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09.04.2012

23:06 Uhr

Raketentests

USA warnen Nordkorea nach Raketenpräsentation

Am Osterwochenende hat Nordkorea neue Atomängste geschürt. Das Regime zeigte Journalisten eine neue Rakete, die angeblich einen Satelliten ins All bringen soll. Doch Nordkorea habe anderes damit vor, warnt Südkorea.

USA warnen Nordkorea

Video: USA warnen Nordkorea

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WashingtonNeue Raketen- und Atomtests wären ein „sehr provokativer Akt“, warnte Jay Carney, der Sprecher des Weißen Hauses, das kommunistische Regime in Nordkorea. Die Hinweise auf solche Tests hat sich Medienberichten zufolge am Wochenende verdichtet. Das kommunistische Regime zeigte nach Angaben des Senders BBC ausländischen Journalisten auf einem Militärstützpunkt im Westen Nordkoreas eine abschussbereite Trägerrakete.

Sie solle in Kürze einen Satelliten ins All transportieren. Das Land steht im Verdacht, in Wahrheit eine Interkontinentalrakete testen zu wollen, die einen atomaren Sprengkopf tragen könnte. Die Betankung der mehrstufigen Rakete stehe unmittelbar bevor, berichtete die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Regierungskreise in Seoul.

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Nach Angaben Nordkoreas soll die Trägerrakete Unha-3 zwischen diesem Donnerstag und Montag nächster Woche einen Beobachtungssatelliten auf eine Erdumlaufbahn bringen. Das Regime will damit den 100. Geburtstag des als Staatsgründer verehrten Kim Il Sung am 15. April feiern. Die Unha-3 kann Alaska und damit das US-Festland erreichen.

Sorgen bereitet den Nachbarn Nordkoreas, dass der Test schiefgehen und die Rakete von ihrem Kurs abweichen könnte. 2009 hatte Nordkorea eine Rakete abgefeuert, die über japanisches Gebiet flog. Die Regierung in Tokio hat die Luftabwehr des Landes in Alarmbereitschaft versetzt, um die nordkoreanische Rakete notfalls abschießen zu können.

Sollte es Nordkorea gelingen, die dritte Stufe von der Rakete zu trennen, hätte das Land seine technologischen Fähigkeiten entscheidend verbessert. Das Land hätte damit bewiesen, dass es über eine Interkontinantal-Rakete verfügt, mit der ein Atomsprengkopf transportiert werden kann.

Experten bezweifeln die Darstellung Nordkoreas, bereits 2009 mit der Unha-2-Rakete einen Satelliten ins Weltall gebracht zu haben. Die Gefahr, dass die Unha-3 auf dicht besiedeltes Gebiet abstürzt, wird als äußerst gering angesehen.

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Neben dem Raketenstart bereitet Nordkorea einem Medienbericht zufolge auch einen dritten Atomtest vor. Unter Berufung auf Geheimdienstkreise meldete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap, die Vorbereitungen seien auf Satellitenaufnahmen zu erkennen.

Ein Tunnel für den Test werde in der nordöstlichen Stadt Punggye Ri angelegt, neben den Schächten für die Versuche der Jahre 2006 und 2009. Nordkorea hatte im Februar einen Stopp seiner Atomtests, der Uran-Anreicherung und der Starts von Langstreckenraketen angekündigt. Im Gegenzug sollte das verarmte Land Lebensmittel erhalten.

Die Hoffnung auf eine Wiederaufnahme der seit drei Jahren ausgesetzten Verhandlungen wurden jedoch durch Nordkoreas Ankündigung eines Raketenstarts zunichtegemacht.

Kommentare (3)

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hanji

09.04.2012, 23:58 Uhr

"Nordkorea habe anderes damit vor, warnt Südkorea." heißt es im Artikel. Die Südkoreaner selbst sehen die Dinge wahrscheinlich etwas anders: Der CIA, der Verband der US-Rüstungsindustrie und die mit den USA auf Herzlichste befreundete japanische Regierung rät dem restkonservativen, US-untergebenen Präsidenten von Südkorea dringendst an, alles was in Nordkorea passiert, als Vorbereitung von Atomtests zu deuten. Und Yonhap, die südkoreanische Nachrichten-Agentur, deren jetziger Chef vom Präsidenten höchstpersönlich in den Job gepresst wurde (sein verdienter, rechtskonservativer Wahlkampft-Manager) macht aus der CIA Story eine Pressemeldung. Und die Weltpresse macht gedankenlos Copy & paste. Und die Südkoreaner? Glauben mal wieder mehrheitlich überhaupt nichts, veranstalten stattdessen einen Massenprotest nach dem andern gegen ihre eigene (verhasste) Regierung. Derzeit sind es die großen Fernsehanstalten und der Journalistenverband, die von der präsidialen Zensur und Propaganda die Nase voll haben. So sehe ich die Dinge nach 9 Jahren intensiver Korea-Erfahrung und großem Freundeskreis dort.


bjarki

10.04.2012, 03:21 Uhr

Sie mögen recht haben, aufgrund Ihrer lokalen Sicht. Aber ist Desinformation mittlerweile nicht die Regel? Ist diese nicht notwendig, um die eingeschlafenen Völker aufzurütteln ? Ist Desinformation nicht notwendig, um totalitäre Staaten mit etwas zu konfrontieren, für das sie kein Gegenmittel haben. Wenn das nordkoreanische Volk letztendlich vor dem Verhungern bewahrt werden soll und der neue Machthaber in alte Fussstapfen tritt, dann muss Desinformation dieses Regime zumindest in Unsicherheit versetzen. Ich glaube allerdings, dass der junge Mann in Pjöngjang zunächst Stärke präsentieren will, um letztendlich seine eigene Haut zu sichern, bevor er mit den USA an einem Tisch sitzt. Auch darf er das Gesicht gegenüber dem eigenen Volk nicht verlieren, was in Asien als Schwäche sofort ausgelegt wird. Sie sehen die desinformatorische Diplomatie arbeitet auf vollen Touren und sie ist notwendig. Sonst gibt es Verhältnisse wie in Laos oder Kambodscha, die bis heute ungeklärt sind. Die Zeiten von Kim il Young sind lange vorbei.

bjarki

10.04.2012, 03:31 Uhr

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