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24.02.2015

16:25 Uhr

Rap-Battle zur griechischen Schulden-Krise

„Schikaniert ihr wieder kleine Griechen?“

VonDésirée Linde

Merkel hart in der Sache, Varoufakis entspannt-arrogant, Dijsselbloem humorlos und Putin drohend: Das niederländische TV zeigt den griechischen Schuldenstreit als Rap-Battle. Eine kleine Prognose wagen die Macher auch.

Sie steigen in den Ring und werfen sich einmal alles an den Kopf, was bislang ungesagt blieb – ganz ohne diplomatische Zurückhaltung und im Jargon der Straße: In einem Video aus dem holländischen Fernsehen tragen Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem und Kanzlerin Angela Merkel den Griechenland-Schuldenstreit gegen den griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis und den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Ring aus – via Rap-Battle.

Varoufakis macht sich über den stets korrekten und etwas farblosen Djisselbleom lustig und droht mit dem Gang nach Russland. Djisselbloem ruft verzweifelt nach Angela Merkel, und Putin mit Sonnenbrille fährt verbal ganz großes Geschütz auf.

Schuldenschnitt bis „Grexit“ – wichtige Begriffe in der Schuldenkrise

Griechisches Schuldendrama

Vom Rettungsschirm über den Schuldenschnitt bis zum „Grexit“ – im griechischen Schuldendrama kommen immer wieder schwierige Begriffe vor. Was verbirgt sich dahinter eigentlich?

Hilfsprogramm

Dies bezeichnet aus Sicht der EU-Finanzminister die finanziellen Hilfen plus der von Griechenland versprochenen Sparprogramme und Reformen. Für die Europartner gibt es derzeit nur die Option, das aktuelle Hilfsprogramm inklusive der Sparauflagen zu verlängern.

Kreditprogramm

Die neue griechische Regierung forderte hingegen bislang eine Verlängerung des „Kreditprogramms“. Damit will sie nach Einschätzung der Geldgeber ausdrücken, dass sie das Geld weiter will - aber nicht die Auflagen des Hilfsprogramms.

Anleihe

Staaten brauchen Geld. Weil Steuereinnahmen meist nicht ausreichen, leihen sie sich zusätzlich etwas. Das geschieht am Kapitalmarkt, wo Staaten sogenannte Anleihen an Investoren verkaufen. Eine Anleihe ist also eine Art Schuldschein. Darauf steht, wann der Staat das Geld zurückzahlt und wie viel Zinsen er zahlen muss.

Schuldenschnitt

Manchmal hat ein Staat so viel Schulden, dass er sie nicht zurückzahlen kann und auch das Geld für Zinszahlungen fehlt. Dann versucht er zu erreichen, dass seine Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Das nennt man Schuldenschnitt. Dieser schafft finanzielle Spielräume. Allerdings wächst auch das Misstrauen, dem Staat künftig noch einmal Geld zu leihen.

Rettungsschirm

Seit 2010 hatten immer mehr Staaten wegen hoher Schulden das Vertrauen bei Geldgebern verloren. Für sie spannten die Europartner einen Rettungsschirm auf. Er hieß zuerst EFSF, wurde später vom ESM abgelöst. Faktisch handelt es sich um einen Fonds, aus dem klamme Staaten Kredithilfen zu geringen Zinsen bekommen können.

Primärüberschuss

Griechenlands Schuldenberg ist – gemessen an der Wirtschaftsleistung – der höchste in der Eurozone. Das sind nicht nur Altlasten, auch im laufenden Betrieb kommt das Land wegen der hohen Zinsbürde nicht ohne neue Schulden aus. In den Verhandlungen mit den Geldgebern musste Athen aber versprechen, zumindest unter Ausblendung der Zinsen weniger auszugeben als einzunehmen. Das nennt man Primärüberschuss.

Troika

In der Euro-Schuldenkrise wurde der Begriff für das Trio aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission gebraucht. Sie kontrollieren die verlangten Reformfortschritte. Im Euro-Krisenland Griechenland ist die Troika deswegen zum Feindbild geworden. In seinem Schreiben an die Eurogruppe spricht Athen nun von „Institutionen“. Auch die Europartner wollen das Wort „Troika“ nicht mehr verwenden. In offiziellen Dokumenten war ohnehin nie die Rede von der „Troika“.

