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18.02.2014

15:18 Uhr

Raub-Vorwurf

Pussy-Riot-Musikerinnen in Sotschi festgenommen

Gerade erst freigelassen, nun wieder in Gewahrsam? Die russische Polizei hat offenbar Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Alechina von der Punkband Pussy Riot in Sotschi festgenommen – aber nur für kurze Zeit.

Maria Alechina (l.) und Nadeschda Tolokonnikowa: Die Musikerinnen waren noch vor einer Woche bei der Berliner „Cinema for Peace Gala“ zu Gast. dpa

Maria Alechina (l.) und Nadeschda Tolokonnikowa: Die Musikerinnen waren noch vor einer Woche bei der Berliner „Cinema for Peace Gala“ zu Gast.

SotschiDie Ende vergangenen Jahres aus russischer Lagerhaft entlassenen Aktivistinnen der Punkband Pussy Riot sind nach eigenen Angaben am Rande der Olympischen Spiele in Sotschi festgenommen worden. Nadeschda Tolokonnikowa teilte am Dienstag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, sie sei zusammen mit ihrer Bandkollegin Maria Alechina im Zentrum der Schwarzmeerstadt inhaftiert und „des Raubs beschuldigt“ worden.

Alechina bestätigte demnach ihrerseits, festgenommen worden zu sein. „Wir sitzen in einem Polizeiauto. Sie bringen uns zur Polizei im Stadtteil Adler“, sagte Alechina der Nachrichtenagentur dpa aufgeregt am Telefon. Die Entwarnung kam einige Zeit ebenfalls via Twitter: Sie seien wieder in Freiheit, teilte Nadeschda Tolokonnikowa mit.

Pussy Riot war laut Angaben der Musikerinnen in der Stadt der Olympischen Winterspiele am Schwarzen Meer, um einen neuen Videoclip zu drehen mit dem Titel „Putin bringt Dir bei, die Heimat zu lieben“. Das Ringe-Spektakel gilt als Prestigeprojekt des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

„Wir haben keinen Widerstand geleistet. Aber sie sind mit grober Gewalt gegen uns vorgegangen. Sie zerrten uns in ein Polizeiauto“, sagte Alechina. Die Festnahmen erfolgten demnach im Stadtzentrum von Sotschi. Die Telefone seien ihnen zunächst nicht abgenommen worden. Der Sprecher des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Mark Adams, sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Wir warten auf eine offizielle Bestätigung, aber es scheint mir ein Fall für die lokalen Behörden zu sein.“

Die von Tolokonnikowas Ehemann Pjotr Wersilow geführte radikale Künstlergruppe Wojna (Krieg) teilte mit, außer Tolokonnikowa und Alechina seien sieben weitere Aktivisten festgenommen worden. Tolokonnikowa schrieb außerdem, sie sei zusammen mit Alechina am Sonntag sieben Stunden und am Montag zehn Stunden lang festgehalten worden. Sie sind Kritikerinnen der Olympischen Spiele und riefen zu einem Boykott der Veranstaltung auf.

Der ebenfalls festgenommene Fotograf Jewgeni Feldman schrieb bei Twitter, Hintergrund der Festnahmen sei ein angeblicher Diebstahl in einem Hotel in Sotschi. Es sei allerdings unklar, warum so viele Menschen in Gewahrsam genommen worden seien. Für Tolokonnikowa und Alechina war es das erste Mal seit ihrer Freilassung aus der Lagerhaft, dass sie festgenommen wurden.

Die beiden Frauen hatten im Februar 2012 ein sogenanntes Punkgebet in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale aufgeführt, das sich gegen Putin richtete. Sie wurden daraufhin wegen "Rowdytums" zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Im Dezember kamen sie durch eine Amnestie vorzeitig frei. Mit ihrer neuen Organisation Zona Priva setzen sie sich für die Verbesserung der Haftbedingungen in russischen Gefängnissen ein.

Kommentare (19)

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Fob

18.02.2014, 11:57 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Numismatiker

18.02.2014, 12:16 Uhr

"Raub".....wer's glaubt!!!

Oder wollten sie etwa die olympische Flamme samt Gasleitung klauen (mit Gewaltandrohung natürlich, sonst wäre es nur Diebstahl).

Jedes einjährige Kind hat mehr Mut als Putin, denn der hat Angst vor zwei jungen Frauen mit Charakter.

rolf

18.02.2014, 12:17 Uhr

Ist doch lächerlich, als ob man in Polzeiauto Telefonieren kann und Twittern...! [...]

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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