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05.07.2017

07:50 Uhr

Raketentest

USA drohen Nordkorea mit „härteren Maßnahmen“

Der Konflikt eskaliert: Am Unabhängigkeitstag in den USA testet Nordkorea eine Interkontinentalrakete. Die Vereinigten Staaten beantragen eine Sitzung im Uno-Sicherheitsrat – und antworten mit einer Raketenübung zusammen mit Südkorea.

Antwort auf Nordkorea

Militärübung nach Raketentest

Antwort auf Nordkorea: Militärübung nach Raketentest

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New YorkDie USA haben den ersten Test einer Interkontinentalrakete durch Nordkorea scharf verurteilt und härtere Maßnahmen gegen den international isolierten Staat angedroht. Als Warnung an Machthaber Kim Jong Un hielten die Vereinigten Staaten zudem eine gemeinsame Raketenübung mit Südkorea ab und beantragten für Mittwochnachmittag (Ortszeit) eine Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats in New York. Die Führung in Pjöngjang schlug prompt zurück mit dem Hinweis, dass die getestete Rakete einen zerstörerischen Atomsprengkopf bis in die USA befördern könne.

Der Streit um das Atomprogramm Nordkoreas gilt als einer der weltweit gefährlichsten Konflikte. In den vergangenen Wochen und Monaten hat sich die Lage auf der koreanischen Halbinsel immer mehr zugespitzt, neben den USA sind auch die internationalen Großmächte China und Russland in den Konflikt involviert – beim G20-Gipfel in Hamburg dürfte das Thema ebenfalls eine Rolle spielen. Mit besonders großer Sorge wird das Geschehen in Ländern verfolgt, die Nordkorea zu seinen Staatsfeinden – und potenziellen Raketenzielen – erklärt hat.

Raketentest in Nordkorea: Kim Jong Un testet Donald Trump

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Nordkorea hat nach eigenen Angaben erstmals eine Interkontinentalrakete getestet. Der Test sei der „letzte Schritt“ beim Bau eines „mächtigen Atomstaats, der überall auf der Welt angreifen kann“. Wie reagiert Trump?

Die US-Regierung bestätigte erstmals, dass Nordkorea tatsächlich – wie behauptet – eine Interkontinentalrakete (Intercontinental Ballistic Missile, ICBM) getestet hat. Der Test stelle „eine neue Eskalation der Bedrohung für die Vereinigten Staaten, unsere Verbündeten und Partner, die Region und die Welt dar“, erklärte Außenminister Rex Tillerson. Er kündigte „härtere Maßnahmen“ gegen Pjöngjang an.

Die USA hatten Nordkoreas Angaben, nach denen eine Interkontinentalrakete getestet worden war, anfangs in Zweifel gezogen. So sprachen US-Streitkräfte, die den Test aufgezeichnet hatten, zunächst von einer Mittelstreckenrakete. Tillerson war dann der erste hochrangige US-Politiker, der die nordkoreanischen Angaben mit seiner Erklärung öffentlich bestätigte.

Bei einem gemeinsamen Manöver amerikanischer und südkoreanischer Streitkräfte am Dienstag wurden nach US-Angaben Raketen vor der Ostküste Südkoreas ins Meer gefeuert. Bei der Raketenübung hätten die USA und Südkorea ihre „präzise Feuerkraft“ demonstriert, hieß es in einer Mitteilung. Ein taktisches Raketensystem des US-Heeres und Südkoreas Hyunmoo-II-System seien bei der Übung im Einsatz gewesen.

Das US-Militär, das auch Videos von der Übung verbreitete, sprach von einer Antwort auf Nordkoreas „destabilisierendes und ungesetzliches“ Verhalten. Nordkorea wiederum wirft den USA regelmäßig vor, durch ihre Übungen mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten, was von beiden Ländern bestritten wird.

Trump, Nordkorea und Raketen – eine Chronik

28. Januar

Experten berichten, dass Nordkorea den umstrittenen Atomreaktor in Yongbyon wieder in Betrieb genommen habe.

Quelle: dpa

12. Februar

Pjöngjang testet eine ballistische Mittel-Langstreckenrakete. Bei Tausenden Kilometern Reichweite könnte sie einen Atomsprengkopf transportieren. Zur gleichen Zeit besucht der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe Trump in Washington.

1. März

Die USA und Südkorea beginnen ihre jährlichen gemeinsamen Militärübungen, die bis zum 30. April dauern sollen.

6. März

Nordkorea feuert vier ballistische Raketen ab – drei davon seien erst in der 200-Seemeilen-Zone vor Japan ins Meer gestürzt, heißt es aus Tokio. Nach Angaben nordkoreanischer Staatsmedien richtet sich die Übung gegen US-Stützpunkte in Japan.

7. März

Die US-Streitkräfte teilen mit, dass mit der umstrittenen Stationierung eines neuen Raketenabwehrsystems in Südkorea begonnen worden sei. Die ersten Elemente des Systems seien eingetroffen.

16.-19. März

Auf seiner Reise nach Japan, Südkorea und China erklärt US-Außenminister Rex Tillerson die bisherige „Politik der strategischen Geduld“ gegenüber Pjöngjang als gescheitert. Zwar sagt er, das Land müsse sich vor den USA „nicht fürchten“, schließt aber ein militärisches Vorgehen prinzipiell nicht aus. Die USA wollten in dem Konflikt enger mit China zusammenarbeiten.

22. März

Das südkoreanische Verteidigungsministerium teilt mit, dass dem nördlichen Nachbarn offensichtlich ein neuerlicher Raketentest misslungen sei. Nach Angaben von US-Medien scheint die Rakete „innerhalb von Sekunden nach dem Start explodiert zu sein“.

