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31.05.2016

21:45 Uhr

Rassismus in den Niederlanden

Der Staatsfeind Nr. 1

„Heulneger“, „Affe“: Eine schwarze Niederländerin wechselt vom TV in die Politik. Ihr Lohn: ein Shitstorm. Der blanke Rassismus schockt die Niederländer. Doch nicht nur der rechte Pöbel ergreift das Wort.

Gerade noch TV-Liebling, plötzlich der Feind im eigenen Land: Der Fall der Niederländerin Sylvana Simons war tief und schnell. dpa

Sylvana Simons

Gerade noch TV-Liebling, plötzlich der Feind im eigenen Land: Der Fall der Niederländerin Sylvana Simons war tief und schnell.

AmsterdamVom TV-Star zum Volksfeind Nummer eins – Der Fall der Niederländerin Sylvana Simons war tief und schnell. Die ehemalige Moderatorin populärer Shows will im nächsten Frühjahr für die neue Partei „Denk“ von zwei türkisch-stämmigen Abgeordneten ins nationale Parlament einziehen. Die Reaktion auf die Kandidatur war heftig. Ein wahrer Shitstorm traf die 45-Jährige. Warum? Sie ist schwarz.

Simons, die als Zweijährige mit ihren Eltern aus der früheren Kolonie Surinam in die Niederlande gekommen war, ist eine starke Frau mit ebenso starken Ansichten zu Diskriminierung in den Niederlanden. Sie warf Niederländern „strukturellen Rassismus“ vor. Aber sie machte etwa auch höchst umstrittene Aussagen zum Völkermord an den Armeniern. Ein weißer Niederländer kann so etwas sagen, aber offenbar nicht eine Schwarze.

„Heulneger“ und „Affe“ wurde sie beschimpft. „Geh zurück in dein eigenes Land“. Auf Facebook wurde die Seite „Abschied“ von Sylvana eingerichtet, um ihren Rausschmiss aus dem Land groß zu feiern. Zehntausende klickten: „Gefällt mir“. Inzwischen wurde die Seite gesperrt.

Rechtspopulisten in den Kabinetten Europas

Finnland

Außenminister und Vize-Ministerpräsident ist seit Mai 2015 Timo Soini. Der Politikwissenschaftler ist Chef der rechtspopulistischen Partei „Die Finnen“.

Lettland

Drei Minister sitzen für die rechtspopulistische Nationale Allianz in der lettischen Regierung, darunter der Justizminister und seine Kollegin aus dem Kulturressort.

Ungarn

Seit 2010 regiert die rechtspopulistische Partei Fidesz das Land mit absoluter Mehrheit. Ministerpräsident Viktor Orban wird unter anderem für Einschränkungen der Pressefreiheit kritisiert.

Norwegen

Eine Asylkritikerin führt in Norwegen das Immigrationsressort: Sylvi Listhaug von der rechtspopulistischen Fortschrittspartei ist seit Dezember 2015 Ministerin für Einwanderung und Integration.

Schweiz

Zwei der sieben Mitglieder der Regierung der Schweiz kommen aus der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei (SVP). Der von der SVP initiierte Volksentscheid über Minarett-Neubauten im Jahr 2009 erregte auch international Aufmerksamkeit.

Griechenland

Der Chef der rechten Unabhängigen Griechen (Anel), Panos Kammenos, steht seit September 2015 dem Verteidigungsministerium vor.

„Es ist widerlich und asoziales Verhalten“, verurteilte Premier Mark Rutte die Attacken. Hass, Häme und Hohn waren so massiv, dass inzwischen auch die Staatsanwaltschaft ermittelt. Für Sylvana Simons selbst war es nicht neu. Sie kennt solche Attacken.

Seit der Rechtspopulist Pim Fortuyn 2002 ermordet wurde, ist das öffentliche Klima vergiftet. Vor allem im Internet gingen alle Schleusen auf, und die gröbsten Beleidigungen und Hass-Attacken gegen Migranten, Schwarze und Muslime gehören zur Tagesordnung. Und nicht nur im Internet.

Der Rechtspopulist Geert Wilders lotet seit mehr als zehn Jahren die Grenzen des Erlaubten aus. Mit Tiraden gegen den Islam und Muslime setzt er den Ton. Der Rechtsaußen mit der platinblonden Haartolle macht sich stark gegen den „Moloch Brüssel“, die „Islamisierung“ und die „Überfremdung“ und ist daher für viele ein Held.

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