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15.01.2004

07:24 Uhr

Raumfahrtinitiative verkündet

Bush will Raumstation auf dem Mond

US-Präsident George W. Bush hat am Mittwoch Pläne für eine Rückkehr der USA zum Mond sowie einen bemannten Flug zum Mars vorgestellt. Die Initiative war bereits vor der offiziellen Vorstellung auf massive Vorbehalte gestoßen.

HB WASHINGTON. US-Präsident George W. Bush verkündete am Mittwoch in Washington die ehrgeizigen Pläne: 2015 sollen die ersten Mondflüge erfolgen und bis zum Jahr 2020 sollen amerikanische Astronauten wieder den Mond betreten und dort eine bemannte Station aufbauen. Diese soll dann als Startrampe für Exkursionen zum „Mars und Welten dahinter“ dienen.

In seiner Rede verwies der Präsident darauf, dass sich die Raumfahrt in den vergangenen 30 Jahren stark auf das erdnahe Orbit beschränkt habe. „In den vergangenen 30 Jahren hat kein Mensch eine andere Welt betreten oder sich weiter als 386 Meilen (620 Kilometer) ins All gewagt - das ist in etwa die Entfernung zwischen Washington und Boston“. Amerika habe seit fast einem Viertel Jahrhundert kein neues Raumschiff für Astronauten entwickelt. „Es ist an der Zeit für Amerika, die nächsten Schritte zu unternehmen“, forderte der Präsident.

Das Weiße Haus schätzt die Kosten für das Projekt in den kommenden fünf Jahre auf zwölf Mrd. Dollar. Elf Mrd. Dollar davon könnten durch eine Umstrukturierung des bisherigen Raumfahrtprogramms bereitgestellt werden. Um die Kosten ganz zu decken, wolle Bush eine weitere Milliarde Dollar beim Kongress beantragen.

Der Präsident erklärte, eine ständig besetzte Mondstation könne die Kosten für die weitere Erkundung unseres Sonnensystems deutlich verringern. Vom Mond mit seiner geringen Schwerkraft könnten Raumschiffe mit einem viel geringerem Energieaufwand und damit deutlich billiger zu ihren Missionen aufbrechen. Außerdem gebe es auf dem Mond Rohstoffe im Überfluss, die abgebaut und genutzt werden könnten.

Bush nannte mehrere Etappenziele in seiner Rede. Bis zum Jahr 2008 solle der Nachfolger der jahrzehntealten Shuttles entwickelt und bis zum Jahr 2014 für erste bemannte Missionen ausgebaut werden. Ab dem Jahr 2008 sollen Roboter dann auf dem Mond nach geeigneten Landeplätzen suchen. Erste Missionen mit dem neuen Raumschiff zum Mond könnten dann im Jahr 2015 erfolgen, und im Jahr 2020 soll dann die Rückkehr zum Mond stattfinden. Zugleich wird die Internationale Raumstation ISS nach diesem Plan bis zum Jahr 2010 mit Hilfe der alten Raumfähren fertig gestellt. Ende des Jahrzehnts sollten die alten Shuttles dann aus dem Dienst genommen werden.

Nicht nur Präsidentschaftsbewerber der Demokraten, sondern auch Konservative haben das Programm als nicht finanzierbar bezeichnet. „Für mich ist das finanziell einfach völlig absurd“, sagte etwa der Präsident des einflussreichen konservativen Klubs für Wachstum, Stephen Moore. „Bush gibt Geld aus, als ob wir es wie Heu hätten, und das haben wir nicht.“

Nasa-Chef Sean O'Keefe verglich die Kosten des Programms für den durchschnittlichen Steuerzahler dagegen mit dem Preis für einen Monat Kabelfernsehen. Regierungsvertreter sprachen von 55 bis 60 Dollar pro Steuerzahler pro Jahr.

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