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03.09.2011

15:37 Uhr

Rating

S&P würde Euro-Bonds als Ramsch einstufen

„AAA“, „B+“, „CC“ – wie würden Ratingagenturen eine gemeinsame Euro-Anleihe bewerten? Für Standard & Poor's ist ein solcher Bonds Ramsch, wenn zum Beispiel Länder wie Griechenland dabei wären.

Standard & Poor's - eine der drei großen Ratingagenturen. dpa

Standard & Poor's - eine der drei großen Ratingagenturen.

AlpbachDie Ratingagentur S+P würde gemeinsame Anleihen der Euro-Staaten mit dem Rating des schwächsten Mitgliedslandes bewerten. „Wenn wir einen Euro-Bond haben, bei dem Deutschland 27 Prozent garantiert, Frankreich 20 und Griechenland zwei Prozent, dann läge das Rating des Euro-Bonds bei 'CC', was der Kreditwürdigkeit Griechenlands entspricht“, sagte der Leiter des Länderbereichs Europa bei S+P, Moritz Krämer, am Samstag auf dem europäischen Forum in Alpbach. Dies sei der Fall, wenn es eine gemeinsame Garantie und keine einzelne Gewährleistung der Mitgliedsländer gebe.

„Vielleicht könnte dies auf eine andere Art strukturiert werden“, schlug Krämer vor und betonte zugleich, S+P führe derzeit keine Gespräche mit der Europäischen Union. „Es ist nicht unsere Aufgabe, bei der Strukturierung oder Beratung zu helfen.“

Krämer sagte weiter, er habe die Idee von Euro-Anleihen so verstanden, dass sie sich an den deutschen Jumbo-Pfandbriefen orientierten. Pfandbriefe gelten als besonders sicher und spielen bei der Refinanzierung der Banken in Europa eine wichtige Rolle. Bei den deutschen Jumbo-Pfandbriefen gehen Bundesländer zusammen, um Schuldverschreibungen zu emittieren, wobei sie jeweils für ihren eigenen Anteil die Garantie übernehmen.

Die Diskussion über Gemeinschaftsanleihen in der Euro-Zone dauert seit langem an. Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt Euro-Bonds ab und begründet dies damit, dass gemeinsame Anleihen nicht zu einer Verbesserung der Haushaltsdisziplin führten. Italien hingegen wirbt für eine gemeinsame Aufnahme von Staatsschulden, was wohl zu einem mittleren Zinsniveau für alle Euro-Länder führen würde. Auch Griechenland hat bereits für Euro-Bonds geworben.

S+P hatte sich von Anfang an kritisch zu der Gemeinschaftsanleihe geäußert. „Die Grundvoraussetzung dafür, dass Euro-Bonds langfristig funktionieren, wäre eine stärkere politische und wirtschaftliche Integration in Europa“, sagte Deutschland-Chef Torsten Hinrichs.

Was spricht für Euro-Bonds, was dagegen?

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Eurobonds?

Gemeinsame Staatsanleihen aller Euro-Länder, die von einer noch zu gründenden europäischen Schuldenagentur zur Versteigerung angeboten würden. Bisher begibt jedes Land ausschließlich eigene Anleihen - mit der Konsequenz, dass hoch verschuldete Staaten teils extrem hohe Zinsen zahlen müssen. Geraten sie in den Fokus der nervösen Märkte, steigen die Zinsen sogar noch höher. Staaten mit glänzender Bonität wie Deutschland oder Österreich kommen dagegen günstig an frisches Geld.

Was wären die Vorteile von Eurobonds?

Pleitekandidaten stünden nicht mehr wie bisher weitgehend allein gegen die Macht von Finanzmärkte und Spekulanten: Mit Hilfe der Eurobonds könnten sie sich wieder zu moderaten Konditionen Kredite besorgen - schließen sind die solideren Staaten ja bei jeder einzelnen Anleihe mit im Boot. Allerdings würde ein anderer Teil der Schulden nach wie vor zu nationalen Zinssätzen verzinst werden - mindestens 40 Prozent müssten dies sein, fordert etwa Grünen-Chef Cem Özdemir.

Was spricht gegen Eurobonds?

