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10.01.2016

09:06 Uhr

Reaktion auf Atomtest

USA lassen Langstreckenbomber über Südkorea fliegen

Die USA reagieren auf den angeblichen angeblichen Atomtest Nordkoreas. Ein Langstreckenbomber ist über Südkorea geflogen. Damit will das US-Militär Entschlossenheit zeigen.

Die US-Luftwaffenbasis Pyeongtaek in Südkorea. dpa

Kampfflugzeuge

Die US-Luftwaffenbasis Pyeongtaek in Südkorea.

SeoulAls Antwort auf den jüngsten Atomtest durch Nordkorea haben die US-Streitkräfte einen B-52-Langstreckenbomber über den Süden der koreanischen Halbinsel geschickt. Der Bomber habe Südkorea in niedriger Höhe nahe der nordwestlichen Stadt Osan überflogen, teilte die Pazifik-Kommandostelle der US-Streitkräfte am Sonntag mit. Dies sei eine Demonstration der Entschlossenheit der USA gewesen, ihre Verbündeten zu verteidigen, sagte der Befehlshaber der Kommandostelle, Harry Harris Jr. Der Bomber sei anschließend zur US-Pazifikinsel Guam zurückgekehrt. Nordkorea hatte am Mittwoch nach eigenen Angaben erstmals eine Wasserstoffbombe getestet.

Unterdessen bezeichnete Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un den angeblichen Wasserstoffbombentest seines Landes als Akt der Selbstverteidigung. Mit dem Schritt sollte der „Frieden auf der koreanischen Halbinsel und die regionale Sicherheit gegen Gefahren eines von den US-geführten Imperialisten verursachten Nuklearkrieges verteidigt“ werden, zitierte ihn die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Sonntag. Kim äußerte sich bei einem Besuch des Armeehauptquartiers des Verteidigungsministeriums, bei dem der von Pjöngjang gemeldete Atomtest gefeiert werden sollte. Es war seine erste Stellungnahme zu dem Nuklearversuch in dieser Woche.

Pjöngjangs Weg zur Wasserstoffbombe

2002

Oktober: Washington wirf Pjöngjang vor, insgeheim waffenfähiges Uran zu produzieren und damit gegen das atomare Abrüstungsabkommen von 1994 zu verstoßen.
Dezember: Nordkorea enthüllt seinen Reaktor Yongbyon, in dem Plutonium hergestellt wird, und wirft die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aus dem Land.

2003

Januar: Der kommunistische Staat kündigt den Atomwaffensperrvertrag auf.
August: Die sogenannte Sechsergruppe aus Nord- und Südkorea, den USA, China, Russland und Japan trifft sich zu ersten Verhandlungen über den Atomkonflikt.
Oktober: Die UNO verhängt Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Nordkorea.

2005

Februar: Pjöngjang verkündet, Atomwaffen zu Verteidigungszwecken gebaut zu haben.
September: Pjöngjang akzeptiert den Stopp seines Atomprogramms und die Rückkehr zum Atomwaffensperrvertrag, bekommt im Gegenzug Sicherheitsgarantien und die Zusage von Energielieferungen.
November: Eine weitere Verhandlungsrunde scheitert am Widerstand der USA, eingefrorene Konten Nordkoreas in Macau freizugeben.

2006

Oktober: Erster nordkoreanischer Atomwaffentest

2007

Februar: Pjöngjang verspricht ein Mal mehr die Aufgabe seines Atomwaffenprogramms und will wieder IAEA-Inspekteure ins Land lassen - im Gegenzug für eine Million Tonnen Treibstoff und die Streichung von der US-Liste der Terror-Staaten.
Juni und Juli: Die Treibstofflieferungen werden aufgenommen, die IAEA-Kontrolleure bescheinigen Pjöngjang, den Reaktorkomplex in Yongbyon dichtgemacht zu haben.
Oktober: Der kommunistische Staat verspricht, sein komplettes Atomprogramm bis Ende des Jahres zurückzufahren.

2009

April: Nordkorea testet eine Langstreckenrakete. Der UN-Sicherheitsrat verschärft daraufhin die Sanktionen. Pjöngjang verlässt die Sechsergruppe, verkündete die Wiederaufnahme seines Atomprogramms und beendet die Zusammenarbeit mit der IAEA.
Mai: Nordkorea verkündet einen zweiten „erfolgreichen“ unterirdischen Atomwaffentest.

2013

Januar: Nach einem weiteren Raketentest verschärft die UNO ein weiteres Mal die Sanktionen.

Februar: Dritter Atomwaffentest, diesmal mit einem Mini-Sprengsatz.

August: Einem Satellitenfoto zufolge hat Nordkorea nach sechs Jahren seine Atomanlage Yongbyon wieder hochgefahren, die wichtigste Quelle für waffenfähiges Plutonium.

2015

Mai: Pjöngjang verkündet die Fähigkeit, Mini-Atomwaffen zu produzieren, eine entscheidende Etappe auf dem Weg zu Atomsprengköpfen für Raketen.
Dezember: Machthaber Kim Jong Un lässt durchblicken, sein Land habe eine Wasserstoffbombe entwickelt.

2016

Januar: Pjöngjang verkündet einen ersten Test mit einer Wasserstoffbombe.

Der Test sei „das legitime Recht eines souveränen Staates und eine angemessene Aktion, die niemand kritisieren“ könne, sagte Kim laut dem Bericht weiter. Mit Blick auf den Atomversuch verwies er auch auf den für Mai geplanten ersten Parteitag der regierenden Kommunisten seit 1980. Es wird erwartet, dass Kim bei der Zusammenkunft die Parteiführung personell umgestalten und seine Macht so ausbauen will.

Die internationale Gemeinschaft strebt als Reaktion auf den von mutmaßlichen Atomtest neue Sanktionen gegen Nordkorea an. Seoul reagierte schon und nahm am Freitag die Propagandalautsprecher an der Grenze zum Norden in Betrieb. Die Durchsagen sollen die Unfehlbarkeit der Herrscherfamilie Kim infrage stellen. Zugleich gibt es große Zweifel an der Darstellung über eine Zündung einer H-Bombe. Denn das Nukleararsenal Nordkoreas gilt als begrenzt, die am Mittwoch registrierte Detonation soll zudem für eine solche Bombe nicht stark genug gewesen sein.

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