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28.03.2013

19:49 Uhr

Ratingagentur warnt

Zyperns Bankenrettung könnte Präzedenzfall werden

Standard & Poor's kritisiert die Beteiligung von Bankkunden an der Rettung Zyperns und spricht von einem möglichen Modell für künftige Problemfälle. Einfluss auf das Rating der Banken habe das jedoch nicht, heißt es.

Die zyprische Rettungsaktion übt keinen direkten Einfluss auf das Rating europäischer Banken aus, heißt es von Standard & Poor's. ap

Die zyprische Rettungsaktion übt keinen direkten Einfluss auf das Rating europäischer Banken aus, heißt es von Standard & Poor's.

London/FrankfurtDie Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat den Rückgriff auf Bankkunden in der Rettung zyprischer Geldhäuser kritisiert. Auf die Bonitätsnoten europäischer Banken ergebe sich zwar keine unmittelbare Auswirkung, teilte S&P am Donnerstag mit. Allerdings habe das Vorgehen in Zypern möglicherweise einen Präzedenzfall geschaffen, der bei künftigen Rettungsaktionen Anwendung finden könnte. Der Rückgriff auf Großanleger, Gläubiger und Aktieninhaber sei verglichen mit vorherigen Fällen ein klarer Richtungswechsel.

S&P schließt sich mit seiner Kritik der Konkurrenz von Moody's und Fitch an. Die beiden anderen großen Ratingagenturen hatten den zyprischen „Bail-in“, bei dem im Gegensatz zu einem „Bail-out“ Geschäftsbanken nicht mit Steuergeldern gestützt werden, ebenfalls kritisiert. Auch das Krisenmanagement der europäischen Politik war mehrfach moniert worden.

Das Hilfspaket in Kürze

Anlegerschutz

Im Gegensatz zur ursprünglichen Fassung der Abmachung von Mitte März werden Konten mit Guthaben von weniger als 100 000 Euro nicht angerührt. Die geplante generelle Zwangsabgabe auf Konten entfällt.

Endgültige Abmachung

Sie soll im April stehen. Zuvor müssen nationale Parlamente wie in Deutschland noch zustimmen. Die ersten Auszahlungen aus dem europäischen Rettungsschirm ESM soll es dann im Mai geben.

Umfang

Die Finanzhilfen der Geldgeber umfassen bis zu zehn Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds will sich beteiligen, eine Summe steht noch nicht fest. Im Gespräch ist rund eine Milliarde Euro.

Zyprische Banken

Zypern sichert zu, sein aufgeblähtes Bankensystem zu sanieren und deutlich zu verkleinern. Die zweitgrößte Bank Laiki wird abgewickelt. Der Branchenprimus Bank of Cyprus wird zurechtgestutzt und übernimmt den überlebensfähigen Teil von Laiki.

Für Irritation in der Zypern-Krise hatte zunächst die geplante, aber letztlich nicht umgesetzte Belastung von Kleinsparern gesorgt. Im Nachgang stifteten Äußerungen von Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem große Verwirrung. Er hatte das Vorgehen in Zypern zunächst als mögliches Modell für künftige Problemfälle bezeichnet, diese Äußerungen aber später revidiert.

S&P geht davon aus, „dass die einzelnen Regierungen in der Eurozone wahrscheinlich weiterhin bevorrechtigte Gläubiger der systemisch wichtigen inländischen Banken unterstützen werden, wenn sie über ausreichend finanzielle Kapazitäten verfügen“. Als Beleg für diese Annahme nannte S&P am Donnerstag die Verstaatlichung des niederländischen Finanzkonzerns SNS Reaal im Februar. Folglich plant die Agentur wegen der Ereignisse in Zypern nicht, die Ratings anderer Banken in der Euro-Zone zu senken.

Eine Chronologie der Zypern-Krise

25. Juni 2012:

Zypern bittet die Eurozone um Hilfe, nachdem zwei große Banken im Fahrwasser der Griechenland-Krise Verluste von zusammen 4,5 Milliarden Euro erlitten.