Dass eine gemeinsame Haftung für Schulden ein tatkräftiges Sanieren und Sparen für Athen, Lissabon & Co noch unattraktiver machen könnte - nach dem Motto: Die Reichen werden schon zahlen. Dies befürchtet etwa Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Außerdem würden dann - so formulieren es die Eurobond-Gegner - deutsche Steuerzahler für Schulden derer mithaften, die zuvor über ihre Verhältnisse gelebt haben. Befürworter wie Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker versichern deshalb, parallel solle ein Anreizsystem für verschuldete Euroländer geschaffen werden, das strikte Haushaltsdisziplin belohne.

Wo verlaufen die Fronten in dem Streit?

In Deutschland zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Grün. In Europa - stark vereinfacht - zwischen Staaten mit AAA-Bonität und dem Rest. In Brüssel hat sich neben Juncker auch EU-Währungskommissar Olli Rehn für Eurobonds ausgesprochen. Die führenden Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland sind uneins. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger beispielsweise ist für diese Lösung, ifo-Chefvolkswirt Kai Carstensen spricht von einer „hanebüchenen Idee“.

Was würden Eurobonds für Deutschland kosten?

Das ist höchst umstritten. Kai Carstensen etwa kalkuliert, dass Deutschland einen deutlichen Zinsaufschlag von 2,3 Prozentpunkten zahlen müsste. Unter dem Strich entspräche dies jährlichen Mehrkosten von gut 47 Milliarden Euro, errechnete er für die „Welt am Sonntag“. Eurobonds-Befürworten meinen dagegen: Staatspleiten und ein Auseinanderbrechen der Eurozone kämen für Deutschland teurer als die gemeinsamen Bonds.

Von

rtr

Kommentare (7)

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Arminius

04.09.2011, 09:43 Uhr

Deutschland ist mitschuldig.
Hätten man vor oder gleich bei der Euroeinführung eine Fiskalunion für die Eurozone geschaffen wäre so was nicht möglich gewesen.
Es war aber gerade Deutschland, unterstützt durch Frankreich, dass dies abgelehnt hatte und auf das Prinzip der eigenen Verantwortung der einzelnen Staaten bestanden.
Damit wollte Deutschland praktisch aus der Eurozone eine Art Exportreservat für die deutsche Industrie machen. Dies ist Deutschland auch gelungen aber ein Erfolg ist es nicht und die Rechnung bekommen wir jetzt zugestellt.
Es ist leider lange noch nicht alles, dies kann leicht zu einer Auflösung der gesamten EU führen und folglich eine Weltwirtschaft- und Finanzkrise verursachen.
Werden wir wieder durch die maßlose deutsche Gier in eine Weltkatastrophe geführt?

Absolut_Pro_Eurobonds

04.09.2011, 09:58 Uhr

Da immer viel in Foren über die Refinanzierungs-Mehrkosten für Deutschland gesprochen wird, die angeblich der Euro-Bond verursachen wird, stellt sich für mich die einzige Frage:

Wieso braucht ein Land wie Deutschland das monatlich ca. 15,0 Mrd. Euro Handels/Exportüberschüssen auf Kosten seiner Nachbarn einfährt überhaupt Kredite ???

Aber kein Wunder, denn die Antwort ist ganz einfach wie simple.

Wer sich einen Luxus-Wohlfühlsozialstaat mit Hartz4, etc. leistet, der lebt schlichtweg weit über seine Verhältnisse !!!

Account gelöscht!

04.09.2011, 10:03 Uhr

@Arminius:

"Deutschland ist an allem schuld."

So ein Quatsch. Derlei Gedanken-Masochismus sagt viel mehr über den Autor aus als über die Realität.

- Wenn sich Deutschland für alternative Energien einsetzt, wird die Sonne _ausgebeutet_.

- Wenn Deutschland hochwertige Produkte herstellt, die im Ausland gerne gekauft werden, betreibt man _Wirtschaftsimperialismus_.

- Wenn Deutschland einen vernünftigen Staatshaushalt hat, spart man „auf Kosten der anderen Länder“.

- Wenn ein deutscher Politiker einen sinnvollen Vorschlag macht, "soll am deutschen Wesen die Welt genesen."

Man kann die Selbstbestrafung auch übertreiben.

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