Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.01.2011

11:29 Uhr

Raketenabwehrsystem Meads

Milliardenschweres Rüstungsprojekt steht vor dem Aus

VonRüdiger Scheidges

ExklusivNicht nur Europa, auch die USA sind nach der Krise zum Sparkurs gezwungen. Nun fehlen mehrere Milliarden für das geplante gemeinsame Raketenabwehrsystem Meads. Das ambitionierte Rüstungsprojekt liegt vorerst auf Eis – eine Realisierung wird immer unwahrscheinlicher.

Computersimulation des Raketensystems Meads: Das ganze Projekt steht vor dem Aus. Pressebild

Computersimulation des Raketensystems Meads: Das ganze Projekt steht vor dem Aus.

BERLIN. Im Zuge von Einsparungen im Rüstungsetat erwägt US-Verteidigungsminister Robert Gates nun das Ende des letzten großen transatlantischen Rüstungsprojekts. Nachdem das US-Verteidigungsministerium am vergangenen Freitag 75 Prozent des Entwicklungsbudgets für das Meads-Raketenabwehrsystems auf Eis gelegt hat und das gesamte Projekt überprüft, wird das amerikanisch-deutsch-italienische Gemeinschaftsprojekt nun immer unwahrscheinlicher. Mit dem Pentagon droht der letzte US-Befürworter wegzubrechen.

In Deutschland steht das Raketenabwehrsystem Meads, das bereits 2005 beschlossen wurde, seit geraumer Zeit wegen exorbitanter Kostensteigerungen und Verspätungen in der Kritik. Militär-Experten und viele Abgeordnete halten das Projekt, das noch aus den Zeiten des Kalten Krieges stammt, für zu teuer und überflüssig. „Der einschneidende Schritt der Amerikaner, jetzt die Mittel für Meads auf Eis zu legen, zeigt, dass das System in den USA nicht nur keine Priorität besitzt, sondern als nicht notwendig erachtet wird. Für Deutschland und Italien ist das ein Signal, endgültig den Verzicht auf das Milliarden-Projekt zu erklären. In Zeiten knapper Kassen darf es keine Ausgaben für überflüssige Projekte geben“, sagte der FDP-Haushälter Jürgen Koppelin dem Handelsblatt.

Die Kosten des von Lockheed Martin und MBDA, einem Konsortium aus EADS, BAE und Finmeccanica, gemeinsam entwickelten Raketenabwehrsystems, werden vom US-Verteidigungsministerium bisher mit 16,5 Milliarden Dollar beziffert. Die USA sind daran mit 58 Prozent, Deutschland mit 25 Prozent und Italien mit 17 Prozent beteiligt.

In Deutschland läuft derzeit noch eine strategische Überprüfungsphase, die entscheidet, ob das Meads-Projekt über die Entwicklungsphase hinaus (1,5 Milliarden Euro) verfolgt werden soll. Durch das US-Sparbudget kommt dieser Stufe nun besondere Bedeutung zu. Die jüngst bekannt gewordenen Mehrkosten für das Projekt von 250 Millionen Euro allein für die Planung hat das Parlament bisher nicht abgenickt. Der Bundesrechnungshof prüft.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Gabriele Czekalla

10.01.2011, 14:27 Uhr

"Auch SPD und Grüne bezweifeln den strategischen Sinn und die finanzielle Tragbarkeit des laufenden Projekts."
--------------------------------------------------------
im SPD-Positionpapier (Juli 2010) "Transformation - Garant für eine leistungsfähige Armee" heißt es: "Die Fertigentwicklung von MEADS wird von uns unterstützt. Einer beschaffung stehen wir aufgeschlossen gegenüber. innerhalb der NATO hat Deutschland eine Leadfunktion bei taktisch luftverlegbaren Raketenabwehrsystemen, die andere Nationen in NATO und EU nicht zur Verfügung stellen können."

Seriöser Journalismus sieht anders aus, Herr Scheidges.

flyingfridge

10.01.2011, 15:39 Uhr

"in Zeiten knapper Kassen darf es keine Ausgaben für überflüssige Projekte geben."
Ausgaben für überflüssige Projekte darf es eigentlich nie geben. Und dieser Typ ist FDP-Haushälter? Da kann man nur hoffen, dass die Kassen der FDP immer knapp sind. Andererseits - bei dieser Lobbyisten-Partei ist das eher unwahrscheinlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×