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11.07.2014

15:44 Uhr

Raketenabwehr

Die „Eisenkuppel“ über Israel

Nicht alle Israelis lassen sich durch die Raketen verunsichern: Das Abwehrsystem „Eisenkuppel“ schützt sie. Lange hatten Kritiker an seinem Nutzen gezweifelt, doch im Raketenhagel der Hamas ist es jeden Cent wert.

Der „Iron Dome“ in Aktion, drei palästinensische Raketen lösen sich am Himmel über Israel in Rauch und Trümmerteile auf. Von den über 550 Raketen, die die Hamas im aktuellen Konflikt auf Israel abfeuerte, hat nicht eine Todesopfer oder Verletzte gefordert. ap

Der „Iron Dome“ in Aktion, drei palästinensische Raketen lösen sich am Himmel über Israel in Rauch und Trümmerteile auf. Von den über 550 Raketen, die die Hamas im aktuellen Konflikt auf Israel abfeuerte, hat nicht eine Todesopfer oder Verletzte gefordert.

Tel AvivRaketenalarm in Tel Aviv - Menschen flüchten ins Treppenhaus, ducken sich neben ihren Autos oder folgen dem Strom der Menge, um zum nächsten Schutzraum zu gelangen. 90 Sekunden lang heulen die Sirenen. Dann: dumpfe Schläge. Das Abwehrsystem „Iron Dome“ - zu Deutsch „Eisenkuppel“ - hat die Rakete abgefangen. Das Signal zur Entwarnung.

Wenn eine Rakete aus dem Gazastreifen auf bewohntem Gebiet zu landen droht, schaltet sich das Abwehrsystem ein. Kurze Zeit später knallt es am Himmel. Die „Eisenkuppel“ hat die Rakete abgeschossen. Zurück bleiben weit ungefährlichere Trümmerteile. Sie können zwar Menschen verletzen, explodieren aber nicht mehr.

Mehr als 550 Raketen wurden seit der Nacht zum Dienstag auf Israel abgefeuert. Die meisten davon landeten auf freiem Feld. Doch rund 120 Geschosse fing die Eisenkuppel in der Nähe von größeren Städten ab. Die Technik ist nicht perfekt: Es kommt vor, dass sie eine Rakete verpasst. Doch nach Angaben der Armee hat das System im aktuellen Konflikt eine Trefferquote von nahezu 90 Prozent. Es stoppte Raketen, die auf den Flughafen Ben Gurion, das Zentrum von Tel Aviv und sogar das Atomkraftwerk nahe Dimona zielten.

Das Abwehrsystem verändert auch die Psychologie des Konflikts. Denn während die Menschen im Gazastreifen nach jedem israelischen Angriff die Toten zählen, hat Israel bisher keine direkten Opfer zu beklagen. „Durch die Eisenkuppel fühlt sich die Bevölkerung sicher“, sagt Jossi Kuperwasser, Generaldirektor des israelischen Ministeriums für strategische Angelegenheiten. „Und der Regierung verschafft sie Zeit.“

Mit den ersten Opfern würde auch der Druck auf die Regierung steigen. „Wäre nicht die Eisenkuppel, hätten wir schon vor Tagen in Gaza einmarschieren müssen“, sagt Kuperwasser.

Vergessen sind die Diskussionen über Sinn und Unsinn der Abwehr. Sie sei zu teuer, hieß es noch vor einigen Jahren. Medienberichten zufolge kostet ein einzelner Abschuss rund 15 000 Euro. Und bestimmt würde die Hamas bald lernen, das System auszutricksen, sagten Kritiker. Doch im vierten Jahr der Technologie fühlen sich viele Israelis dank des „Iron Dome“ wie unter einem sicheren Schutzschirm.

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Die auflagenstärkste israelische Zeitung „Jediot Achronot“ kürte das Abwehrsystem schon zur „goldenen Kuppel“. Auch in sozialen Netzwerken überbieten sich Nutzer mit Lob für die Technologie. „Ich werde mich nie wieder über hohe Steuern beschweren“, schreibt ein Nutzer auf Twitter. „Für dieses Baby würde ich mein letztes Hemd geben.“ Andere sehen die „Eisenkuppel“ gar als Waffe des Allmächtigen: „Wir danken Gott für den Iron Dome!“, schreibt ein Twitter-User.

Von

dpa

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