Grexit

Der Kunstbegriff wurde aus den englischen Worten für Griechenland (Greece) und Ausstieg (Exit) gebildet – gemeint ist ein Ausstieg oder Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone. So etwas ist in den EU-Verträgen allerdings gar nicht vorgesehen. Die Idee: Würde Griechenland statt des „harten“ Euro wieder eine „weiche“ Drachme einführen, könnte die griechische Wirtschaft mit einer billigen eigenen Währung im Rücken ihre Produkte viel günstiger anbieten.

Grimbo

Der Begriff „Grimbo“ ist eine Fusion von Greece, also Griechenland und Limbo, zu deutsch Limbus. Limbus kommt aus der katholischen Theologie und bezeichnet die Vorstellung einer Art Vorhof zur Hölle, in dem sich nach dem Tod jene Seelen aufhalten, denen der Zutritt zum Himmel verwehrt wurde, die aber auch nicht in die Hölle gekommen sind. Der Ausdruck steht für etwas, das sich in der quälenden Schwebe befindet. Gemünzt auf Griechenland meint „Grimbo“ ein Szenario, in dem Athen von den Europäern kein Geld bekommt und es auf absehbare Zeit keine Lösung gibt.

Graccident

Der Kunstbegriff wurde aus den englischen Worten für Griechenland (Greece) und Unfall (Accident) gebildet. Das Wort beschreibt die Möglichkeit, dass Griechenland das Geld ausgeht und es deshalb den Euro verlassen muss. Wie groß die Gefahren eines „Graccident“ wären, darüber gehen die Schätzungen auseinander. Wer eher für großzügige Griechenland-Hilfen argumentiert, hält die Gefahren eines „Graccident“ für größer – oder umgekehrt.

Moral Hazard

Moral Hazard ist die englische Bezeichnung für moralisches Wagnis. Gemeint ist die Ausnutzung der Solidarität aus rücksichtslos verfolgtem Eigeninteresse. Würden alle Staaten nur an sich denken, würde zunächst Griechenland (Verbindlichkeiten von knapp 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach OECD-Prognose) einen Schuldenschnitt bekommen. Dann stünde Portugal (140 Prozent des BIP) und dann Italien (150 Prozent des BIP) auf der Matte. Spätestens an diesem Punkt würde die globale Finanzwelt in die Katastrophe stürzen, weil einer der größten Anleihemärkte der Welt implodieren würde.

Im Netz und unter Comedians sind Rap-Battles als satirisches Instrument schon seit Jahren beliebt. So gibt es etwa auch Rap-Battles zwischen Merkel und US-Präsident Barack Obama. Das Vorbild allerdings sind die gerappten „Ring-Kämpfe“ zwischen den beiden Ikonen der Wirtschaftswissenschaft, John Maynard Keynes und Friedrich August von Hayek, über ihre gegensätzlichen Theorien. Der erste Teil 2010 („Fear the Boom and Bust“) hat mehr als fünf Millionen Klicks.

Der Clip des Griechenland-Raps auf Niederländisch (griechische und englische Untertitel sind möglich) hat bislang etwas mehr als 100.000 Aufrufe auf Youtube eingesammelt, ein weiterer Mittschnitt gut 22.000. Hier die deutsche Übersetzung zum Mitlesen:

Jeroen Dijsselbloem: Ich bin Jeroen Dijsselbloem, Minister der Finanzen und ein politisches Phänomen. An meinem Stirnrunzeln und Geizhals-Gesichtsausdruck erkennt man sofort, dass ich ein Experte bin. Ich bin der richtige Mann für diese Position. Lasst die Griechen nur kommen, weil ich sie in den Wahnsinn treiben werde. Ich werde das Geld zurückholen, wie es meine Pflicht ist – und du kannst mich nicht stoppen, Yanis Varoufakis!

Yanis Varoufakis: Was ich tun oder nicht tun werde, entscheide ich selbst. Komm schon, gib mir ganz normal deine Hand. Ich habe kein Aids. Worauf schaust du so mit deinem Geizhals-Gesicht? Wir sind ein selbständiges Land, keine europäische Kolonie. Du denkst, du bist ein Experte. Wo hast du studiert? Wageningen? Schön, Glückwunsch. Ich habe in Cambridge Ökonomie unterrichtet. Aber hey, du kannst mir sagen, was wir falsch machen.

Dijsselbloem: Eure Wirtschaft ist ein Chaos. Wir haben diese Sch**** mit unseren Milliarden unterstützt. Nun erwartet ihr, dass wir diesen Kredit abschreiben. Ihr f**** uns auf die griechische Art.

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