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29.10.2015

22:31 Uhr

Ratingagentur S&P

Großbritannien würde bei Brexit Spitzenrating verlieren

2017 will Großbritanniens Premier Cameron das Referendum zum EU-Verbleib abhalten. Sollten die Briten für einen Austritt stimmen, könnte sich das laut der Ratingagentur S&P auf die Kreditwürdigkeit des Landes auswirken.

Im Falle eines Brexit könnte auch die Kreditwürdigkeit Großbritanniens sinken. dpa

Dunkle Wolken über London

Im Falle eines Brexit könnte auch die Kreditwürdigkeit Großbritanniens sinken.

LondonGroßbritannien müsste im Falle eines Austritts aus der Europäischen Union (EU) der Ratingagentur S&P zufolge wohl eine Rückstufung seiner Kreditwürdigkeit hinnehmen. Sollten sich die Briten für den Austritt ("Brexit") entscheiden, würde dies wohl zu einer Herabstufung um eine Stufe führen, sagte Moritz Kraemer, S&P-Chef-Stratege für die Länder-Ratings, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Sollten sich dann die Beziehungen zur EU deutlich verschlechtern, könne es um eine weitere Stufe bergab gehen. Gleiches gelte für den Fall, dass der Austritt eine Abspaltung Schottlands nach sich zöge.

Was die Briten an der EU stört

Nationale Identität

Als ehemalige Weltmacht ist Großbritanniens Politik noch immer auf Führung ausgelegt. London ist gewohnt, die Linie vorzugeben, statt sich mühsam auf die Suche nach Kompromissen zu begeben. Die Briten reagieren allergisch auf jegliche Vorschriften aus Brüssel.

Londoner City

Die Londoner City ist trotz massiven Schrumpfkurses noch immer die Lebensader der britischen Wirtschaft. Großbritannien fühlt sich von Regulierungen, die in Brüssel ersonnen wurden, aber die City treffen, regelrecht bedroht.

Soziales und Arbeitsmarkt

Auch in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik wollen sich die Briten nicht von Brüssel herein reden lassen. Eine gemeinsame EU-weite Arbeitszeitrichtlinie hat beispielsweise für heftigen Streit gesorgt.

EU-Bürokratie

Die Euroskeptiker unter den Briten halten die Bürokratie in Brüssel für ein wesentliches Wachstumshemmnis. Anti-Europäer in London glauben, dass Großbritannien bilaterale Handelsabkommen mit aufstrebenden Handelspartnern in aller Welt viel schneller aushandeln könne als der Block der 27. Die Euroskeptiker fordern auch, dass der Sitz des Europaparlaments in Straßburg abgeschafft wird und die Abgeordneten nur noch in Brüssel tagen.

Medien

Die britische Presse ist fast durchgehend europafeindlich und prägt das Bild der EU auf der Insel. Das hat politische Wirkung. „Ich muss meinen Kollegen in Brüssel dauernd sagen, sie sollen nicht den 'Daily Express' lesen“, zitierte mal die „Financial Times“ einen britischen Minister.

Die Briten sollen Ende 2017 darüber abstimmen, ob sie in der EU bleiben wollen oder nicht. Zuletzt war die Zahl der Befürworter eines Austritts einer Umfrage zufolge auf 37 Prozent hochgeschnellt, den höchsten Wert seit 2012. Dazu hatte auch die steigende Zahl von Flüchtlingen beigetragen, die derzeit nach Europa strömen.

Standard & Poor's führt Großbritannien seit 1978 mit dem Spitzen-Rating "AAA". Im Juni hatte die Agentur den Ausblick für das Rating aber auf "negativ" gesetzt und dies mit den Risiken eines "Brexit" begründet.

Von

rtr

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