1. Juli:

Ungeachtet der Krise übernimmt Zypern für ein halbes Jahr die EU-Ratspräsidentschaft.

8. Oktober:

Die EU drängt Zypern, einem Rettungsplan der Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) zuzustimmen. Dieser sieht Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst sowie eine Erhöhung der Mehrwertsteuer vor. Die Verhandlungen mit der regierenden Linkspartei Akel ziehen sich aber hin.

3. November:

Der "Spiegel" meldet unter Berufung auf einen Bericht des Bundesnachrichtendienstes, dass eine Rettungsaktion für Zypern vor allem Inhabern russischer Schwarzgeld-Konten nutzen würde. Russische Staatsbürger hätten bei zyprischen Banken 26 Milliarden Dollar (20,1 Milliarden Euro) gebunkert.

22. November:

Die zyprische Regierung beziffert den Finanzbedarf des Landes auf rund 17 Milliarden Euro.

11. Januar 2013:

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drängt Zypern bei einem Besuch auf der Mittelmeerinsel zu Reformen.

24. Februar:

Der als Sparkurs-Befürworter geltende Konservative Nikos Anastasiades wird zum neuen Präsidenten Zyperns gewählt.

4. März:

Angesichts anhaltender Vorwürfe der Europartner, ein Paradies für Geldwäsche zu sein, stimmt Nikosia einer unabhängigen Prüfung der Finanzströme auf die Insel zu.

16. März:

Die Finanzminister der Eurozone und der IWF wollen Zypern mit bis zu zehn Milliarden Euro unterstützen. Die Differenz zu den ursprünglich verlangten rund 17 Milliarden Euro muss Nikosia durch höhere Staatseinnahmen aufbringen, etwa durch Privatisierungen und eine Anhebung der Unternehmenssteuer, vor allem aber durch eine Abgabe auf Bankeinlagen, die insgesamt 5,8 Milliarden Euro bringen soll.

18. März:

Unter öffentlichem Druck kündigt Nikosia an, das Rettungspaket zugunsten der Kleinanleger neu zu verhandeln. Die Banken bleiben vorerst geschlossen, um panikartige Abhebungen von den Konten zu verhindern. Die Eurozone fordert Nikosia am Abend auf, "Einlagen unter 100.000 Euro vollkommen zu garantieren".

19. März:

Die zyprische Regierung beschließt, Bankeinlagen von unter 20.000 Euro von der Zwangsabgabe auszunehmen. Dennoch fällt das Rettungspaket am Abend im Parlament durch - es gibt keine einzige Ja-Stimme. Vor dem Parlament jubeln tausende Menschen nach der Ablehnung.

20. März:

Zyperns Finanzminister Michalis Sarris verhandelt in Moskau über mögliche russische Hilfen, die Verhandlungen führen aber zu keinem Ergebnis. Die einflussreiche Orthodoxe Kirche auf Zypern bietet ihre Hilfe an: Sie will der Regierung ihr Vermögen zur Verfügung stellen.

21. März:

Zypern will anstelle der Zwangsabgabe auf Bankguthaben einen eigenen Rettungsfonds einrichten. Die EZB erhöht den Druck auf das Land: Sie erklärt, die zyprischen Banken ohne internationalen Rettungsplan nur noch bis zum 25. März mit Notkrediten zu stützen.

22. März:

Merkel warnt Zypern davor, die Geduld der Eurostaaten auszureizen. Am Abend stimmt das zyprische Parlament ersten Maßnahmen eines neuen Rettungsplans zu, darunter einem Gesetz zur Bankensanierung und der Einrichtung eines nationalen Solidaritätsfonds.

23. März:

Zyprische Medien berichten über eine Einigung zwischen zyprischer Regierung und Troika auf ein Konzept für die umstrittene Zwangsabgabe auf Bankguthaben.

