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10.02.2016

14:08 Uhr

Raketenabwehrsystem

USA und Südkorea wollen über Verlegung reden

Der Westen ist in Alarmbereitschaft. Nach Nordkoreas Raketenstart wollen die USA und ihr Verbündeter Südkorea den Druck auf Pjöngjang erhöhen. Beide Länder streben schärfere Sanktionen an.

Nordkoreas Machthaber spricht von einer Weltraum-Mission – doch die Regierungen in Südkorea verdächtigen das Regime, verbotenerweise Langstreckenraketen zu testen. dpa

Kim Jong Un

Nordkoreas Machthaber spricht von einer Weltraum-Mission – doch die Regierungen in Südkorea verdächtigen das Regime, verbotenerweise Langstreckenraketen zu testen.

Seoul/WashingtonNach Nordkoreas umstrittenem neuen Raketenstart wollen die USA die Möglichkeit einer frühen Verlegung eines Raketenabwehrsystem nach Südkorea ausloten. Pentagon-Sprecher Peter Cook kündigte am Montag (Ortszeit) in Washington entsprechende Verhandlungen zwischen den beiden Bündnispartnern an. Es handelt sich um ein mobiles landgestütztes Abwehrsystem. Die Diskussionen dürften vor allem China und Russland beunruhigen, die solche US-Abfangraketen nicht in ihrer Nachbarschaft haben wollen.

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye und US-Präsident Barack Obama vereinbarten unterdessen am Dienstag in einem Telefonat, sich gemeinsam für härtere internationale Sanktionen gegen das kommunistische Regime in Pjöngjang einzusetzen.

Pjöngjangs Weg zur Wasserstoffbombe

2002

Oktober: Washington wirf Pjöngjang vor, insgeheim waffenfähiges Uran zu produzieren und damit gegen das atomare Abrüstungsabkommen von 1994 zu verstoßen.
Dezember: Nordkorea enthüllt seinen Reaktor Yongbyon, in dem Plutonium hergestellt wird, und wirft die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aus dem Land.

2003

Januar: Der kommunistische Staat kündigt den Atomwaffensperrvertrag auf.
August: Die sogenannte Sechsergruppe aus Nord- und Südkorea, den USA, China, Russland und Japan trifft sich zu ersten Verhandlungen über den Atomkonflikt.
Oktober: Die UNO verhängt Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Nordkorea.

2005

Februar: Pjöngjang verkündet, Atomwaffen zu Verteidigungszwecken gebaut zu haben.
September: Pjöngjang akzeptiert den Stopp seines Atomprogramms und die Rückkehr zum Atomwaffensperrvertrag, bekommt im Gegenzug Sicherheitsgarantien und die Zusage von Energielieferungen.
November: Eine weitere Verhandlungsrunde scheitert am Widerstand der USA, eingefrorene Konten Nordkoreas in Macau freizugeben.

2006

Oktober: Erster nordkoreanischer Atomwaffentest

2007

Februar: Pjöngjang verspricht ein Mal mehr die Aufgabe seines Atomwaffenprogramms und will wieder IAEA-Inspekteure ins Land lassen - im Gegenzug für eine Million Tonnen Treibstoff und die Streichung von der US-Liste der Terror-Staaten.
Juni und Juli: Die Treibstofflieferungen werden aufgenommen, die IAEA-Kontrolleure bescheinigen Pjöngjang, den Reaktorkomplex in Yongbyon dichtgemacht zu haben.
Oktober: Der kommunistische Staat verspricht, sein komplettes Atomprogramm bis Ende des Jahres zurückzufahren.

2009

April: Nordkorea testet eine Langstreckenrakete. Der UN-Sicherheitsrat verschärft daraufhin die Sanktionen. Pjöngjang verlässt die Sechsergruppe, verkündete die Wiederaufnahme seines Atomprogramms und beendet die Zusammenarbeit mit der IAEA.
Mai: Nordkorea verkündet einen zweiten „erfolgreichen“ unterirdischen Atomwaffentest.

2013

Januar: Nach einem weiteren Raketentest verschärft die UNO ein weiteres Mal die Sanktionen.

Februar: Dritter Atomwaffentest, diesmal mit einem Mini-Sprengsatz.

August: Einem Satellitenfoto zufolge hat Nordkorea nach sechs Jahren seine Atomanlage Yongbyon wieder hochgefahren, die wichtigste Quelle für waffenfähiges Plutonium.

2015

Mai: Pjöngjang verkündet die Fähigkeit, Mini-Atomwaffen zu produzieren, eine entscheidende Etappe auf dem Weg zu Atomsprengköpfen für Raketen.
Dezember: Machthaber Kim Jong Un lässt durchblicken, sein Land habe eine Wasserstoffbombe entwickelt.

2016

Januar: Pjöngjang verkündet einen ersten Test mit einer Wasserstoffbombe.

Südkoreas Verteidigungsministerium bestätigte, dass Nordkorea tatsächlich einen Satelliten auf eine Erdumlaufbahn geschossen habe – doch seien bisher keine Signale aufgefangen worden. Der US-Sender CBS berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, der Satellit befinde „auf einem Schlingerkurs im Orbit“. Das sei das zweite Mal, dass Nordkorea vergeblich versucht habe, einen Satelliten auf eine stabile Umlaufbahn zu bringen.

Nordkoreas Start der Weltraumrakete am Sonntag hatte weltweit Empörung ausgelöst. Während Pjöngjang von einem „legitimen Recht auf Weltraumforschung“ sprach, sieht die internationale Gemeinschaft darin den verdeckten Test einer Langstreckenrakete, die atomar bestückt werden kann. Der Start erfolgte nur einen Monat nach dem ebenfalls kritisierten vierten nordkoreanischen Atomtest.

Südkorea hatte bereits kurz nach dem Raketenstart des Nachbarlandes angekündigt, mit den USA offizielle Diskussionen über eine Stationierung von THAAD-Raketen (Terminal High Altitude Area Defense) zu starten. Ziel der „formalen Konsultationen ist es, gemeinsam zu überprüfen, ob sich THAAD so früh wie möglich auf die koreanische Halbinsel verlegen lässt und einsetzbar ist“, sagte Cook.

Von

dpa

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