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24.04.2015

15:49 Uhr

Razzia in Italien

Islamisten planten wohl Anschlag auf Vatikan

Die italienische Polizei hat 18 islamistische Terrorverdächtige aufgespürt, die vermutlich ein Attentat auf den Vatikan geplant hatten. Einige der Verdächtigen seien für Terrorangriffe in Pakistan verantwortlich.

Die sardische Zeitung „L'Unione Sarda“ berichtete, einer der Verdächtigen habe eine Baufirma in Olbia betrieben. dpa

Anschlagsziel?

Die sardische Zeitung „L'Unione Sarda“ berichtete, einer der Verdächtigen habe eine Baufirma in Olbia betrieben.

RomMutmaßliche Terroristen mit Verbindungen zu Al-Kaida haben möglicherweise einen Anschlag auf den Vatikan geplant. Es gebe Hinweise, dass die Verdächtigen 2010 einen Bombenanschlag vorgehabt hätten, teilte die Staatsanwaltschaft in Cagliari auf Sardinien am Freitag mit. Zuvor waren in Italien mindestens neun Terrorverdächtige aus Pakistan und Afghanistan, die Al-Kaida nahestehen sollen, festgenommen worden.

Gegen insgesamt 18 Verdächtige erließen die Ermittler Haftbefehle. Sie sollen hinter mehreren blutigen Anschlägen in Pakistan stecken, darunter hinter einem Angriff auf einen Markt in Peshawar, bei dem 2009 mehr als 100 Menschen starben. Zudem sollen die Verdächtigen Kontakt zu dem - inzwischen bei einem US-Kommandounternehmen in Pakistan getöteten - ehemaligen Al-Kaida-Chef Osama bin Laden gehabt haben. Ihr Stützpunkt sei auf der Insel Sardinien gewesen.

So viel kostet ein Terroranschlag

Die exakten Kosten...

... ... für Anschläge von Terrororganisationen sind schwierig zu bestimmen, wurden jedoch gerade als Folge von 9/11 von den Ermittlungsbehörden taxiert.

500.000 US-Dollar...

... haben demnach die Anschläge vom 11. September gekostet. Es ist die höchste Summe, die soweit bekannt, jemals für einen Terrorangriff ausgegeben wurde. Bereitgestellt wurde das Geld durch Überweisungen.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung...

... aus Sicht der Islamisten ist dabei gerade nach 9/11 perfekt aufgegangen. Den 500.000 investierten Dollars stehen direkte Kosten des Sachschadens 15,5 Milliarden US-Dollar gegenüber plus weitere Milliarden Belastungen der Haushalte durch den „Kampf gegen den Terror“ und gesamtwirtschaftliche Kosten, etwa für Fluglinien und Versicherungen.

Die Bombenanschläge auf Bali...

... mit mehr als 200 Todesopfern im Oktober 2002 kosteten die Terroristen deutlich weniger. So wird die Summe, die dafür aufgewendet wurde, mit 50.000 Dollar taxiert.

Die Anschläge von Madrid...

... vom 11. März 2004 auf Nahverkehrszüge, bei denen 192 Menschen starben, werden mit maximal 15.000 Dollar angegeben.

Extrem niedrige Kosten...

... für die Islamisten verursachten die Anschläge auf die U-Bahn in London im Juli 2005 mit mehr als 30 Toten zur Rushhour am 7. Juli 2005. Die vier Bomben, vier Rucksäcke, Handys und Zugtickets kosteten die Terroristen höchstens 2000 Dollar.

Diese Mikrofinanzierung...

... des Terrors macht es so schwierig, die Finanzströme mit den üblichen Kontrollen aufzudecken und zu stoppen. Das zentrale Mittel dieser Organisationen sind die selbstmordbereiten Attentäter, für deren individuellen und kollektiven Deradikalisierung aus Sicht von Experten zu wenig getan wird.

Quelle

German Institute of Global and Area Studies/Konrad-Adenauer-Stiftung/eigene Recherche

Staatsanwalt Mauro Mura sagte mit Blick auf den möglichen Anschlag auf den Vatikan: „Es gibt einige (abgehörte) Unterhaltungen, die klar darauf hindeuten, dass ein Angriff geplant wurde, vielleicht sogar auf den Vatikan-Staat.“ Die Polizei habe einen möglichen Selbstmordattentäter aufgehalten, der im März 2010 - als noch Papst Benedikt XVI. im Amt war - am Flughafen Fiumicino gelandet sei.

„Wir sprechen nicht von einem (Terror-) Anschlag“, sagte Mura. „Wir sprechen von einem Anzeichen, das auf die Vorbereitung eines möglichen Anschlags hindeutet.“ Vatikan-Sprecher Federico Lombardi erklärte, nach allem, was man wisse, handele es sich um eine Vermutung von 2010, die nicht weiter verfolgt wurde. „Deshalb ist die Sache heute nicht relevant und kein Anlass zur besonderen Sorge.“

Von

dpa

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