großbritannien eingebrachten Resolutionsentwurf.

Stattdessen kursierten auf einmal zwei Gegenentwürfe von Russland einerseits, sowie den zehn nicht-ständigen Ratsmitgliedern andererseits. Russland warnte die USA vor „negativen Konsequenzen“ bei einem militärischen Eingreifen. „Alle Verantwortung bei einer militärischen Aktion liegt auf den Schultern von denen, die diese fragwürdige und tragische Unternehmung beginnen“, sagte der stellvertretende russische Uno-Botschafter Wladimir Safronkow vor Journalisten im Uno-Hauptquartier in New York.

Das Blutvergießen in Syrien müsse beendet werden, sagte der US-Präsident. AP

Donald Trump beim Statement in Mar-a-Lago

Das Blutvergießen in Syrien müsse beendet werden, sagte der US-Präsident.

Bereits am Mittwoch waren die 15 Mitglieder ohne Abstimmung über das von den USA, Frankreich und Großbritannien eingebrachte Papier auseinander gegangen. Der zweiseitige Entwurf verurteilt den mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien vom Dienstag scharf und fordert rasche Aufklärung. Sanktionen sieht er nicht vor. Das Thema stehe weiter auf der Tagesordnung, hieß es aus westlichen Diplomatenkreisen. Ein Termin für eine nächste Sitzung stand zunächst aber nicht fest.

Einsatz von Giftgasen

Syrienkrieg

Im Syrienkrieg gibt es immer wieder Berichte über den Einsatz von Chemiewaffen. Die Rede ist vor allem von Chlorgas, aber auch von Senfgas und Sarin – aus dem Ersten Weltkrieg bekannte Giftgase.

Chlorgas

Wird das stechend riechende Gift eingeatmet, greift es Atemwege und Lunge an. In hohen Konzentrationen führt es zu Atemnot und schließlich zum qualvollen Tod.

Senfgas

Das Zellgift verätzt Schleimhäute, Augen und Atemwege. Auch neurologische Störungen sind möglich. Senfgas wurde auch unter den Namen Lost, Yperit und Gelbkreuz bekannt.

Sarin

Das Nervengas gehört neben Tabun, Soman und VX zu den giftigsten Kampfstoffen. Es wird durch Einatmen und über die Haut aufgenommen und kann in Minuten zu Atemlähmung und Herzstillstand führen.

Kommentare (1)

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Herr Hofmann Marc

07.04.2017, 08:13 Uhr

Endlich ist freigeschaltet, ich warte schon seit 7:50 Uhr darauf.
Denn mit diesem Thema bin ich hin und her gerissen.
Natürlich finde ich es gut das Trump zeigt wo der Hammer hängt......er zaudert eben nicht wie unser Hosenanzug, ist eben ein Macher der handelt.
Aber jetzt legt er sich ausgerechnet mit Assad an, dem best buddy von Putin.
Jeder hier weiss wie ich Putin verehre......blöde Situation, ausgerechnet meine beiden demokratischen Idole verärgern sich jetzt gegenseitig.
Unsere Grünsozialistische Merkelregierung schaut natürlich nur zu und macht sich nicht solche Gedanken wie ich.Danke

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