2. April

Trump kündigt in einem Interview der „Financial Times“ an, Nordkoreas Atomwaffenprogramm notfalls im Alleingang zu stoppen.

6. April

Beim Besuch des chinesischen Staatschefs Xi Jinping in den USA erklären beide Seiten, dass das nordkoreanische Atomprogramm ein „ernstes Stadium“ erreicht habe.

10. April

China und Südkorea kündigen bei weiteren Raketen- und Atomtests Nordkoreas neue Sanktionen an. Gleichzeitig droht Pjöngjang den USA wegen der Entsendung von Kriegsschiffen mit „härtesten Gegenmaßnahmen“. Die Volksrepublik sei für jede Art von Krieg bereit.

11. Aprl

Trump fordert China auf, seinen Einfluss auf Nordkorea geltend zu machen. „Andernfalls lösen wir das Problem ohne sie.“ Tags darauf lobt er China dafür, Schiffe mit Kohlelieferungen aus Nordkorea zurückgeschickt zu haben. Dies sei ein „großer Schritt“.

16. April

Von Entspannung keine Spur: Kurz vor der Ankunft von US-Vizepräsident Pence in Südkorea schießt Pjöngjang eine Rakete in den Himmel. Da sich Kim Jong-un von Drohungen unbeeindruckt zeigt, ist ein amerikanischer Schlag gegen Nordkoreas Atomanlagen nicht mehr undenkbar.

20. April

Die Anspannung zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten spitzt erneut sich zu. Während US-Außenminister Rex Tillerson gegen das Atom- und Raketenprogramm vorgehen will, spricht Nordkorea eine letzte Warnung aus und demonstriert in einer Videosimulation anlässlich der Geburtstagsfeier des Staatsgründers Kim Il-sung die Vernichtung der USA durch nordkoreanische Atombomben.
Kurz nach den Kriegsdrohungen ist in Pjöngjang ein US-Bürger in Gewahrsam genommen worden.

Nordkorea reagierte unbeeindruckt und bezeichnete den Test vom Dienstag in einer zynischen Propagandanote als „Geschenkpaket“ für die USA zum Unabhängigkeitstag. Das „langwierige Kräftemessen mit den US-Imperialisten hat seine Endphase“ erreicht, zitierten die Staatsmedien am Mittwoch Machthaber Kim Jong Un. Die ICBM des Typs Hwasong-14 könne einen „großen und schweren Atomsprengkopf“ befördern und die USA erreichen. Seine Wissenschaftler forderte er auf, regelmäßig „kleine und große Geschenke“ an „die Yankees“ zu schicken, teilte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA mit. Damit wurde offenbar Bezug auf die Reihe von Nuklear- und Raketentests genommen, die Kim seit seiner Machtübernahme 2011 angeordnet hatte.

Südkoreas Verteidigungsminister Han Min Koo sagte am Mittwoch laut der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap vor dem Parlament, dass es sich wahrscheinlich um eine zweistufige Rakete gehandelt habe. Sie habe vermutlich bei einer normalen Flugbahn eine Reichweite von 7.000 bis 8.000 Kilometern. Anchorage in Alaska ist 6.000 Kilometer von Pjöngjang entfernt, Berlin knapp 8.000 Kilometer. Han verurteilte den Test als einen „klaren Verstoß“ gegen Uno-Resolutionen, die Nordkorea Tests von ballistischen Raketen untersagen.

Kommentare (3)

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Herr Tomas Maidan

05.07.2017, 10:26 Uhr

Eine "köstliche" Entwicklung: Putin unterstützt Trump, Trump eskaliert einen Krieg in Korea, der nächste große Krieg ist da. Und hier jubeln die Claquere auch noch über diese Entwicklung. Alle Trump und Putin Fans sind unverantwortliche Spinner.

Herr Siegfried Marquardt

05.07.2017, 16:06 Uhr

Bereits die gezeigte Lafette mit der Rakete im Bild des Artikels in den Medien ist ein Indiz dafür, dass es sich um eine einstufige operativ-taktische Rakete handeln muss! Und dies spricht wiederum dafür, dass diese Rakete bei einer Brennschlussgeschwindigkeit von maximal 4 km/s bis 5 km/s hatte und damit nur eine maximal Reichweite von 1700 bis 3100 km erzielbar wäre (siehe Wolff, Raketen und Raketenballistik, Deutscher Militärverlag Berlin, 1966, Seite 277 Tabelle 8.1. Spalten 3 und 4). Hier wird wieder so richtige Propaganda mit enormem Dummenfang betrieben und der Weltfrieden mit Fake-News aufs Spiel gesetzt! Wer hatte denn eigentlich den Irak, Afghanistan und andere Staaten in den letzten 26 Jahren überfallen? Nordkorea oder die USA mit dem Westen? Es ist doch wohl mehr als legitim, dass Nordkorea sich gegen die USA verteidigt! Wahrscheinlich werden aber nicht die Vernunft und der gesunde Menschenverstand siegen, sondern die Unvernunft und die Irrationalität!
Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen

Herr Siegfried Marquardt

05.07.2017, 16:41 Uhr

Jetzt geht der kalte Krieg so richtig los, der alsbald in einen heißen Krieg münden kann! Einige Medien entblöden sich nicht und behaupten Stein und Bein, dass mit dieser Rakete Europa getroffen werden könnte (psotulierte Reichweite 8000 km). Für wie blöd halten einige Redakteure einiger Medien eigentlich die Menschen in Deutschland? Na ja, gegen Blödheit ist kein Kraut gewachsen und da helfen auch keine Pillen. Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen

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