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19.12.2011

14:20 Uhr

Raketentest

Machtprobe in Nordkorea erschreckt die Region

Es wirkt wie eine Machtdemonstration: Kurz nach dem Tod des nordkoreanischen Diktators testet das Land eine Mittelstreckenrakete. Zeigt sein Sohn Kim Jong Un bereits Stärke - oder entbrennt gar ein Kampf um die Macht?

Der Nachfolger: Kim Jong Un

Video: Der Nachfolger: Kim Jong Un

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SeoulWenn es wirklich die erste Amtshandlung des designierten neuen Machthabers Kim Jong Un ist, dann lässt sie nichts Gutes hoffen: Nur wenige Stunden nach dem Tod seines Vaters Kim Jong Il erschrecken Berichte über den Abschuss einer nordkoreanischen Kurzstreckenrakete die Region. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Regierungsvertreter in Seoul berichtete, erfolgte der Start an der Ostküste zu Testzwecken.

Das südkoreanische Verteidigungsministerium wollte den  Bericht nicht kommentieren. Der Raketentest sei von Südkoreas Militär genau beobachtet worden, sagte der Regierungsvertreter in Seoul weiter. Offenbar versuche der Norden, die Waffe mittels Tests zu verbessern. Demnach hatte die Rakete eine geschätzte Reichweite von 120  Kilometern.

Hungerland mit Atomwaffen

Einwohner und Fläche

Der abgeschottete Staat hat knapp 25 Millionen Einwohner und ist mit gut 120.000 Quadratkilometern etwa so groß wie die frühere DDR.

Militärmacht

Das mehrfach von Hungersnöten erschütterte Nordkorea unterhält mit mehr als 1,2 Millionen Soldaten eine der größten Streitkräfte Asiens.

Menschenrechte

Nordkorea zählt zu den Ländern mit den schwersten Menschenrechtsverletzungen. Die Zahl der politischen Gefangenen wird auf 200.000 geschätzt.

Diktatur seit 1948

An der Spitze der von einem Geflecht aus Arbeiterpartei und Militär beherrschten Diktatur stand bis zu seinem Tod der „Geliebte Führer“ Kim Jong Il. Unter der Führung seines Vaters Kim Il Sung war die „Demokratische Volksrepublik Korea“ 1948 gegründet worden. Seit einiger Zeit wurde Kim Jong Ils Sohn Kim Jong Un als Nummer drei der kommunistischen Dynastie aufgebaut.

Misswirtschaft und Hungerkatastrophe

Misswirtschaft ruinierte das an Bodenschätzen reiche Land. Die Industrieproduktion ging seit 1990 um mehr als zwei Drittel zurück. Die meisten Einwohner sind bitterarm. 1997 führte eine durch Unwetter, Missernten und Zwangswirtschaft ausgelöste Hungerkatastrophe zu einem Massensterben. Nach UN-Schätzung sind gegenwärtig sechs Millionen Nordkoreaner von Hunger bedroht.

Atomwaffen

Trotz der hungernden Bevölkerung haben Ausgaben für das Militär Vorrang. Internationale Besorgnis löste Nordkoreas Atomprogramm aus, das zusammen mit dem Raketenprogramm des Landes als Bedrohung in der Region gilt. Nordkoreas Propaganda berichtet von Fortschritten bei der Produktion von schwach angereichertem Uran. Die US-Regierung befürchtet, dass das Uran-Programm letztlich dem Bau von Atomwaffen dient. Für die Herstellung von Atomsprengköpfen muss hochangereichertes Uran vorliegen.

Beobachtern fällt es aber schwer zu glauben, dass das zeitliche Zusammentreffen des Raketentests mit dem Tod des langjährigen Diktators ein Zufall ist. An den asiatischen Aktienmärkten hatte die Sorge vor einem Machtvakuum oder einem Streit an der Staatsspitze bereits für Unsicherheit gesorgt. „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es in Nordkorea zu einem Machtkampf an der Spitze kommt“, sagte Nordkorea-Experte
Chung Young Tae vom südkoreanischen Institut für Nationale Wiedervereinigung. Damit könnte der Raketentest eine Demonstration des Stärke des designierten neuen Staatschefs Kim Jong Un sein.

Seine Altersgenossen in anderen Ländern verdienen sich ihre ersten beruflichen Sporen oder liegen in den letzten Zügen ihres Studiums. Bis ganz nach oben auf der Karriereleiter ist es noch ein langer, beschwerlicher Weg. Für Kim Jong Un gilt dies nicht: Der jüngste Sohn von Nordkoreas nun verstorbenem Staatschef Kim Jong Il ist Ende 20 und auf dem Sprung an die Spitze des kommunistisch geführten Staates. Nur wenige Stunden nach der Todesmeldung bezeichnete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA ihn als „großartigen Nachfolger“. Damit deutet alles daraufhin, dass die Geschicke Nordkoreas auch in dritter Generation vom Kim-Clan gelenkt werden.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

19.12.2011, 14:28 Uhr

Dem Sozialismus in seinem lauf , hält weder Ochs noch Esel auf .
Und die größten Ochsen leben in Nordkorea .
Nordkorea gehört zur Achse des bösen , jetzt erst recht !!!

Account gelöscht!

19.12.2011, 14:43 Uhr

Da magst du Recht haben. Aber mal ganz ehrlich.
Wenn Papa große Raketen hat und ich nie damit spielen durfte, dann schieße cihd och eien ab sobald der tot ist! Der will auch mal seinen Spaß haben =D

beobachter

19.12.2011, 14:48 Uhr

Eindeutig: um mal gleich klarzustellen daß man kein burger-essendes Großkind ist, daß da ins Machtvakuum geraten könnte.

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