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29.11.2011

15:51 Uhr

Reaktion auf Sanktionen

Iraner stürmen britische Einrichtungen in Teheran

In Teheran eskaliert die Lage: Demonstranten stürmten die britische Botschaft. Hintergrund sind Sanktionen gegen den Iran. Dann wurde eine zweite Einrichtung angegriffen. Auf dem Gelände steht auch eine deutsche Schule.

Studenten stürmen britisches Botschaftgelände in Teheran

Video: Studenten stürmen britisches Botschaftgelände in Teheran

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TeheranIranische Demonstranten haben am Dienstag die britische Botschaft in Teheran gestürmt. Mehr als 20 Demonstranten drangen in das Gebäude ein, rissen die britische Flagge herunter und verwüsteten Büros, wie ein AFP-Reporter berichtete. Das britische Außenministerium reagierte entrüstet. Das iranische Staatsfernsehen zeigte, wie Demonstranten Fensterscheiben mit Steinen einwarfen. Ein Demonstrant war zu sehen, wie er mit einem Porträt von Queen Elizabeth II. die Mauer des Gebäudes hinaufkletterte. Der Angriff erfolgte, während iranische Bereitschaftspolizisten daneben standen.

Zudem stürmten mehrere hundert iranische Demonstranten nach Berichten iranischer Medien eine zweite diplomatische Einrichtung Großbritanniens in Teheran. Wie die Nachrichtenagentur Irna meldete, befinden sich auf dem Gelände im Norden der iranischen Hauptstadt Gästehäuser für britische Diplomaten sowie deutsche, britische und französische Schulen.

Erst eine halbe Stunde später waren Polizisten auf den Botschaftsmauern zu sehen, wie sie weitere Demonstranten davon abhielten, auf das Botschaftsgelände vorzudringen. Auch auf dem Gelände der Vertretung waren Polizisten im Einsatz und versuchten, die Demonstranten zurückzudrängen.

Die Demonstranten protestierten offenbar gegen die vor kurzen verhängten Sanktionen Großbritanniens im Atomstreit mit dem Iran. Das Parlament in Teheran hatte deshalb am Montag die Ausweisung des britischen Botschafters Dominick Chilcott binnen zwei Wochen und die Abberufung des iranischen Botschafters aus London beschlossen. Außerhalb der britischen Botschaft riefen hunderte Demonstranten „Tod für Großbritannien“.

Die britische Regierung verurteilte das Vordringen der Demonstranten scharf. „Wir sind entsetzt darüber“, heißt es in einem Statement des britischen Außenministeriums, das am Dienstag in London verbreitet wurde. „Es ist absolut inakzeptabel, und wir verurteilen das.“ Die Situation in Teheran sei unklar.

Sanktionen gegen den Iran

2006

Im Dezember 2006 verbot der Sicherheitsrat den UNO-Mitgliedsländern, dem Iran Material und Technologie zu liefern, die seinen Atom- und Raketenprogrammen dienen könnten. Zudem wurden sie angewiesen, die Guthaben von zehn iranischen Schlüsselunternehmen und zwölf Einzelpersonen einzufrieren, die mit diesen Programmen zu tun haben.

2007

Im März 2007 wurden iranische Waffenexporte untersagt und die Guthaben von 28 weiteren Personen und Organisationen eingefroren. Der Sicherheitsrat rief überdies zu freiwilligen Beschränkungen der Reisemöglichkeiten betroffener Personen, der Waffenverkäufe an den Iran und frischer Finanzhilfen und Kredite an die iranische Regierung auf.

2008

Im März 2008 untersagte der Sicherheitsrat den Handel mit Gütern, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Seitdem darf beim Verdacht auf verbotene Ware auch die Fracht von Flugzeugen und Schiffen iranischer Staatsfirmen inspiziert werden. Zudem wurden die finanzielle Überwachung der Banken Melli und Saderat gebilligt, die Staaten zu „Wachsamkeit“ beim Abschluss neuer Handelsvereinbarungen aufgerufen und die Guthaben von weiteren zwölf Unternehmen und 13 Personen eingefroren.

2010

Im Juni 2010 untersagte der Rat dem Iran jegliche Aktivität in Bezug auf ballistische Raketen, die als Trägersysteme für Atomwaffen dienen können, Investitionen in Tätigkeiten wie Uranabbau und den Kauf bestimmter schwerer Waffen. Alle Länder wurden aufgerufen, bei der Inspektion verdächtiger Fracht zu kooperieren sowie Finanztransaktionen zu stoppen und die Zulassung iranischer Banken zu untersagen, wenn der begründete Verdacht besteht, dass diese Aktivitäten zum Atomprogramm beitragen könnten. Der Sicherheitsrat verhängte außerdem Sanktionen über 40 iranische Unternehmen und Organisationen, setzte eine weitere Person auf die bis dahin 40 iranische Staatsbürger umfassende Liste derer, deren Guthaben eingefroren wurden, und sprach für alle ein Reiseverbot aus.

...von der EU und den USA

Die EU und die USA haben weitergehende Sanktionen beschlossen. Die USA bereiten Gewährsleuten zufolge eine Reihe von Schritte vor für den Fall, dass der Iran die vom jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aufgeworfenen Fragen nicht zufriedenstellend beantwortet. In den kommenden Tagen werde man auch mit internationalen Partnern erörtern, wie der Druck auf Teheran erhöht werden könne, hieß es aus Regierungskreisen.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

29.11.2011, 14:28 Uhr

Demonstranten stürmen britische Botschaft / im Staatsfernsehen übertragenen Bildern zu sehen war
Und eine Israelische Flagge wird verbrannt ?

Das wirft auch die Frage auf , ob der Iran noch im Stande ist Internationale abkommen einzuhalten .
Die Botschaften anderer Länder sind gegen alle arten von Übergriffen zu schützen , wenn das Staatsfernsehen dabei war und Bilder übertragen hat , bleibt nur der Schluss das dieses Aktion angekündigt und von der Staatsmacht gebilligt , wenn nicht sogar zu dieser Aktion aufgerufen wurde .
Das wär dann Staatsterrorismus !

Account gelöscht!

29.11.2011, 14:28 Uhr

Und was sagt der Iran dazu ?
Na jedenfalls geben sie sich nicht viel mühe , eine schlüssige Erklärung warum der ehemalig englische Botschafter sowas von sich gegeben haben solle, liefern sie nicht .
Im übrigen ist das Kriegspropaganda wie sie vordergründiger nicht sein könnte !

http://german.irib.ir/nachrichten/politik/item/133788-absprache-london-und-tel-aviv-gegen-iran

sterbende_demokratie

29.11.2011, 14:53 Uhr

Welche internationalen Abkommen meinen Sie denn?

Vielleicht die (Atomwaffen) die beispielsweise Israel erst gar nicht unterzeichnet hat?

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