24. März:

Der zyprische Präsident Anastasiades reist zu Verhandlungen nach Brüssel, wo auch die Euro-Finanzminister zusammenkommen. In der Nacht zum 25. März stimmen die Euro-Finanzminister dem Rettungspaket zu.

25. März:

Nach einem dramatischen Verhandlungsmarathon in Brüssel einigen sich Euro-Staaten, Internationaler Währungsfonds und Zyperns Regierung auf ein Hilfsprogramm von 10 Milliarden Euro. Großanleger müssen sich auf Verluste einstellen. Einlagen unter 100.000 Euro bleiben jedoch unangetastet.

28. März:

Erstmals seit fast zwei Wochen öffnen die Banken wieder. Allerdings gibt es für Abhebungen und den Zahlungsverkehr strenge Beschränkungen.

S&P geht nicht davon aus, dass weitere „außergewöhnliche grenzüberschreitende“ Rettungsaktionen in der Euro-Zone nötig sind. Sollte ein solcher Notfall doch irgendwann eintreten, könnten Anleger aber durchaus wie im „Präzedenzfall Zypern“ an den Kosten der Rettung beteiligt werden, erklärte die Ratingagentur. Dies sei auch darauf zurückzuführen, dass es in den starken Euro-Zonen-Ländern immer mehr Widerstand gebe, mit Steuergeld Institute in anderen Ländern zu stabilisieren.

Kommentare (4)

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Sarina

28.03.2013, 20:22 Uhr

Dies sei auch darauf zurückzuführen, dass es in den starken Euro-Zonen-Ländern immer mehr Widerstand gebe, mit Steuergeld Institute in anderen Ländern zu stabilisieren.
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Oh ja, der Widerstand formiert sich - wird immer größer -, und dieser Widerstand könnte am Ende nicht nur den Euro hinwegfegen, sondern auch die EU in seiner jetzigen Konsistenz.

Account gelöscht!

29.03.2013, 08:35 Uhr

"Dies sei auch darauf zurückzuführen, dass es in den starken Euro-Zonen-Ländern immer mehr Widerstand gebe, mit Steuergeld Institute in anderen Ländern zu stabilisieren"

Und das ist auch richtig so.
Bin dafür ein "Bank-Verbraucherrating" zu implementieren.
Da die jetzigen Agenturen wohl mehr auf stümperhafte Geldvermehrung stehen, als auf echte Wertbildung und Werterhaltung.

Account gelöscht!

29.03.2013, 11:32 Uhr

28.3.13 Zypern könnte in der Tat Präzedenfall werden.Was Zypern widerfahren ist, kann allen Ländern widerfahren, in denen dem Raubeinkapaitalismus kein Einhalt geboten wird.Da gibt es die kleinen Staaten mit aufgeblähten Banken, wie Luxemburg und Malta. Aber auch in Frankfreich,Italien und Spanien brodelt es weiter.Großanleger müssen im Notfall zur Kasse gebeten werden, das ist richtig, denn sie profitieren am meisten vom bestehenden Finanzsystem. Doch, dies genügt nicht. Deshalb ist es dringend erforderlich, die Bankenunion sofort zu installieren. Diese hat die Aufgabe,Zockerbanken zu regulieren und zu kontrollierren, sie ggf. abzuwickeln, bevor das große Unheil ausbricht. Und neben den nationalen Einlagensicherungsfonds muß ein zusätzlicher auf europäischer Ebene aufgebaut werden. In der Reihenfolge eines Zugriffs auf Gelder im Notfall muss dann ein festgeschriebenes Ranking stattfinden. Zuerst wird auf einen nationalen Fond des kollabierenden Landes zugegriffen. Danach müssen die Steuerzahler dieses Landes zur Kasse gebeten werden. Erst im dritten Schritt darf ein europäischer Fond angezapft werden. Reicht dann das Geld nicht, kann man den europäischen Rettungsschirm aktivieren. Und zugleich müssen korrupte Politiker eines Landes zur Verantwortung gezogen werden. So sieht Rettung aus. Wolfgang Werkmeister,Buchautor,Eschborn

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