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21.08.2012

10:50 Uhr

Ratingagentur

Moody's drängt Euro-Länder zu weiteren Reformen

Die Ratingagentur Moody's registriert die Reformbemühungen in der Euro-Zone, sieht diese jedoch „bestenfalls” auf halbem Weg. Immerhin würden einige Länder wirtschaftlich bereits Fortschritte machen, auch Griechenland.

Moody's ist neben Standard & Poor's und Fitch eine der drei großen Ratingagenturen. dapd

Moody's ist neben Standard & Poor's und Fitch eine der drei großen Ratingagenturen.

DüsseldorfDie Peripheriestaaten der Eurozone sind nach Ansicht der Ratingagentur Moody's Investors Service „bestenfalls” auf halbem Weg, ihre wirtschaftlichen Ungleichgewichte auszugleichen und notwendige Strukturreformen zu ergreifen. „Reformen, sowohl in der Peripherie wie auch im Kern, finden bereits statt - in einigen Fällen sogar in größerem Umfang”, urteilten die Analysten um den für Volkswirtschaften verantwortlichen Analysten Lucio Vinhas de Souza in einer am Dienstag in New York veröffentlichten Studie.

Die europäischen Staats- und Regierungschefs der angeschlagenen Nationen der europäischen Peripherie versuchen ihre Länder wieder in Schwung zu bringen und für die Tilgung ihrer Schulden das notwendige Wirtschaftswachstum anzustoßen. Die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben sich in der Zwischenzeit auf die Zahlung von mindestens 393 Mrd. Euro Hilfe an Griechenland, Irland, Portugal und Spanien verpflichtet.

Während es bereits Fortschritte in einigen Ländern bei der Handelsbilanz und der Wettbewerbsfähigkeit gebe, dürften die Länder in ihrem Reformtempo nicht nachlassen, mahnte die Ratingagentur. Der Bericht nennt keine Kreditratings einzelner Länder.

Ein Vergleich mit den Krisen in Schweden und Finnland in den 90er Jahren zeige, dass die vollständige Auflösung von Ungleichgewichten einige Jahre dauern könne. „Der Vergleich betont auch die Bedeutung von Strukturreformen um nachhaltige Gewinne zu erzielen.”

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Zu den Erfolgen zählen die Autoren die Arbeitskosten, die in Spanien von ihrem Hoch bislang um 5,9 Prozent gesunken sind. In Griechenland und Irland sind sie entsprechend um 7,8 Prozent und 13,7 Prozent gesunken und stützen somit den Export und eine nachhaltige Wirtschaftsleistung. Italien habe es bislang nicht geschafft, das Handelsbilanzdefizit zu begrenzen, die Arbeitskosten zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu den Partnerländern zu erhöhen, hieß es.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

21.08.2012, 11:43 Uhr

Moody´s in nicht in der Position irgendetwas oder irgendwen zu drängen.

Völlig überbewertet diese Spelunken- und Casinobuden !

popper

21.08.2012, 12:05 Uhr

Ist es die Aufgabe einer Ratingagentur, politische Vorgaben zu machen. An dieser Anmaßung ist ablesbar, was für ein Spiel diese Ratingagenturen eigentlich treiben. Das sind nach deren eigener Definition Wirtschaftsjournalisten, die für ihre Aussage, Prognosen etc. keinerlei Verantwortung übernehmen. Das heißt, dass selbst nachweislich falsche Bewertungen, wie vor der Lehman-Pleite auf strukturierte Assets abgegeben wurden nicht justiziabel sind. Und diese Fuzzies maßen sich an, das Kasino mit solchen Meldungen anzutreiben und die Politik tut nichts dagegen.

pleiti

21.08.2012, 19:37 Uhr

Die Summe der realen Löhne sind in Spanien um über 5 Prozent gesunken. Das ist die Folge der hohen Arbeitslosigkeit. Die Lohnstückkosten sind dadurch natürlich nicht gesunken.
Moody's Analyse ist daher ein Schwachsinn.

Das ist in den anderen Ländern wie Griechenland genau so.

Mehr dazu auf www.querschuesse.de

Pleiti aus Österreich

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